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Der Israelit · 1902-01-20 · Heft 6 (20.1.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 6 (20.1.1902)
Date
1902-01-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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troffen, zu versichern, daß das Kuratorium aus tiefstem Herzen seinen Schmerz theile. Nach Annahme dieses Vorschlages begrüßte der Vorsitzende das neue in das Kuratorium eingetretene Mitglied, Herrn Leszynsky, von dessen Mitarbeit das Kuratorium sich ein gedeihliches Wirten versprechen dürfe; Herr Leszynsty erklärte, mit ganzer Kraft für die Interessen der Kasse wirken zu wollen. Alsdann theilte der Vorsitzende mit, daß Herr Meyer sein Amt niedergelegt, dem Kuratorium aber seine fortdauernde Sympathie für die Kasse zum Ausdruck gebracht habe. In einem Schreiben an ihn wird mit Bedauern von seinem Entschluß Kenntniß genommen und ihm der Dank des Kuratoriums für seine bisherige Mitarbeit übermittelt. Darauf verlas der Schriftführer den Jahresbericht. Die Versammlung beschloß,, den Bericht dem Druck zu übergeben, sobald der Schatzmeister, Herr Loewenberg, den Kassenbericht geliefert hat, dessen definitive Aufstellung erst erfolgen kann, wenn die. Bank für Handel und Industrie das Cvntocorrent eingesendet hat. Darauf legte der Vorsitzende folgenden Antrag des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen auf. Abänderung des § 14 der Satzungen der Kasse vor: „Alljährlich wird nach Maßgabe der vorhandenen Mittel aus den der Kasse zur Verfügung gestellten Zuwendungen, Geschenken und Zinsen von dem Kuratorium eine Summe bestimmt, aus welcher den Provinzialkassen Zuschuß geleistet werden soll, wenn diese die Einhaltung vom Kuratorium festzusetzende Minimalquote nachweislich nicht festzuhalten in der Lage sind." Nach einigen erläuternden Bemerkungen des Vorsitzenden ging die Versammlung aus sachlichen und geschäftsordnungsmäßigen Gründen sowohl über diesen Antrag, als auch über die Anträge des Herrn Nathan-Rakwitz zur Tagesordnung über. — Da baldigst die erste Generalversammlung der Mitglieder der Kasse einzuberufen ist, wurde der Beschluß gefaßt, dieselbe für den 5. Februar 1902 festzusetzen. — Schließlich wurde die Anregung gegeben, für den größten Theil der Grundfonds behufs besserer Verzinsung eine erste Hypothek zu erwerben, und zur Verathung dieser Angelegenheit eine Kommission, bestehend aus den Herren Banlbergcr. Leszynsky und Loewenberg, eingesetzt, die geeignete Vorschläge machen soll. — Schluß der Sitzung: 1 Uhr. Dr. Fiegel, Schriftführer. Ausl Schlesien und Posen, 16. Jan. Die Ehewra Kadischa (Krankenpflege- und Beerdigungsverein) der israelitischen Gemeinde W o l l st e i n feierte ihr 160jähriges Stiftungsfest durch eine religiöse Feier und ein Festmahl. — Das Heimann 'sche Ehepaar in R o - g o m o feierte das Fest der goldenen Hochzeit. Der Kaiser verlieh dem Jubelpaare die „Ehejubiläumsmedaille." — In Nikolai in Oberschlesien begeht am 19. Januar der Kunstdrechsler Abraum Opfer sein „siebzigjähriges Meisterjubiläum." Einen bekannten Ruf hat.der Jubilar besonders als Cigarrenspitzen- und Pfeifenfabrikant. Seine Fabrikate zeichnen sich durch peinliche Sauberkeit und vortreffliche Bohrung aus. Meister Opfer hat das Handwerk in seiner Vaterstadt Pleß erlernt und sich durch ausdauernden Fleiß so vervollkommnet, daß er die angesehensten Personen zu seinen Kunden zählt. So hat er seiner Zeit für den Herzog von Ratibor eine Jagdpfeife geliefert, welche dieser dem hochseligen Kaiser Friedrich zum Geschenk machte. Ebenso zählt der Generalleutnant Graf Hochberg zu seinen Kunden. Der Jubilar steht nun im 88. Lebensjahre und erfreut sich seltener Geistes- und Körperfrische. Noch immer sieht man den alten Meister geschäftig in seiner Werkstatt, nicht etwa aus Sorge um das tägliche Brod, sondern aus Liebe zur Sache selbst. — Dem Kreisärzte Dr. L i ch t m i tz in O h l a u ist der Charkter als Medizinalrath verliehen worden. Oesterreich. Wien, 16. Jan. (Das altjüdische Schulwese n.) Prof. Dr. Wilhelm Bacher aus Budapest hielt am 9. dss. Mts. Abends in der Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums, einen Vortrag über „das altjüdische Schulwesen." Der Gelehrte charakterisirte zuerst den Gegensatz zwischen jüdischer und griechisch-römischer Kultur und legte sodann den Unterschied zwischen Synagoge und Lehrhaus dar. In diesen beioen Schöpfungen der jüdischen Kultur habe das. Volk, als es seiner staatlichen Selbstständigkeit beraubt war, eine neue Daseinsthätigkeit gefunden. Dr. Bacher schilderte sodann den Zustand, die Lehrziele, und die Ergebnisse der jüdischen Schulen zur Zeit des zweiten Tempels, indem er von den historischen Anschauungen über den Ursprung des Jugendunterrichtes beim jüdischen Volke überhaupt ausging und im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen bemerkenswerthe Details vorbrachte, die in das Lehren und Lernen in den Schulen, welche die sittliche Vervollkommnung des jüdischen Volkes zum Hauptziele hatten, einen klaren Einblick gewährten. Zum Schlüsse seines höchst interessanten Vortrages widmete Professor Dr. Bacher der verdienstvollen Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums überaus warme Worte der Anerkennung. Der Vortragende erntete stürmischen Beifall. England.- London, im Jan. In einer großen Wählerversammlung Hierselbst hat das Mitglied des englischen Unterhauses, Major W. Evans-Gordon, einer der Hauptführer der fremdenfeindlichen Partei in Englands eine bemerkenswerthe Rede gehalten, in welcher er seine aus Konservativen und Unionisten bestehende zahlreiche Zuhörerschaft dringend vor bem Antisemitismus warnte. In seinen Ausführungen hob Redner seine eigenen großen Verdienste um die fremdenfeindliche Bewegung hervor und versicherte seine Zuhörer, daß er und seine Freunde weder ruhen .noch rasten werden, bis

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