Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1902)
- Date
- 1902-01-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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große Ansprüche stellen. Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß die z'T-in CVden rveitaus größten Theil der Unterrichtszeit in Anspruch nehmen und bei den Hörern im Vordergrund des Interesses stehen. Der Leiter der Anstalt lernt täglich, mit Ausnahme von Freitag und Sabbat, zwei Schiurim. Der eine Schiur ist ausschließlich sür die Hörer der Jeschiwoh bestimmt. Die dabei zur Anwendung kommende Lernmethode setzt gründliche talmudische Vorbildung und jedesmalige Präparation voraus. Diese Gründlichkeit des Lernens, der wahre wissenschaftliche Ernst bei Behandlung der talmudischen Themata, die ehrfurchtsvolle Hochachtung vor der unverletzlichen Heiligkeit des rare — dürfte gar mancher osteuropäischen Jeschiwoh zum Vorbild dienen. Außerdem wird täglich ein zweiter Schiur gelernt, der auch für Anfänger und für solche berechnet ist, die für eine regelmäßige Präparation keine Zeit haben. Den Unterricht im Schulchan Aruch besorgt Herr Rabbinatsassessor Gerson Posen in anerkennenswerther Weise. Für den Unterricht in Thnach und jüdischer Geschichte besitzt die Jeschiwoh in Herrn Rabbiner Dr. B o n d i aus Mainz eine vorzügliche, schätzenswerthe Kraft. Herr Oberlehrer Dr. Caro hat mit seinem Unterricht in den profanen Fächern bereits die glänzendsten Resultate erzielt. Das harmonische Zusammenwirken von Realschule und Jeschiwoh ist gelegentlich des Siumfestes von Herrn Direktor Dr. Lange in geziemender Weise hervorgehoben worden. Da eine zur Reifeprüfung für den Einjährigen-Freiwilligen-Dienst berechtigte Realschule ihren Schülern eine gründliche talmudische Ausbildung nicht gewähren kann, so bricht sich in Frankfurt a. M. allmählich die Ueberzeugung Bahn, daß ein jüdischer Vater seiner Pflicht als Vater und Jehudi nur dann genügt, wenn er sein Kind, nachdem es die Realschule absolvirt hat, eine Zeit lang die Jeschiwoh besuchen läßt. In letzter Zeit haben auch in der Thai Frankfurter Bachurim aufgehört, eine ausgestorbene Spezies zu sein. Die Jeschiwoh zu Frankfurt gehört heute anerkanntermaßen . zu den wichtigsten Institutionen der isr. Religionsgesellschaft. Als vor nunmehr dreizehn Jahren Rabbiner Hirsch s. A. aus dem Leben schied, da durchzuckte ein unnennbar schmerzliches Weh die gesammte jüdische Welt, und alle Blicke wandten sich auf die ihres großen Führers beraubte Gemeinde: Was soll aus dieser Kehilloh werden? — Man war für ihre Zukunft ernstlich besorgt und gar Manchem kamen jene römischen Worte in den Sinn: Videant consules ne quid res publica detrimenti capiat! Die Konsuln mögen dafür Sorge tragen, daß der Staat Leinen Schaden erleide! — Die Gemüther haben sich inzwischen beruhigt. Alle Sorgen waren Gott fei Dank unnöthig gewesen. Die israelit. Religionsgesellschaft lebt nicht nur. sie wächst, gedeiht und blüht in ungeahnter Weise. Das von gehässigem Spott nicht freie Vorurtheil, mit welchem man die „ungarische" Jeschiwoh zu Frankfurt begrüßte, spuckt heute nur noch in den Köpfen Vereinzelter, die nicht sehen und hören wollen. Es wird das unvergängliche Verdienst unseres Rabbiners bleiben, es gleich bei seinem Amtsantritt mit richtigem Blick erkannt zu haben, daß nur. nach Gründung einer Jeschiwoh an eine gedeihliche Fortsetzung der Lebensarbeit seines Vorgängers zu denken sei. Die unablässige Betonung der Rothwendigkeit des Lernens in unserer.Zeit charakterisirt seine ganze bisherige Wirksamkeit als Kanzelredner in der Synagoge und als Lehrer der Jugend auf dem Katheder der Schule. Daß diese Wirksamkeit mit immer größerem Erfolge gekrönt sein möge, ist der innige Wunsch aller Derjenigen, die es noch ernst mit unserer Thauroh meinen. Daß dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird, wer möchte es bezweifeln angesichts der bereits erzielten Resultate? Als wir uns vor einiger Zeit im Hörsaale versammelten. um bei einer b» nnaar mitanwesend zu sein, wie sie schöner und herrlicher nicht gedacht werden kann, da hat es sich gezeigt, in ganz überwältigender Weise gezeigt, welch' tiefe Wurzeln bereits die Liebe zur Thauroh im Schoße unserer Gemeinde gefaßt und wie berechtigt die Hoffnung ist, daß es immer besser und schöner, immer jüdischer werden wird in unserem^ Kreise, hat es sich gezeigt —und das möchten wir ganz besonders hervorheben — *i\br,r. irrv n vns* vb '2 sw xb daß Rabbiner Hirsch einen ihm vollkommen ebenbürtigen Nachfolger gefunden, der ihm nicht nachsteht an rmn, an norn und rav — daß die Konsuln auf die Stimme ihres Gewissens gehört und dafür Sorge getragen, daß der Staat keinen Schaden erleide. — Videant consules! — Viderunt consules. Die Thatsachen bestätigen es, und unser Sijumfest hat's gezeigt. Zeitungsnachrichten nnv tsorrcsporrdcrrzeri. Deutschland. Berlin. 17. Jan. Am 29. Dezember v. I. fand eine Sitzung des Kuratoriums der „Pensions-, Wittwcn- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche" statt. Der Vorsttzende, Herr Hanfs, eröffnete die Sitzung um 11U Uhr. Anwesend waren außer sämmtlichen Vorstandsmitgliedern die Herren Dr. Barrach-Berlin» Herbst- Lissa, Leszynsky-Berlin und Professor Dr. Philippson Berlin. Entschuldigt hatten sich die Herren Direktor Dr. Adler-Frankfurt a. M., Blumenfeld-Adelebsen und Steinhardt-Magdeburg. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß eines der thätigsten Mitglieder, Herr Direktor Dr. Adler, durch das Hinfcheiden seiner Mutter an der Theilnahme verhindert sei, und schlug vor, ihm anläßlich des schweren Verlustes, der ihn be-