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Der Israelit · 1902-01-20 · Heft 6 (20.1.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 6 (20.1.1902)
Date
1902-01-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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148 die Gesetzgebung der Einwanderung der Fremden einen Riegel vorgeschoben haben wird. Leider richtet sich der. Haß eines Theiles des Volkes nicht gegen die unfähige Regierung, welche die Fremden in's Land gelassen hat, sondern gegen diese Fremden selber, welche mit Erlaub-' niß der Regierung zu uns gekommen sind. Dadurch setzen die Gegner der'Fremdeneinwanderung sich selber in's Unrecht und tragen sehr zum Scheitern der ganzen Bewegung bei. Denn kein rechtlich denkender Staatsmann wird eine von'Fremden- und Rassenhaß getragene Bewegung unterstützen, wollen. Als christliches Volk müssen die Engländer für andere dasselbe thun, was sie wünschen, daß man für sie thue. Die Engländer dürfen nicht vergessen, daß die Fremden nicht freiwillig zu uns gekommen, sondern durch eine empörende Verfolgung zur Auswanderung gezwungen worden sind. Ihre besseren Sitten und Gewohnheiten haben die Engländer nicht etwa ihrem edleren Blute, sondern ihrer freiheitlichen Verfassung und ihrer besseren Gesetzgebung zu verdanken. Er wolle alles thun. um eine weitere Zuwanderung von Fremden zu verhindern, so lange jedoch diese Fremden mit Erlaubnis; des Gesetzes zu uns kommen, haben sie.denselben Anspruch auf Schutz und nrenschliche Behandlung, wie jedes andere in England lebende Menschenkind. Zum Schluß beiheuerte Redner nochmals, daß die von ihm geleitete. Bewegung sich nicht gegen die Juden, sondern ausschließlich gegen die Fremden richte, und daß er ebenso handeln würde, wenn die Einwanderer nicht Juden, sondern Amerikaner wären. Die Juden Englands werden freilich nicht so thöricht fein, diesen Bethruerungen zu glauben; sie werden vielmehr wissen, daß Major Gordou in East Lcndon mit seinen zahlreichen jüdischen Wählern eben eine Wahlrede gehalten hat. Wie lveit müssen es die Herren mit ihrer fremdenfeindlichen Agitation gebracht haben, wenn gegen die antisemitischen Heißsporne, welche viel zu früh ihre Karlen aufgedeckt haben, jetzt schon eine solche Rede nothwendig geworden ist! Rußland. Petersburg. (Die Anzahl der Inden in der r u s fi schen Armee.) Das hier erscheinende Blatt „Wosschod" weist auf Grund amtlicher Daten nach, daß die Juden im Berhältniß mehr Soldaten stellen, als die übrige nichtjüdische Bevölkerung. daß also von einer Entziehung von der allgemeinen Dienstpflicht seitens der Juden nicht die Rede sein kann. So sind im Jahre 1899Jjon Juden 31,34 pCt. aller Einberufenen in's Militär ausgenommen worden, während man von Christen nur 29,64 pEt. aufnahm, im Jahre 1900 nahm man von Juden 29.68 pEt.. von Christen nur 28.28 pCt.. Dabei werden in den Einberufungsttsten nicht nur Verstorbene, sondern auch die ungeheure Masse der jüdischen Auswanderer als gestellungspflrcktiq ausgeführt. Rach' den Aufstellungen des statistischen Zentralkomitees gibt es in 'Rußland 5,189,000 Juden oder 4,13 pCt. der Gesammtbevöllerung. In den Einberufungslisten für 1900 waren 1,012,629 Personen eingetragen, darunter -55,571 Juden, d. i. 5,49 pCt. In den 50 Gouvernements des europäischen Rußland waren insgesammt 247,373 Rekruten erforderlich, darunter 13,007 Juden oder 5,26 pCt.; im Königreich Polen entfielen von den 25,209 geforderten Rekruten auf den Theil der Inden 18,28 pdt. - Literarisches. Das in kurzer Zeit in drei Auflagen erschienene ..Vollständiges praktisches .Kochbuch für die jüdische Küche", von der im verflossenen Sommer leider verstorbenen Frau Wittwe Gumprid) in Trier, ist das bekannteste Buch und gehört zu den besten seiner Art. Die Verfasserin hat ihre weit über tausend Kochrezepte während ihrer vierzigjährigen Thätigkeit selbst erpkvbt und gab es wohl in Trier und weiteste Umgebung (Saar. Pfalzgegend etc.) nicht leicht eine größere jüdische Feier, bei der Frau Gumbrich nicht gekocht hätte. Den reichen Schatz ihrer kulinarischen Erfahrungen hat sie nun in dieses Buch niedergelegt und sind die darin enthaltenen Rezepte sowohl für Milch-, Fleischals auch für Peßachspeisen berechnet; außerdem ist auch ein Anhang über Tischdecken, Servieren, als auch Speisezettel für alle Gelegenheiten des Jahres beigefügt. Das Buch, welches von dem Verleger Kaufmann u. Comp, (siebe Inserat) in den Handel gebracht, ist 348 Seiten stark, in elegantem Einband und ist nicht nur für jede jüdische Hausfrau belehrend und von großem Werth, sondern auch für Gelegenheitsgeschenke (Hochzeits-, Geburtstagsgeschenke etc.) angelegentlichst zu empfehlen.. Briefkasten der Redaktion. Herrn Df. ummI. 21 in Sendorf: Es ist nicht nur jüdischer Brauch, sondern directe Borschrist im Jore Dea 242, daß man auf dem Platz des Rabbi nicht sitzen soll. Deswegen iit es auch in allen jüdischen Gemeinden ein geführt, das; dem Rabbiner sowohl in der Synagoge, als auch in der Lehrsmbe ein separater Sitzplatz eingeräumr wird, der von Niemanden benützt werden darf. Wenn die Rabbinerstelle nicht besetzt ist, pflegt auch der Ehrensitz leer zu bleiben. „Fragesteller" in Pommern: Gewiß soll man keine Thora von ihm lernen, wenn er einen nnreligissen Lebens wandel sühn Im jüdischen Schriftthnm wird ein solcher Gelehrter auj's Entschiedenste verurtheilt. ton nn 'di Wien aan TD5m Wer die religiösen Satzungen geringschätzig behandelt» und hätte er die Fülle der Wisienscha>r. er iit gleich dem Geringsten in der Gemeinte. Der Leg zum Neben der Mizwoth gehr wohl über's Lernen; aber nic-ycn sOs* ip’j? ttmon K5, die Hauptsache bleibt immer die praktische Bethätigung der Thora. Er» Wort: Ihre schöne Erzählung ist dankend acceptirt und soll in aller Kürze zum Abdruck gelangen

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