Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1902)
- Date
- 1902-01-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i 143 wie cs das Roborat ist, denselben Nährwerth hat. wie dos Plasmon, das nur aus Milchbestandtheilen herge stellt ist, ist sehr zweifelhaft, zumindest vorerst nicht allgemein anerkannt. Dcßhalb ist es rathsam, auf dergleichen Präparate aufmerksam zu machen. die Kranken ohne Sorge empfohlen werden diirfen. Dies war der Zweck meines ersten Schreibens, dem ich die obigen Zeilen habe folgen lasten, damit Herr B. bei der „Klarheit der Sache" meine Erwiederung nicht „unerklärlich" findet. Dr. Auerbach. Vermischtes. Bafel. Das Basler Sani'ätsdeparlement schlägt dem Regierungsrath das Gesuch einer großen Zahl Basler Israeliten betreffend Erstellung eines israelitischen Friedhofes zur Behandlung und Beschlußfassung vor. Prag. Nach dreißigjährigem Bestehen hat die „Israelitische Gemeindezeilung" mit dem heutigen Tage ihr Erscheinen eingestellt. New-4)ork. Herr Meyer Guggenheim hat für das jüdische Krankenhaus in Philadelphia 2500UO Mk. gespendet. Feuilleton. Johann Friedrich Schulze. Eine Erzählung aus der Gegenwart. 8J fNachdruck verboten (Schluß.) Joseph jubelte auf. „O, wie danke ich Ihnen, mein theurer, guter Herr Meyer. Der höchste Wunsch meines Lebens, er ist erfüllt." Meyer glaubte, sein Sohn sei geisteskrank geworden. Mit einer bedauernden Handbeweaung bedeutete er ihm, ihn zu verlassen. In höchster Erregung eilte Schulze, wie wir ihn nunmehr wieder nennen wollen, zu seinem Rabbi. „Mein theurer Rabbi," rief er mit einem Tone, der das lauterste Glück verrieth, „ich glaube nicht, daß Sie nunmehr noch an der Reinheit meiner Gesinnungen und an meiner aufrichtigen und wahrhaften -Liebe zum Judcnthume zweifeln. Alles, Alles habe ich für es hingegeben: Reichthum, Ansehen, Glück und das Höchste, was ein Mensch besitzt." hier trübte sich aus kurze Zeit sein Blick — „meinen guten Namen. Auch mein jüdisches Mädchen, das ich so heiß liebe, es ist anderweitig vergeben, nicht die Liebe zu ihm führt mich zu Eurem Glauben, Rabbi. Rabbi, darf ich hoffen, daß Sie nunmehr meinem llebertritt nichts mehr in den Weg zu legen haben?" „Mein Sohn, Du stehst noch nicht auf derjenigen Höhe, auf der ein vollkommener Jude stehen soll.' Das jüdische Gesetz verlangt, daß seine Anhänger ihr Leben und ihr Vermögen für die Liebe zu Gott hingeben, aber den guten Namen kann man nicht für den Glauben oofern, denn durch dessen Annahme kann sich der Name des Menschen nur verbessern. Doch erzähle, wie es Dir ergangen." Der Rabbi ließ sich ausführlich die Unterredung Schulze's mit dem alten Meyer mittheilen, dann umarmte und küßte er seinen Zögling. „Du bist der Uns'rige und wirst der Uns'rigc bleiben. Ich werde dafür sorgen, daß Dein llebertritt zu der Religion meiner Väter in kurzer Zeit vollzogen sein wird. Doch jetzt rathe ich Dir dringend, lieber Sohn, Dich zunächst - mit einem Anwalt zu benehmen, vielleicht macht Dein Pseudovater seine Drohung zur Wahrheit und meldet Dich der Behörde, so kannst Du mancherlei Unannehmlichkeiten haben." Schulze folgte dem Rathe des Rabbi, doch seine Befürchtungen waren grundlos. Meyer machte nicht nur keine Anzeige bei der Behörde, er schickte sogar einen - Boten zu dem jungen Manne und ließ ihm sagen, er wolle ihm Alles verzeihen, er wolle ihn als Sohn anerkennen und lvcnn er selbst Muhamedaner werden wollte. Er liebe ihn wie seinen eigenen Sohn; er solle nur so schnell wie möglich.zurückkehren. Schulze aber lehnte dankend ab. Er wollte auch den Schein nicht erwecken, als habe er äußerlicher Umstände wegen seinen Glauben gewechselt; er nahm auch keine Geldgeschenke von Meyer an. er gründete vielmehr ohne irgendwelche Mittel in W. ein Geschäft, das Dank des großen Vertrauens, das man ihm allenthalben entgegenbrachte. bald zu großer Blüthe gelangte. Während seiner Thätigkeit im Hause des Komrnerzienrathes Meyer hatte die Geschäftswelt seine besonderen Fähigkeiten bald erkannt und die soliden alten Firmen beeilten sich, mit ihm in Verbindung zu treten. Eredit erhielt er, soviel er wollte und war es ihm nickt, schwer, seine Konkurrenten niederzuringen. Gegen seine überlegene Begabung war nicht aufzukommen und der Erfolg gab ihm immer Recht.' Seine Operationen waren großzügig und bei aller.oft verblüffenden Kühnheit doch mit viel Umsicht eingeleitet. Sein Ruf verbreitete sich rasch und es gelang ihm, in kurzer Zeit eine dominirende Stellung in der Geschäftswelt zu erringen. Bei großen Finanzoperationen, waren sie nun staatlicher oder privater Natur, war seine Autorität kaum noch zu. umgehen. Bald zählte die Firma Johann Friedrich Schulze zu den ersten des Landes. Eines Tages saß er in seinem Komptoir. Mit dem Gang der Geschäfte überaus zufrieden, fehlte ihm nur Eines zu seinem Glücke: eine fromme, gebildete Lebensgefährtin. Einer der Makler, die sich täglich beiihm einfanden, um seine Aufträge entgegenzunehmen, erschien auch heute. Von ihm ließ sich Schulze stets zur Erholung ein wenig Stadtklatsch erzählen. ' Der Makler war auch ein Glaubensgenosse, aber .Keiner von der strengen Richtung seines Geschäfts-