Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1902)
- Date
- 1902-01-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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142 gehende Erhebungen vorzunehmen. Die Recherchen haben die vollste Bestätigung der erhobenen Beschwerden ergeben. Da dem Verein zur Förderung der Handwerke inländischer Israeliten die Vermittlung von Lehrlingsstellen obliegt und gegenwärtig nahezu neunhundert Lehrlinge in Wien unter seinem Schutze stehen, richtete der Gehilfenausschuß an den Verein eine Zuschrift, in welcher ausdrücklich hervorgehoben wird, daß es insbesondere Metall- und Holzdrechsler seien, die ihre antisemitische Gesinnung durch Ausübung vdn Rohheitsakten an den armen, hilflosen, jüdischen Lehrjungen äußern. Geklagt wird über die endlose Arbeitszeit, keine Sonntagsruhe, schlechte Kost, grobe, harte Behandlung und mangelhafte Fachausbildung. Die Zuschrift, die voD.Äem Gehilfenobmann Karl Metschl unterzeichnet ist, legt dem Vereine nahe, im Interesse der zumeist elternlosen israelitischen Lehrjungen in Zukunft an bekannte christlich-soziale Meister keine israelitischen Lehrjungen mehr zu vermitteln. Ungarn. Budapest, 17. Jan. In Klostar (Kroatien) ist ein förmlicher Aufruhr ausgebrochen, welcher sich gegen die Juden richtet, weil behauptet wird, die Wählerlisten seien zu Gunsten des dort gewählten jüdischen Abgeordneten Schwarz gefälscht worden. Da die Gendarmerie nicht ausreichte, wurde von Velovar Militär requirirt. Die Behörde verpflichtete die christlichen Bürger zur Wache vor den jüdischen Geschäften. T. A. Ujhcly, im Jan. Zehn Nachbarortschaften. die zur hiesigen Muttergemeinde gehörten, haben sich zu einem selbstständigen Rabbinate konstituirt und wählten Herrn S. Kraus, einen hervorragenden Talmid . Chacham, Schwiegersohn des Galszecser Oberrabbiners, zum bbrt Die feierliche Installation hat Vieser Tage in Michalyi statlgefunden. Der Obmann des Kultuskreises, Herr I. A r t n e r, richtete an den neuen Rabbiner die Begrüßungsansprache, worauf die eigentliche Uebernahme des Rabbinates stattfand. Auch die Vorstände der politischen Gemeinde betheiligten sich an dieser echtjüdischen Feier. Beim Hestessen, welches zu Ehren des ncugewählten Rabbiners veranstaltet wurde, Hielten die Herren Friedenau u. Kraus gelungene Tischreden. Die festliche Stimmung wurde durch den herrlichen Vortrag des. neugewählten Rabbiners gehoben. Der neue Rav hat seine Wirksamkeit auch mit zwei religiösen Einrichtungen inaugurirt, die es verdienen, zur Nachahmung für größere und kleinere jüdische Kreise registrirt zu werden. Am Sitze des neugebildeten Rabbinates wohnen nicht mehr als 13 jüdische Familien. Indessen wird nunmehr früh und abends naxe nbvn regelmäßig abgehalten. Zur Pflege des Thora-Studiums hält der neue Rav auch eine kleine Jeschiba. Wir rufen ihm zu: xjck -an bv 22m nbx! Nagp-KaHair, im Jan. Der hiesige Oberrabbmer Vn tsyja orroK me pnxn p«:n ist im 82. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene war eine Zierde unter den Gedaulim Ungarns und erfreute sich auch bei den Behörden und in nichtjndifchen Kreisen der größten Hochachtung. Zahlreiche Rabbiner aus der weiten Umgebung beeilten sich, dem theuren Manne die letzte Ehre zu erweisen, und die Beerdigung gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, ncas? pnx? war ein Enkel des großen Nikolsburger Landesrabbiners cy;a era 'n bonar* ba? pn und hat ganz im Geiste seines großen Vaters und Großvaters gewirkt. Nur Diejenigen, die ihm sehr nahe standen, wußten es. daß er nicht nur ein rnua bin:, sondern auch in weltlichen Disziplinen ein hervorragender Gelehrter gewesen. Daß er die ungarische, deutsche, lateinische und französische Sprache litterarisch beherrschte, war nur Wenigen bekannt. Seine Karrzelvorträge hielt er - in hierländischer juden - deutscher Sprache und hat sehr viele vmeb -nre gewesen töbs p mar Personalien. Bifchofoneim (Hessen). Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf uns am 8. Jan. die Nachricht, daß Herr Hirsck Selig bei der ms rean mm n-nse nemp n-cm in Groß-Gerau von einem. Schlaganfall betroffen wurde und nach zweitägiger Krankheit feine reine Seele aushauchte. Der Dahingeschiedene erfreute sich allgemein großer Beliebtheit, wovon auch die überaus große Betheiligung von Nah und Fern an dem Leichenbegängnis beredtes Zeugniß gab. In dem theuren Verstorbenen verliert die hiesige Gemeinde ihren Vorstand, welches Amt er 18 Jahre mit dem größten Pflichteifer versah. Außerdem war er ca. 27 Jahre Baal Tokeah und an den heiligen Feiertagen fungirte er als Vorbeter. Er übte viele Wohlthaten im Stillen und liebte es nicht, daß davon geredet werde. Seinen Rath und seinen Beistand hat wohl selten Jemand vergeblich gesucht. Er war ein wahrhaft frommer Jehudi, der Stolz feiner Familie und unserer Gemeinde. S p r e ch f ft ft f* NeligionSgrsetzlich erlaubte Nährpräparate. Halber st adt, 16. Januar. In meiner Erwiederung auf den Artikel: „Welche Eiweißpräparaie dürfen wir essen/ ging ich davon aus. daß derartige Präparate nur Kranken gegeben werden und gab meiner Befriedigung Ausdruck, daß wir in dem „Plasmon" ein Präparat besitzen, das man unbesorgt seinen jüdischen Patienten empfehlen kann; denn in diesem Falle fällt doch das Bedenken wegen *v:bV2brr fort. Herr V. aus Würzburg stellt sedoch das „Plasmon" in seinem ersten Artikel auf gleiche Stufe mit Samatose und Tropon, die beide wegen ihrer thierifchen Besiandtheile den jüdischen Patienten versagt bleiben müssen; und gerade dieser Auffassung und Nebeneinanderstellung entgegenzutreten, halte ich mich auch jetzt noch für verpflichtet. Daß Roborat koscher ist, wird Jedem klar sein; ob jedoch ein vegetabilisches Präparat,