Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 6 (20.1.1902)
- Date
- 1902-01-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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141 Blumenspenden, Geschenke, auch poetische Widmungen, liefen ein, unter anderen von dem Vorsitzenden der Breslauer Dichterschule, Herrn Carl Bieberfeld, einem ehemaligen Schüler des Jubelgreises. . Möge ihm ein sonniger Lebensabend beschieden sein. Ans Schlesien und Posen, 18. Jan. Rechtsanwalt B res l a u e r in Rawitsch ist zum Kgl. Justizrath ernannt worden. — In Kattowitz starb Rentier Simon Schalscha in seinem 76. Lebensjahre. Der Magistrat und die Stadtverordneten von Kattowitz widmen ihm folgenden öffentlichen Rachruf: „Beim Eintritt des neuen Jahres hat die Stadtgemcinde Kattowitz einen harten Verlust zu beklagen. Der älteste Stadtverordnete unseres Gemeinwesens, welcher seit Begründung der Stadt im Jahre 1866 ununterbrochen bis heute der Stadtverordnetenversammlung angehörte, der frühere Kaufmann S. M. Schalscha, ist heute verschieden. Ein schlichter Mann, durchdrungen von Pflichttreue und regem Eifer für das städtische Gemeinwohl, hat der Verstorbene als Mitglied vieler städtischer Kommissionen 35 Jahre hindurch seine praktische Lebenserfahrung und seinen besonnenen Rath dem Dienste der Stadt gewidmet. Sein Andenken wird in der Stadigemeinde Kattowitz hoch in Ehren gehalten werden." Der Vorstand und das Repräsentantenkollegium der Synagogengemeindc, gez. Stadtrath Salomon Wiener und Rechtsanwalt E p st e i n, schreiben in ihrem Nachrufe: „Der Verstorbene hat seit dem Jahre 1866 dem Vorstande der Synagogengemeinde angehört. Bis zum Jahre 1885 hat er als Vorsitzender an der Spitze der Geschäfte gestanden und während dieser langen Zeit bis in seine letzten Lebenstage hinein, auch als Krankheit und die Erscheinungen des Alters ihn geschwächt, allen Zlveigen der Verwaltung sein hingebendes Interesse gewidmet. Der Verblichene hat sein Amt zu einer Zeit übernommen, als die Gemeinde erst im Entstehen begriffen, ihre Positionen noch zu begründen und eine geordnete Geschäftsführung noch cinzurichten war. Mit regem Verständnis, kraftvoller Energie und nimmer ermüdender Arbeitsfreudigkeit hat er sich dieser Aufgabe unterzogen und einer gedeihlichen Entwickelung der Gemeinde die Wege geebnet. Sein Wirken wird in unserem Gedenken und in der Geschichte der Synagogengemeinde stets fortleben. — In Königs- Hütte verstarb Frau Rosalie Sternberg, welche seit 37 Jahren die erste Vorsitzende des dortigen israel. Frauenvereins war. Der Vorstand und die Repräsentantenversammlung rühmen ihr in einem Nachruf tiefe Herzensgüte, echte Religiosität und eine unermüdliche Arbeit im Dienste der Wohlthätigkeit nach. Wirstiten, 19. Jan. Dieser Tage hat, wie berichtet wird, endlich die Vertheilung der für die Wystitener Abgebrannten in Preußen gesammelten Gelder an Ort und Stelle stattfinden können. Unter Vorsitz des Landraths v. Redern-Stallupönen begab sich das Komitee, dem unter Andern Amtsvorsteher Depner- Eydtkuhncn. Synagogenvorsteher Wolf-Stallupönen und Rittergutsbesitzer Krug-Pillupöncn (letzterer ist bekanntlich vom Kaiser durch einen Orden ausgezeichnet worden) angehörten, nach Wystiten. Nachdem die Hilfsbedürftigen durch Trommelschlag zusammengerufen waren, fand im Polizeibüreau die Vertheilung genau nach der Kopfzahl und der Bedürftigkeit der einzelnen Familien statt. Die also Beschenkten dankten hocherfreut ihren Gebern. In der That ist das. Loos dieser Armen, die jetzt zu drei bis vier Familien in kleinen Häuschen nothdürftig Unterschlupf gefunden haben, nicht zu beneiden. Als Kuriosum ist noch zu erwähnen, daß für das Komitee zunächst keinerlei Erfrischungen aufzutreiben waren, da der Pächter der Krons-Branntweinschänke sein Patent, welches am 1. Januar russischen Stils abgelaufen war, noch nicht erneuert hatte und nichts verkaufen durfte. Schließlich wurde für Jeden aus der staatlichen Theeschänke ein Glas Thee für zwei Kopeken beschafft, woran die Komiteemitglieder sich labten. Ans Westfalen, 17. Jan. Am 9. d. M. hielt Herr Dr. Moses M a r x, der neue Rabbiner des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westfalen, seinen Einzug in dem nunmehrigen Rabbinatssitz Recklingshausen, einer aufblühenden Stadt des Kohlenreviers.. Der Vorstand der Synagogengemeinde war ihm bis Wanne entgegengefahrcn. In der festlich geschmückten Synagoge sprach Herr Dr. Marx am rr-w *- xr.r begeisternd über „Moscheh als Mensch und Gottesbote" und entwickelte hierbei sein Programm als Führer der Gemeinde. Möge es ihm vergönnt sein, seine edlen Vorsätze zu verwirklichen! . Dorchheim, 9. Jan. Durch Erlaß des kgl. bay. Kriegsministeriums vom 28. v. Mts. wurde dem isr. Lehrer, Herrn. Michael K l e e m a n n dahier, das Dicnstauszeichnungskreuz für zwanzigjährige ersprießliche Thätigkeit als Mitglied des bay. Landes-Hilfsvercin vom Rothen Kreuz verliehen. Heute Vormittag wurde obige Auszeichnung Herrn Lehrer Kleemann im kleinen Rathhaussaale, im Beisein der städtischen Kollegien, des kgl. Bezirksamtmanns v. Michels und des Bezirksarztes Tr. Diedel, durch rechtskundigen Bürgermeister Strecker mit entsprechender Ansprache und herzlicher Beglückwünschung überreicht. Lehrer Klecmann ist seit dreißig Jahren Kassirer des Vereins zur Unterstützung verwundeter und erkrankter Krieger und besorgte während der Kriege 1866 und 1870 die schriftlichen Arbeiten in den dahier errichteten Reserve-Lazarethen. O e st e r r e i ch. Wien, im Jan. (M i ß h a n d l u n g i s r. Lehrlinge.) In Folge zahlreicher Beschwerden über Mißhandlungen jüdischer Lehrlinge von Seite antisemitischer Meister hat sich der Gehilfenausschuß der Wiener Drechsler veranlaßt gesehen, diesbezüglich ein-