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Der Israelit · 1902-01-20 · Heft 6 (20.1.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 6 (20.1.1902)
Date
1902-01-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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140 „Am 16. Januar sind es hundert Jahre, daß der bekannte Rechtsphilosoph und Staatsrechtslehrer Friedrich Julius Stahl geboren wurde. Was Stahl in den schweren Stürmen des Jahres 1848 für nnser Vaterland und die Monarchie gethan, ist unvergessen. Die konservative Partei aber hat besondere Veranlassung, das Andenken des hochbedeutenden Mannes zu ehren; denn er war der eigentliche Begründer der konservativen Partei, die er als einflußreiches Mitglied des Herrenhauses im Jahre 1849 als „Fraktion Stahl" in's parlamentarische Leben rief. Noch, heute sind die meisten der von ihrem Begründer ausgestellten Grundsätze für die konservative Partei maßgebend; darum wird in ihr der Name Stahl zu allen Zeiten in Ehren gehalten und seiner namentlich an der hundertsten Wiederkehr feines Geburtstages mit Dankbarkeit und mit dem Gelöbnitz, seine Lehren auch ferner bochzuhalten, gedacht werden." Das Organ hat in dieser Gedächtnißnotiz merkwürdigerweise eine Kleinigkeit vergessen, daß nämlich dieser eigentliche Begründer der konservativen-Partei, deren heutiges Programm den Antisemitismus ausgenommen hat — ein Jude war. Allerdings war Stahl in seiner Art ein origineller Denker und er würde an den heutigen Zolldemagogen, die sich konservativ nennen, wenig Freude haben. Immerhin ist es amüsant, daß die antisemitischkonservative Partei eine „jüdische Gründung" ist und sich Mit Stolz und Dankbarkeit ihres Gründers erinnert. ... Berlin, im Jan. Nach der jüngsten Volkszählung gehört die jüdische Gemeinde von Berlin zu den Großgemeinden, die über 100,000 Seelen umfassen. Es sei hier speziell betont „Gemeinde von Berlin," denn die „Berliner Gemeinde" hat ssch noch nicht zu dem Range aufgeschwungen. Bekanntlich fällt das Gebiet der Berliner jüdischen Gemeinde nicht mit dem politischen Stadtkreis Berlin zusammen. Zur Gemeinde von Berlin gehören zunächst Schöneberg und Rixdorf, bis vor einigen Jahren Glieder des Riesenleibes der Reichshauptstadt, sodann die Großstadt Eharlottenburg, außerdeni aber noch der Schwarm kleinerer Planeten, die sich um die Sonne Berlin drehen, wie Tempelhof. Wilmersdorf, Halensec, Pankow. Neuweißensee u. a. Berlin mit rund 92,000 nebst Charlottenburg mit rund 30,000 Seelen weisen bereits 102.000 jüdische Einwohner auf. Rechnet man Schöneberg mit 3000 und die übrigen Vorstädte mit etwa 1000 Juden dazu, so ergibt die jüdische Gemeinde von Großberlin 106,000 Juden. Großberlin — ein Ideal, dessen Verwirklichung der politischen Kommune versagt blieb. Unter ' den Großgemeiuden mit über 3.00,000 Juden sigurirt Berlin an letzter Stelle. Es sind deren im Ganzen, wie gegen eine' ganz falsche früherer Aufstellung berichtigend bemerkt sei, sechs: Warschau mit nahezu 260,000, Pest mit 370,000, Wien 150,000, Odessa 150,000, London mit ungefähr 320.000 und Berlin mit 106,000 Juden. Gemeinden, mit 50,000 gibt es, soweit sich feststellen läßt, neun: Wilna, Verditschew, Lodz. Minsk, Lemberg, Amsterdam, Paris, und wahrscheinlich auch Schiiamir und Dünaburg. Möglichertveise gehören noch Witebsk und Kowno in diese Rubrik. Abgesehen von Europa sind in Amerika wohl noch zwei jüdische Großstädte mit über 300,000 Seelen: Newyork mit der größten Genreinde der Welt und Philadelphia, erstere mit etwa 400,000 Juden. Im Ganzen zählen wir 16 bis 38 Großgemeinden mit iiber 50,000 jüdischen Einwohnern. Allein diese Großgemeinden stellen eine Bevölkerung von rund zwei Millionen dar. Breslau, im Jan. Bei der Wahl von Delegirten für den Hamburger Verbandstag erklärte Rabbiner Dr. Guttmann - Breslau in der 23. ordentlichen Generalversammlung des „Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen," in seinen Bemerkungen von Pros. Badt unterstützt, keineswegs eine Wiederwahl annehmen zu können, da er die betrübende Erfahrung gemacht habe, daß man auf dem Verbandstage einen Rabbiner, ja selbst einen staatlich geprüften Gymnasiallehrer (obgleich z. B. Prof. Blaschke-Berlin auch im Vorstande sei), sondern nur geprüfte Elementarlehrer „für voll ansehe." Nachdem noch Kollege S t e r - Kempen hervorgehoben, daß die Feindschaft zwischen Rabbiner und Lehrer durch das Lerbandsorgan eher geschürt, als gelindert werde, wurden Prof. Badt und Kollege Bähr, in Vertretung Moogs, zu Delegierten gewählt. Breslau, 16. Jan. Das „60jährige Lehrerjubiläum" des Dirigenten der „Hebräischen Unterrichtsanstalt" Hierselbst, Herrn Rabb. Dr. P. Neustadt, bot seinen zahlreichen Schülern und Freunden willkommene Gelegenheit, dem verdienten Lehrer Zeichen ihrer Verehrung zu spenden. Aber auch die Behörden, Korporationen und Verbände wetteiferten, um ihre Glückwünsche zu einem so seltenen Jubelfeste zum Ausdruck zu bringen, so der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" in Berlin, die „Freie Vereinigung für die Interessen des Judeuihums in Frankfurt a. M.," der „Verband der jüdischen Lehrer-Vereine im deutschen Reiche." der ..Schlesisch-Posen'sche Lehrerverein." der Großherz. Mecklenburgische Oberrath, unter dem der Jubilar seine erste Prüfung abgelegt und in's Amt eingeführt worden ist. Im Aufträge der Stadtschuldeputation überbrachtr das Mitglied derselben, Herr Rektor Speck, in längerer Rede die Glück- und Segenswünsche der Schulbehörden für den Jubilar und die Anstalt, während die Herren Stadtschulrath Dr. Psundtner und Stadtschulinspektor Dr. Händloß noch besonders schriftlich, bezw. telegraphisch gratulirten. Der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde ließen durch den Gemeinde-Repräsentant Th. Oschinsky eine Jubiläumsgabe von 1000 Mark überreichen. Im Anschluß hieran richtete Rabbiner Dr. Rose n t h a l Namens des Komitees an den Jubilar eine Ansprache, in er der dessen Verdienste um die Jugenderziehung würdigte. Der Jubelfonds.- dessen Sammlung noch nicht abgeschlossen ist, soll spater überreicht werden. Zahllose Glückwünsche, Depeschen,

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