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Der Israelit · 1902-01-20 · Heft 6 (20.1.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 6 (20.1.1902)
Date
1902-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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139 etwas gelten, mitreden, aber dagegen „keinerlei Unbequemlichkeit, keinen uns in unserem (Geschäfte und unseren Bequemlichkeiten störenden Synagogenbesuch," gleichviel, ob m i t, oder ohne Orgel, mit in den Kauf nehmen? Und so sitzen hier in Köln und in zahlreichen anderen Städten in den Gemeindeverwaltungen Herren, die kaum an Rosch Haschonoh und Jom Kippur, einzelne aber auch selbst dann nicht, der Synagoge einen kürzen Besuch abstatten, und trotzdem die Stirne haben, am grünen Tische im Gemeindehause über jüdische gottesdienstliche Einrichtungen, über eine Umgestaltung des altjüdischen Gottesdienstes, das große Wort zu führen und über die Köpfe der eigentlichen Interessenten. der regelmäßigen Synagogenbesucher hinweg, Beschlüße zu faßen; das ist nicht christlich, hat nichts von christlicher, nocki jüdischer Anschauung an sich, ist auch nicht wirkl ich liberal gedacht, sondern einfach eine „Gewaltsache", der Ausfluß einer unfreien Gesinnung, einer unverkennbaren Selbstüberhebung! Schließlich aber rückt Herr Eliel mit noch einer Begründung für seine Reformbestrebungen hervor, die an Gehaltlosigkeit die vorerwähnten Motive noch ganz erheblich übertrisft: Er will nämlich die Bestrebungen der Reformer seinerseits kräftig fördern, wenn sie den ernstlichen Wunsch haben, daß hier in Köln ein Gottesdienst eingerichtet wird, der ihrem „Empfinde n" beßer, als der bisher übliche, entspricht. Da möchten wir doch an die liberalen Freunde des Herrn Eliel und an diesen selbst die höfl. Frage richten, ob sie denn bisher i h r Empfinden im Gottesh a u s so oft und so gründlich geprüft haben, daß dasselbe durch den Gottesdienst in seiner bisherigen traditionellen Form nicht befriedigt werden kann? In welchem Gotteshause haben denn bisher Herrn Eliel's Freunde, die Reformer, ihr Empfinden seit längerer Zeit auf die Probe gestellt? Wer das ganze Jahr hindurch kein Bedürfnis nach religiöser Erbauung im Gotteshause, nach Andacht und Gebet empfindet, sollte wirklich die Worte „religiöses Empfinden" nicht in den Mund nehmen! Wir haben beim Änhören solcher Worte aus solchem Munde das Emvsindcn, daß der Herr Redner wohl kaum ernsthaft über die Bedeutung der gebrauchten Worte nachgedacht haben kann. Hätte Herr Eliel für die Beurtheilung von Handelsfragen nur sein Empfinden geltend machen können, ohne auch seine „langjährigen praktischen Erfahrungen" als Großkaufmann ins Treffen führen zu können; so iväre er n i e zum „Mitgliede der Kölner Handelskammer" gewählt worden. Was würde Herr Eliel wohl selbst zu einem Kandidaten für die Wahl in die Handelskammer sagen, dessen Befähigung zu seinem Amte wohl durch sein Empfinden, im übrigen aber nur durch den Betrieb eines kleinen „Trödelhandels" nachweisbar wäre? Herr Eliel würde nicht viel sagen, aber mitleidig lächelnd den Kopf schütteln. Run. dann muß Herr Eliel folgerichtig auch zugeben, daß in den Synagogen-Borstand und die Gemeinde- Repräsentanz nur wirkliche Interessenten und Sachverständige gehören, die aus „langjähriger, andauernder. eigener Wahrnehmung und Beobachtung" wissen, wie unser altjüdisched Kultus, unser Gottesdienst beschaffen ist. und „wie er auf das Empfinden des regelmäßigen Synagogenbesuchers einwirkt!' Dann würden die Herren Synagogen-Borstehcr und Repräsentanten wissen, daß noch nicht 2—3 pCt. der regelmäßig e n Besucher unserer Synagogen, der neuen wie der alten, das Erüpfindcn haben, christliche Einrichtungen, namentlich Orgelklänge, zu ihrer Erbauung als erforderlich zu erachten, ausgenommen allenfalls Herr Rabbiner Dr. Frank, als Verfasser seines bekannten „Gutachtens." Und auf diese theologische „Autorität" bezieht sich denn auch als „wisscnschafliche" Autorität Herr Louis Eliel. Beide, die „theologische" und „wissenschaftliche Autorität" vereinigt, werden aber die Thatsache nicht zu widerlegen vermögen, daß die Einführung der Orgel in ein jüdisches Gotteshaus dieses bisher st e t s seines jüdischen Charakters und seiner „jüdisch empfindenden, regelmäßigen Besucher beraubte!" Ist nicht die erste Frage bei der Erörterung irgend einer Neueinrichtung in einem großen städtischen Gemeinwesen, nach den anderwärts schon mit derselben gemachten Erfahrungen? Ahmt man das nach, was sich noch in keiner Stadt bewährt hat? Und wenn 120 Städte ihre ehemals gutfunktionirende Wasserleitung ümgestaltet hätten und statt des ehemaligen klaren Trinkwassers daraufhin „trübes, ungesundes Wasser" erhielten, würde dann etwa die Stadt Köln trotzdem ihre gute Wasserleitung aus reiner Nachahmungssucht in gleicher Weise umgestalten, bezw. verunstalten, nur um ein von vielen Städten gegebenes thörichtes Beispiel auch zu befolgen? Herr Eliel wird hier wieder den Kopf, schütteln und mitleidig lächeln ob der Möglichkeit eines solch' thörichten Beginnen! Wenn aber nun in 120 Gemeinden, wie Herr Eliel anführt, die Orgel in das Gotteshaus verpflanzt wurde und durch deren Einführung noch „überall das Gemeindeleben zerstört, der Gottesdienst seiner regelmäßigen Besucher beraubt wurde und keine neuen, reformfreundlichen Besucher an deren Stelle traten", so sprechen diese „thatsächlichen, feststehenden, traurigen Erfahrungen" am „überzeuaendsten für die Rothwendigkeit," alles aufzubieten, daß die Kölner Gemeinde vor solchem U n h e i l e für alle Zeit bewahrt bleibt! Zeitungsnachrichten und Eorresponvenzen. Deutsch! an d. Berlin, 16. Jan. (Die v e r j u d e t st e P a r - t e i.) Die parteiamtliche „Konservative Korrespondenz" widmet einem „wichtigen konservativen Gedenktag" die folgende Auslassung:

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