Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1902)
- Date
- 1902-01-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449801--55160-2517773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
119 schild s. A. Von der in Frankfurt lebenden Fa- I milie des Verewigten waren Tochter und Enkelin anwesend: Frau Maximilian B. H. Goldschmidt und Fräulein Tochter. Zum ehrenden Andenken ihres hervorragendsten Mitgliedes hätte die Gemeinde ein von der Firma Lazarus Posen W w. kunstvoll ausgeführtes *rcn gestiftet, das gelegentlich der Gedächtnißfcier angezündet wurde. Nachdem dies geschehen war, hielt Herr Rabbiner Dr. Breuer die Gedächtnißrede. In herzbewegenden Worten gedachte Redner des furchtbaren Schlages, der an jenem traurigen, ewig unvergeßlichen 3. Schewat dir gesammtc Iudenheit, vor allem aber die israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. betroffen, die einst so glücklich war. den Heimgegangenen Baron zu ihren treuesten Mitgliedern zählen zu dürfen. Freiherr Wilhelm von Rothschild war ein Großer in Israel, und als er aus dem Leben schied, ging die Sonne unter, die uns wärmte und erleuchtete. Zwölf Monate sind feit jenem verhängnißvollen Tage verstrichen; die Wunde, die der Tod dieses großen, ungewöhnlichen Mannes geschlagen, ist nicht vernarbt. Im Gegentheil. Mit jedem Tage empfinden wir es schmerzlicher. welch' theures. unschätzbares Gut wie in ihm befaßen' und wie unersetzlich der Verlust, den wir vor Jahresfrist erlitten. Fast jeder Tag gibt uns Gelegenheit, in Wehmuth feiner zu gedenken. tvenn 'wir so oft. angesichts der Noth, die wir nicht mildern, angesichts der Thronen, die wir nicht trocknen' können, die tbeurr, hilfsbereite Hand vermißen, die zu reicher Spende stets geöffnet war. In. wo ist unser Baron? — die erdrückende Schwere dieses Gedankens läßt keinen Trost aufkommen und hält von unserem Schmerze jede Linderung fern. Allein rrrr. vwn itti-ipcivr, die Sonne geht auf. obgleich sie untergeht. Den Heimgang eines Großen in Israel vergleichen unsere Weisen mit der auf- und untergehenden Sonne, wohl um uns zu lehren: Wie die Sonne nur für einen Erdtheil untrrachi, selbst aber nicht erlischt, sondern mit ungeschwächter Lichtkraft in entfernten Himmelsgegenden fortleucktet. so geht auch das Sonnenlicht eines wahrhaft großen und bedeutenden Menschen nur für unseren Gesichtskreis unter: es selbst erlischt nicht, leuchtet vielmehr in fernen Himmelshöhen ungeschwächt weiter. Wie von der untergegangenen Sonne ein Abglanz aus Mond und Sterne fällt, die. davon erleuchtet, die dunkelste Nacht erhellen, so fällt auch von dem Heimgegangenen Großen ein Abglanz auf die Hinterbliebenen zurück, die, von seinem Geiste erleuchtet. die dunkle Nacht, die er hinterlassen, erhellen. Eine Sonne ist uns in dem Heimgang unseres unvergeßlichen Freiherrn W. C. v. Rothschild untergegangen! Damit ist der ganze Verlust bezeichnet, den Gottes waltende Gerechtigkeit uns zuaefügt. ober auch zugleich der ausreichende Trost gegeben, der uns erheben und aufrichten kann. Die Sonne ist für u n s untergegangen, doch sie selbst ist nicht erloschen, sie leuchtet in jenen Himmelshöhen ungeschwächt fort. Ihr Abglanz erleuchtet die Hinterbliebenen und erhellt und wird immer mehr erhellen das tiefe Dunkel, das seit ihrem Untergänge die Erde bedeckt. Mondesgleich wird seine Familie. wird seine hochgeschätzte Gattin und werden seine hochgeschätzten Kinder in seinem Geiste fortleuchten, und wir und mit uns Alle, die die Strahlen dieser Sonne erleuchtet und erwärmt, werden sternengleich den Spuren seines Geistes folgen. Dieses *>ä, das unsere Gemeinde in pietätsvoller' Verehrung seinem Andenken geweiht, wird als das sprechendste Wahrzeichen den tröstenden Gedanken versinnlichen, daß sein Licht in ungetrübter Helle fortleuchtet, daß, so lange unsere Gemeinde leben wird — und sie wird für alle Zeiten leben --- sein Andenken zu gleicher Pflichttreue und Gesinnungsiüchtigkeit aneifern und begeistern wird. Uns und allen Folgegeschlechtern, die diese geheiligte Stätte betreten werden, wird es die Wahrheit verkündigen: p1^ rc E«, daß der echtjlldischen Pflichttreue, der Pflichttreue im Geiste unserer Thora, in der Anerkennung und Verehrung der Menschengesellschaft eine Frucht reift, die nie welkt, die immer blüht. So wird sein Andenken ein ewig,gesegnetes bleiben. ,zh"9 imb P~tf ST7. Mit diesen Worten schloß die herrliche Gedächtnißrcde, die einen erhebenden Eindruck machte und allen Versammelten unvergeßlich bleiben wird. (Auch in Mainz wurde der Jahrgedächtnißtag des Herrn Barons s. A. in würdiger Weise begangen. Red.) Frankfurt a. M., 15. Jan. (E i ne Mikli o n für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke.) Abermals ist in unserer Stadt eine große Summe für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke gestiftet worden. Gestern Nachmittag machte Herr Mar B. H. G o l d sch m i d t Herrn Oberbürgermeister Adickes die Mittheilung, daß seine Frau — die zweite Tochter des Barons Wilhelm v. R o t h s ch i l d — zum Andenken an ihrem Vater, der am 23. Jan. 1901 gestorben ist, eine Schenkung von einer Million Mark errichte. Bekanntlich hat die ältere Tochter, dir Baronin Edmonde de Rothschild, in Paris, schon früher einen gleichen Betrag für ein Sanatorium im Taunus bestimmt. Köln, 13. Jan. Herr Sally Mannsbach, einer unserer besten und frömmsten Mitbürger, ein Jehudi in des Wortes schönster Bedeutung, langjähriger Kurator des hiesigen Plato'schen Lehrerseminars, ist heute Nachmittag vier Uhr, nach mehrwöchentlichem schweren Leiden, sanft entschlafene Die Beerdigung findet Freitag früh 10 Uhr statt. Hachenburg. Der bereits über ein Vierteljahrhundert als erster Vorsteher unserer israelitischen Kultusgemeinde wirkende Herr Kaufmann Bernhard Bernstein wurde wiederum, nachdem er durch das Loos ausgeschieden worden war, fast einstimmig zum Siadtrathe gewählt. Ueberrascht hat uns freilich diese Wahlkundgebung nicht. Wer den lauteren, für alles Wahren. Gme und Schöne empfänglichen Charakter dieses ehrwürdigen Greises kennt, wird sich über die große Beliebheii. der er sich bei den Bürgern der Stadt ohne Unterschied . des Glaubensbekenntnisses erfreut, uji.1