Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1902)
- Date
- 1902-01-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Erstickung herbeigeführt worden sein. Die Mörderin, welche ihre That eingestand, ist verhaftet worden. — Zum Rabbiner in Schildberg ist der Rabbinatskandidat Dr. Krauß aus Schönlanke gewählt worden. — In Rat i b o r starb das Vorstandsmitglied der dortigen Synagogengemeinde Sigismund Wechselmann im Alter von 61. Jahren. Der plötzlich Verstorbene gehörte einer hochgeachteten religiösen Familie an. — In Franfkurt a. M. starb in einem Sanatorium der Kommerzienrath Levy aus Jnowrazlaw im Alter von 62 Jahren. Der Verstorbene war einer der angesehensten israelitischen Persönlichkeiten der Provinz Posen. Er war Stadtverordnetenvorsteher, Vorsteher des Repräsentantenkollegiums, der Handelschule, Kreisdeputirter. Provinziallandtagsabgeordneter, Handelkammermitglied. Er war sehr wohlthätig. Die Beisetzung fand in seiner Heimath statt. Die Leiche war in dem schwarz drapirten Stadtverordnetensitzungssaale aufgebahrt. An der Trauerseier betheiligten sich die städtischen Körperschaften und. mehrere Vereine. — In Wronke starb der Stadtälteste Kaufmann Lißner im Alter von 78 Jahren. — In der Posiverwaltung in Gleiwitz sind jetzt zwei jüdische Postassistenten angestellt. — Zu Justizräthen wurden die Rechtsanwälte Dr. Samuelsohn in Breslau, B ö h m e in Sagan, L o e v y in Brieg, Schön! a n k in Posen ernannt. — In Posen wurde Justizrath Dr. Lewinsky zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Ungarn. Budapest, 12. Jan. Vorige Woche tagte hier eine hervorragende, aus ehrwürdigen Rabbinern und angesehenen jüdischen Rotabilitaten zusammengesetzte Konferenz, welche der Präses der orthodoxen Durchführungskomission, Herr L. Lipschitz, zur Besprechung hochwichtiger Angelegenheiten nach der Hauptstadt einberufen hatte. Nachdem die ungarischen Neologen nach langer Zeit wieder einmal von angeblicher „Versöhnungs- Sehnsucht" bezüglich ihrer orthodoxen Brüder angewandelt werden und dieses Gefühl — von dem sie sich selber nicht klar Rechnung geben können — sogar dadurch zu bethätigen glauben, daß sie'ein bereits ad hoc eingesetztes „Friedens-Komitee" gewählt haben, müssen orthodoxerseits strenge Vorsichtsmaßregeln getroffen werden. Charakteristisch genug, daß man im orthodoxen Lager auf der Hut sein muß, so oft das neologe Lager ein freundliches Gesicht zeigt und durch ein Lächeln'andeutet, daß es „in die Laube" gehen möchte. Das Rendezvous ist schon häufig angesagt worden, kam aber niemals zu Stande, da die Orthodoxie mit Recht denkt: „Der Himmel beschütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich mich schon selber hüten!" . Einen Hauptberathungsgegenständ der eingangs erwähnten Konferenz bildet die Besetzung (eigentlich Creirung) der Stelle eines Vizepräses der orthodoxen isr. Durchführungskommission. Herr Präses Lipschitz urgirte nachdrücklichst die Erledigung dieser Angelegenheit. Es kam denn auch zu einer Entscheidung dieser Frage, und zwar in der Weise, daß für diesen Posten zwei vornehme Mitglieder der orthodox-jüdischen Konfession als Kandidaten nominirt wurden. Es wurde beschlossen, die Namen der beiden Kandidaten den ältesten zwanzig orthodoxen Rabbinern des Landes mit der brieflichen Bitte zu unterbreiten, sie möchten sich darüber äußern, für welchen der beiden Kandidaten sie optiren. Derjenige Kandidat, für den die Majorität der 20 Rabbiner stimmt, wird dann den orthodoxen Gemeinden des Landes zur endgiltigen Wahl vorgeschlagen werden. Im Uebrigen beschloß die illustre Versammlung, die Erledigung der letzterwähnten Angelegenheit sowohl, als auch der übrigen auf's. Tapet gebrachten wichtigen Fragen dem bewährten Takte des Herrn Präses Lipschitz zu überlassen, der im Verlaufe der zweitägigen Konferenz wiederholt der Gegenstand lebhafter Ovationen seitens der Versammlung war. En glaub. London, 12. Jan. In vielen Synagogen werden spezielle Trauergottesdienste. Hespedim für den leider verstorbenen Dajin. Rev. B. Spiers s. A.. abgehalten. Der offizielle Hesped findet am Sonntag in der New Synagogue St. Helen's (City) statt. Um die Stelle wieder zu besetzen, bieten sich nicht geringe Schwierigkeiten, da die tüchtigen Talmudgelehrten mit den englischen Verhältnissen, namentlich mit der englischen Sprache zu wenig vertraut sind, während die englischen Kandidaten nicht genügende Kenntnisse deS jüdischen Ritualgesetzes in allen seinen Theilen besitzen. Es wird sich eben hier das talmudische Wort bewahrheiten: „Moses Antlitz strahlte wie die Sonne, das seines Nachfolgers wie der Mond." Wir hoffen, daß unser verehrter Chief Rabbi einen Nachfolger des verewigten Dajin Spiers s. A. finden möge, der doch wenigstens wie der Mond am talmudischen Firmament glänzen wird, so daß die Pflege der heiligen Thora nicht in den Hintergrund trete, denn für eine so große Gemeinde, in welcher das orthodoxe Element namentlich im östlichen Stadttheile, wo das Bes Din seinen Sitz hat, stark vertreten ist, kann nur ein Mann von großen talmudischen Kenntnissen, gepaart mit festen Religionsprinzipien, Ansehen und Vertrauen gewinnen. Wie wir vernehmen, ist der Prediger der Poets- Road Synagogue. Rev. H y a m s o n. der Hauptkandidat für die Dajin-Stelle. Derselbe ist ein Talmudist nach altem Stil und dabei Meister der englischen Sprache, überhaupt akademisch gebildet. Wenn auch demselben die nöthige Erfahrung noch mangelt, so ist dies kein wesentlicher Fehler. Jndeß möchten wir unbedingt rathen, die Stelle nicht sofort zu besetzen, indem nach üblicher Ausschreibung derselben eine sorgfältige Prüfung der Kandidaten von bedeutungsvoller Wichtigkeit erscheint.