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Der Israelit · 1902-01-16 · Heft 5 (16.1.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 5 (16.1.1902)
Date
1902-01-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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forschend zu betätigen, in den ro^n bv «ck jö'k aber V'P“b rhw sntr., wenn es in reinem, idealen Streben geschieht, dann eröffnet es den Ausblick in die Unendlichkeit." j Mit dem Vortrag des Psalm 3 seitens des Herrn j Rektors schloß die Feier. Schmucklos war der Raum, \ in dem sie sich vollzog, klein die Hörerschaft; aber fetten! wohl hat eine Feier weihevoller und erbebender auf die j Teilnehmer gewirkt. Als der Nettor zagenden Herj zens und doch in hoffnungsfreudiger Zuversicht die j vollzog, als der Schüler im Namen seiner! Freunde in beredten Worten das Gelöbniß der Treue! vollzog, da blieb kein Auge thränenleer. Wir haben in unserem Empfinden wenig für Aeußerlichkeiten übrig, schätzen den Werth festlicher Veranstaltungen recht gering, aber das sieht bei uns fest, diese Stunde wird allen, die zugegen waren, unvergeßlich fein. Das war nicht Phrase, sondern tiefes, lebendiges Empfinden, nicht leere Form, sondern reicher, lebenskräftiger Samen und fruchtverheißender Inhalt. Der Hauch der Vorzeit wehte über uns, da.man nicht unter Orgeltlang und Festessang die religiösen Lehren verkündete, sondern da man auf kahlem Felde die künftigen Größen Israels aussandte, daß sie leben sollten ihrem Glauben, aber auch verstünden, für ihn zu sterben. Möge den neuen Rabbinern ein reiches Feld der Wirksamkeit beschicken sein! Berlin, 9. Jan. Einer der ältesten, seit mehr als 209 Jahren hierorts bestehenden Nnterstützungs- und Wohlthätigkeitsvereine. und zwar der Verein „Schomer laboker, Umischan awelim". zur Unterstützung armer Leidtragender, feierte gestern Nachmittag 311» Uhr in der dichtgefüüten alten Synagoge, Heidereuterstraße, wie. alljährlich sein Stiftungsfest. . Nach dem. Minchagebet und Verlesung aus der Thorarolle bestieg Herr Rabbiner Dr. Blument h a l die Kanzel zur Festrede, zu deren Text er den Psalm 41: ..Du sollst dich der Armen annehmen, da der Ewige es dir in Ueberflutz verzehnfachen wird." gewählt hatte. In schwunghafter, tiefempfundener, wohldurchdachter und zu Herzen gehender Rede schilderte derselbe die edlen, idealen, vielfachen Tendenzen dieses nur Noth, Kummer und Elend im Geheimen stillenden Vereins, von feiner Gründung bis zum heutigen Tage. Gerade diese Art und Weise des Wohlihuns fei eine gottgefällige und nicht hoch genug zu schätzende, nur zu empfehlende. Er gedachte in wehmüthrgen Worten der edlen Männer, welche sich vor mehr als zwei Jahrhunderten bereits zur Gründung eines solchen hochedlen Vereins zusammengeschaart, bis auf den heutigen Tag, schließend mit Gebet und dem priesterlichen Segen für Vorstand und Mitglieder. Koniü, 14. Jan. In der Mordaffaire dauert die Arbeit der Strafverfolgungsbehörde in aller Stille kort. Trotz aller Mißerfolge und trotz der scheinbaren Aussichtslosigkeit der Bemühungen zur Aufklärung des an dem Gymnasiasten Ernst Winter begangenen Verbrechens wird mit großer Vorsicht von Zeit zu Zeit immer von neuem versucht, Licht in das Dunkel zu bringen. Nahezu. zwei Jahre sind seit der Blutthat, die in aller Welt so großes Aufsehen erregt hat, vergangen. Natürlich ist es heute schwieriger, als im März 1900. Feststellungen, die oft scheinbar nebensächliche Dinge zum Gegenstände haben, zu machen und aus Erinnerungen oft wenig intelligenter Zeugen hin Schlüffe aufzubauen. Aber andererseits sind die Gemüther ruhiger geworden: ferner ist für jeden Beamten, der neu an die Angelegenheit herantritt, ein großer. Theil der „Spuren." welche die Zeit seiner Vorgänger in Anspruch genommen haben, von vornherein ein absolut erledigt Ding. Dazu liegen noch immer Anhaltspunkte genug vor.'über die man vom ersten Tage der Erhebungen an nicht hinweggekommen ist, ohne daß sich doch trotz aller Bemühungen Material zur Verstärkung der vorhandenen und vielleicht auf ein Zusammenwirken von allerler Zufälligkeiten beruhenden Verdachtsmomente hätte, finden lassen. Erst in allerjüngster Zeit glaubt man nun, einen Schritt vorwärts gekommen zu sein. Es gilt als festgestellt, daß eine in der Winter - scheu Mordaffaire mehrfach vernommene Persönlichkeit in einem nicht unwesentlichen Punkte konsequent nicht streng wahrheitsgemäß ausgesagt hat. Warum das geschehen ist, und ob das Unzutreffende dieser Aussage zur Sache von Belang ist. bedarf noch des' Nachweises. Thatsache ist, daß z. Zt. die Hoffnung auf Enträthselung des merkwürdigen Kriminalfalles nicht, aufgegeben ist. AnS Schleste» «nd Posen, 10. Jan. Sanitätsrath Dr.V.e r l i n e r in Kattowitz beging sein funfundzwanzigiähriges Jubiläum als Stadtverordnetenvorsteher. — Schriftsteller Dr. K o h u t aus Berlin sprach in verschiedenen „Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur" der Provinz Posen, und zwar am o. Januar in Jnowrazlaw, am 6. in Mangrowih, am 8. in Rakel, am 9. in Kempen, am 11. in Ostrowo. am 12. in Lissa, am 13. in Schrimm. In der zweiten Januarhälfte hält der genannte Redner einen ähnlichen Vortragscyklus in den Literaturvereinen der Provinz Schlesien. — In der von der schlesischen Grenze nicht. allzuweit entfernten galizischen Stadt Chrzanow wurde ein Kindesmord aus Rache verübt. Die beim dortigen Kürschnermeister Durchlauf in Diensten siebende Amme bat ihre Dienstherrschaft um Urlaub für Samstag und Sonntag. Da ihr dieser nicht bewilligt wurde, äußerte sie. sie werde sich schon dafür zu rächen wissen. Als die Eheleute Durchlauf Samstags Vormittags die Synagoge besuchten, führte die erst achtzehnjährige Amme ihre Drohung aus und tödtete das sieben Monate alte Kind. Als die Eltern in ihre Behausung zurückkehrten, fanden sie ihren Liebling todt vor. Da sie die Sezierung der Leiche fürchteten, erstattetensie-keine Anzeige. Die Behörde erlangte Kenntniß von der That und veranlaßte die Ephumirung und Sezirung der Leiche. Der Tod soll nach dem Befund der Aerzte durch WBWiSSSiSSiP

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