Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1902)
- Date
- 1902-01-13
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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107 waren allerdings Schwierigkeiten für die Construktion der juristischen Person. Es war keine leichte Aufgabe, den Weg herzu stellen, auf welchem etwas so Neues', wie die zionistische Bewegung, auf ein in England domizilirendes Institut eine Eontrolle ausüben könnte. Dieser Weg wurde gefunden: Der Kongreß wählt das Aktionskomitee, dieses den Aufsichtsrath. Der Aufsichtsrath besitzt die Grüderaltien und diese haben den Einfluß in der Generalversammlung. Diese Arbeit fand die Genehmigung aller Kongresse, und heute sind die Organe geschaffen, welche Auftrag geben können oder nicht. Der Antrag F a r b st e i n ist die Form, in der der Kongreß seinen Willen kund geben kann. Die Debatte fand ihren Abschluß in der Annahme des Antrages Farbstein, der in seiner Modifikation nun lautet: „Das Aktionskomitee wird aufgefordert. sich mit dem Direktorium der Bant dahin zu verständigen, daß aus den verfallenen Anzahlungsgeldern ein Theilbetrag dem Aktionkomitee zur Verfügung zu halten sei, behufs Beschleunigung der vorbereitenden Schritte zur Erlangung von Konzessionen für die Bank vorbehältlich der Genehmigung durch die Generalversammlung. Ein weiterer Antrag, in Palästina eine Geschäftsstelle zu errichten, mit einem Kapital bis zu- 400 000 F-rs., die sich bis zur Erreichung richtiger Bedingungen nicht mit Kolonisations-, sondern mit Handels- und Bankgeschäften zu beschäftigen haben wird, wird mit allen gegen fünf Stimmen angenommen»' ebenso der Antrag:.„Es wird empfohlen, im Falle der Möglichkeit, in Rußland eine gesetzlich genehmigte Filiale zu gründen, die sich aus streng geschäftlicher Basis mit reinen Bankgeschäften abzugeben hat." Ein weiterer Antrag, nicht nur in Rußland, sondern nach Möglichkeit auch in allen anderen Ländern, wo Juden größere Centren besitzen, Filialen zu errichten, wird abgelehni. Im Uebrigen werden die Anträge der Bantkommissionen angenommen. . Schluß der Sitzung um 4'<. Uhr. Neunte Sitzung: Montag Abend. — Eröffnung K'/r Uhr. Präs.: Dr. Herzl. Im Namen des K u l t u s a u s s ch u s s e s beantragt Martin Buber folgende Resolution: „Der Kongreß erklärt die kulturelle Hebung d. h. die Erziehung des jüdischen Volkes im nationalen Sinne für eines der wesentlichsten Elemente des zionistischen Programms und macht es allen Gesinnungsgenossen zur Pflicht, an ihr mitzuarbeiten." Es handelt sich hiek nicht darum, die Juden gewisser Güter zu berauben, sondern es soll eine jüdische Nationalerziehung ein. Der Redner stellt dann ferner folgende weitere Anträge: 1. Der Kongreß gewährt der Natiönalbibl i o t h e k zu Jerusalem eine Subvention nach Maßgabe der Schekeleingänge. 2. Der Kongreß beschließt in. Anbetracht der Wichtigkeit der statistischen Forschungen die Einsetzung einer ständigen besoldeten Kommission, bestehend aus 8 Mitgliedern. Dieselbe ist verpflichtet: 1. das vorfindliche Material zu sammeln, 2. periodisch, mindestens vierteljährlich. Mittheilungen herauszugeben, 3. dem nächsten Kongresse eine jüdische Bollsstatistik vorzulegen. (Beifall.) 3. Der Kongreß ersucht das Aktionskomitee, die Frage der Gründung einer j ü dis ch e n Hoch - schule einem sorgfältigen Studium zu unterziehen (Beifall). 4. Der Kongreß zeichnet zum Garantiefonds des jüdischen Verlags die Summe von 2000 Mk., die aus 60 pCt. der beim Verlag einlaufenden Subskriptionensgeldern zurückgezahlt wird. Der Kongreß beauftragt das Aktionskomitee bis Mitte Februar 1902 allen Vereinen Prospekte des jüdischen Verlages mit der Aufforderung zuzusenden, sich an der Substription zü betheiligen und den Verlag zu unterstützen. 6. Zur ^Leitung der Kulturarbeiten in den einzelnen Ländern wird von jeder Landsmannschaft auf diesem Kongresse eine Kulturkommission gewählt, welche einen Bericht über die Kulturthätigkeit in ihrem Lande ausarbeitet. ' 7. Der Kongreß wünscht die gesonderte Veröffentlichung der aus diesem Kongresse zu den Fragen der Hebung gehaltenen und ängemeldeten Referate und deren Verbreitung in tadellosen und billigen Ausgaben in zionistischen und nichtzionistischen Kreisen und ersucht das Aktionskomitee, die betreffenden Druckplatten des Protokolls dem jüdischen Berlage kostenlos zu überlassen. 8. Der Kongreß beauftragt das Aktionskomitee an das Stockholmer N o b e l i n st i t u t die Bitte zu richten, der neuhebräischcn und neujüdischen Litteratur den ihr gebührenden Platz in der Bibliothek des Instituts zuzuweisen. Beifall.) Dr. Weitzmann erhält das Wort zur Begründung einer jüdischen Universität. Manchem erschien diese Frage vor zwei Jahren als ein Luxusgegenstand der Zionisten. Allein die Zeiten haben sich derart geändert, daß die Frage aktuell geworden ist. Besonders die in Rußland Wohnenden spüren es sehr, wie es an einer Hochschule für Juden fehlt. Die Lage, des jüdischen Studirenden verschlimmert sich von Tag zu Tag und eine immer größer werdende Zahl strömt den westeuropäischen Universitäten zu. und nun schließen sich deren Thore auch. Wir müssen hier eingreifen. Wenn wir auch nicht heute schon mit etwas Materiellem beginnen, so dürfen wir hoffen, daß eine Agitation gute Früchte bringen wird. Was wir verlangen ist Voruntersuchung. Agitation und Aufklärung der jüdischen öffentlichen Meinung. Diese Hochschule wird zur Hochburg der jüdischen Wissenschaft werden. . . Ich erlaube mir. im Namen vieler russischer Studenten zu erklären, daß die Charakterisirung, die an dieser Stelle vom jüdischen Studenten gegeben worden