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Der Israelit · 1902-01-13 · Heft 4 (13.1.1902) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 4 (13.1.1902)
Date
1902-01-13
Page
– (sequence 22)
Language
German
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die „Koloniälbant." die in der Nachtsitzung vom Donnerstag begonnen hatte. Dr. Farbstein, als Vertreter der Bankkommission, stellt folgende Anträge: 1) Der Kongreß betont, daß die Bank nicht ein Privaiinstitut. sondern das Instrument des politischen Zionismus ist. 2) Der Aufsichtsrath wird aufgefordert, für die baldige Aufnahme von Geschäften in Palästina Sorge zu tragen. 3) Die Kommission empfiehlt zum Zweck der Agitation für tveiteren Aktienverkauf, eine Geschäftsstelle in Rußland zu errichten. 4) Der Ausschuß empfiehlt dem Kongreß, den am dritten Kongresse gefaßten Beschluß zu bestätigen: Gründeraktien auf Lebensdauer Niemandem zu verleihen. 5) Die übrigen Anträge Motzkin—Farbstein, betr. Revision der Statuten, werden dem Aufsichtsrath zur Erwägung überwiesen. Ferner wird der Aufsichtsrath ersucht, die Geschäfte in London möglichst zu reduziren und die Svesen zu verringern. Ferner soll jede Beamtenstelle mit einem jährlichen Gehalte von über 100 Pfund in der „Welt" ausgeschrieben werden, damit Leistungsfähigkeit und nicht zufällige-Protektion für die Besetzung der Stellen ausschlaggebend sei. Eine längere Debatte konnte sich wegen der Uebermüdung des Kongresses nicht entwickeln. Es wurde beschlossen, die morgige Sitzung der Aktionäre der Kolonialbank zu unterbrechen, und dann die Kongreßdebatte weiter zu führen. Schluß der Sitzung 2\A Uhr Morgens. Fünfter T«rg: Montag» 30. Dez. — Achte Sitzung. Die Generalversammlung der jüdischen .Kolonialbank wird um 10 Uhr eröffnet. Der Präsident des Direktoriums. Herr Wolfsohn, erstattet den Geschäftsbericht. Nach Erledigung einiger formeller Details wird die Versammlung auf Nachmittag vertagt, und beginnt hierauf die „Kongretz-Sitzung." Auf der Tagesordnung ist die Fortsetzung der Debatte über die Kolonialbank. Diese-wird hauptsächlich von der Frage ausgefüllt: „Soll die Bank sofort ihre Geschäftstätigkeit beginnen und zwar sott sie Filialen in Rußland errichten?" . Die überwältigende Mehrheit der Redner betont, daß die Kolonialbank ja eine Palästinabank sei und ihre Mittel nicht für andere Länder verwenden dürfe. Zudem müsse man dafür Sorge tragen, daß. für den gegebenen Moment die Kapitalien der Bank auch wirklich flüssig werden und nicht festgenagelt sind. Diesen Standpunkt vertreten auch die Befürworter des Proiektes. in Rußland Filialen zu errichten: sie meinen aber, daß die Errichtung von Filialen in Rußland zur weiteren Agitation unbedingt nothwendig sei, das Volk verlange nicht eine Stelle, wo es Geld bekommen, sondern fordere eine Stelle, wohin es seine Groschen tragen könne. Zur augenblicklichen materiellen Hilfsleistung für das jüdische Proletariat, und um es der politischen Bevormundung durch die reichen Juden zu entziehen, wird von einem Redner der Gedanke der Gründung einer Diskontobank angeregt, der aber nicht den Beifall des Kongresses findet. Für die Regulirung der Shares-Club — das sind Vereine, in welchen man auf dem Wege von ganz kleinen Teilzahlungen zu dem Besitze einer Aktie der jüdischen Kolonialbank gelangen kann, wird eine besondere Kommission gewählt. T r i e t s ch (Berlin) weist auf die Möglichkeit einer sofortigen Aufnahme der Geschäfte in Palästina hin. Es giebt ein Gebiet in Palästina, 1000 Quadrat- Kilometer groß, das nicht dem Sultan gehört, sondern unter egyptischer Herrschaft steht und von England verwaltet wird. Wir wissen zwar, daß der Sultan ein Freund der Juden ist; hat er ja aus eigenen Mitteln die jüdischen Auswanderer aus Rumänien in Anatolien nach größter Möglichkeit unterstützt. — Das Wohlwollen des Sultans und der türkischen Regierung stehen außer Zweifel. Bestehen aber die Schwierigkeiten der Frage nicht vielleicht in der Möglichkeit von politischen internationalen Verwicklungen? (Widerspruch.) Die Beüedelung aber in dem erwähnten Gebiete würde eine Politik der freien Thür ermöglichen, weil von dort aus eine jede weitere Judenimmigration vorbereitet werden könnte, wenn sich dazu in organisirter Entwickelung das Bedürfniß geltend machen würde. — Auch dieser Antrag wird vom Kongreß kurzer Hand erledigt, und nicht weiter in Behandlung gezogen. Da eine große Anzahl von Rednern vorgemerkt ist, wird die Wahl von Generalrednern beschlössen: Mit deren Referaten schien die Debatte bereits erledigt, als Herr Dr. Farbftein folgenden Antrag stellte: Das Aktionskomitee wird ermächtigt, beim Direktorium der jüdischen Kolonialbank die nothwendigen Kredite zu fordern, damit das Endziel der Bank, das ist ein Charter, erlangt wird. Dr. Herzl modifizirt im Namen des Aktionskomitees diesen Antrag. Die Bank wurde gegründet, um dem politischen Zionismus ein finanzielles Instrument zu sein. So oft auch dies gesagt wurde, so soll der Kongreß es wieder aussprechen. da solche Erklärungen nicht oft genug abgegeben werden können. Für einen Geschäftszweck wurde die Bank nicht gegründet, dafür wären wir nie zu haben gewesen. Der Antrag Fa r b stein er s ist die parlamentarische Conclusion für Thatsachen, die hoffentlich noch in aller Gedächtniß sind. Es folgt nun eine Debatte, die jeden Zweifel ausschloß. als ob das Baseler Programm des politischen Zionismus im Laufe der Jahre irgend welche Beeinträchtigung oder Verwässerung erfahren habe. Der Präsident sagte in einer zweiten Rede: Ich .bin verpflichtet. dafür zu sorgen, daß das Baseler Programm und das Programm der Bank in seiner ganzen Reinheit wieder , hergestellt werde. Die Bank war und ist das Instrument des politischen Zionismus, im Anfänge

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