Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1902)
- Date
- 1902-01-13
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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bergauf rollen wird. Wie viel leichter ist es doch, Kinder zu unterrichten, die lernen wollen, als soW. die man erst mit Zucker anlocken must! Wie viel leichter ist es, die Wollenden in Palästina anzusiedeln, als die Nichtwollendcn nach Argentinien mit Geld zu loden. Dcßhalb sage ich den Testamentsvollstreckern: Wenn Sie praktische Leute sind, so geben Sie dem Zionismus Mittel in die Hände. Ich erinnere sie auch an den Spruch: Bis (lat, qui cito dat. Wenn sie nicht rasch handeln, so kommt vielleicht der Tag. wo sie uns ihre.Millionen anbieten werden und wir sie ablehnen. (Beifall.) I Es giebt noch ein anderes großes Kapital, gleich - falls zum Nutzen der Juden, das gleichfalls viele Millionen beträgt: das Kapital der Gesellschaft zur I u d e n b e k e h r u n g. Diese Millionen, die man den Juden anbietet, wollen sie auch nid)t annehmen, lind diese beiden Kapitalien haben noch eine andere Aehnlichkeit: Die Kosten eines getauften Juden und die Kosten eines Kolonisten sind ungefähr dieselben! (Heiterkeit und Beifall.) Zwischen diesen beiden höhnisch ausgehänften Kapitalien leiden und sterben die Juden von Rußland und Rumänien. Die Missionäre sagen: Taust citdj! Die Hirsch'schen Testamentsvollstrecker: Bettelt! Der Zionismus sagt: Arbeitet! (Großer Beifall.) Denn der Zionismus bezwedt nicht, das Volt Israel in Bettler zu verwandeln, sondern Israel zu erlösend Und darum bitte ich Sie. Ihr Geld nicht zu zerbröckeln, indem sie'hie und da kleine Gesckiäfte errichten. wenn sie auch noch so. viel Nutzen abwerfen. Denn wenn Ihr Kapital festgelegt ist. so kann es nicht zur Verwendung kommen, wenn große Summen nothig sein werden. Benutzen Sie Ihr Geld bloß dazu, das wandernde Volk heim zu bringen. Wir dürfen nichtungeduldig werden, nicht auf die hören, die sagen: Was ist Neues beschlossen worden? Neues? Glauben Sie vielleicht, daß wir Wunder thun, daß wir Wasser in Wein verwandeln können? Im Jahre 68, als Titus um Jerusalem herumschlich, der Vater des Antisemitismus, da entwich der Vater des Antizionismus. Jochanan ben Sakai, aus der heiligen Stadt in einem Sarge und floh in's römische Lager. Er war überzeugt, daß die Juden ohne Land leben könnten, .wenn sie nur die Thora und ihre Schule hätten. Heute. 1&!3 Jahre später, stehe ich hier und sehe Delegirte aus allen Ländern der Diaspora, die immer noch rufen: „Wenn ick) dein vergesse, o Jerusalem, so will ich meiner Rechten vergessen!" (Beifall.) Das ist ein genügendes Wunder. Der Zionismus lebt und der Antizionismus ist wieder einmal im Sarge! Was sind fünf Jahre im Leben einer Nation, nachdem die Verbannung 1800 Jahre gewährt hat. Mag sein, daß keinem von uns bestimmt ist, die großen Hoffnungen erfüllt zu sehen. Mag sein, daß Herz!, wie Moses, nur von ferne das verheißene Land sehen wird. Aber selbst in diesem Falle wollen wir zufrieden sein, wenn wir dazu beigetragen haben, für die Zukunft praktische Politik vorzubcreiten; auch dann, wenn von uns einst geschrieben steht, sie fanden das Chaos und oie Zersetzung, und sie hinterließen ein Ideal und einen Zweck. (Beifall.) Darum fordere ich diesen Kongreß auf, nicht auseinander zu gehen, ohne gegen jene Leute zu protestiren. die verlumpen lassen, was sie nähren und pflegen könnten, die kleinliche Ansichten von ihren Pflichten als Testamentsvollstrecker eines ... großen Wohlthäters zum Besten eines leidenden Volkes haben. Als sich der stürmische Beifall, der ebensowohl der Person des Redners, wie dem Inhalte seiner Ausführungen galt, gelegt hatte, ergriff Dr. Herzl das Wort zu folgenden Bemerkungen: Bei allem Respekt vor der Person des Redners thun wir besser, wenn wir über seinen Antrag nicht absiimmen. Es giebt Worte, die man sägen kann, und die nicht verloren gehen. Eine Abstimmung könnte zu Mißdeutungen führen, die ich gerne vermieden sähe. Wenn Sie uns kleine Schlvierigkeiten bereiten werden, so will ich diese Resolution als erledigt erklären und zur Tagesordnung übergehen, welche Fortsetzung der Organisationsdebatte verlangt. Die Debatte betr. die Organisation wird wieder ausgenommen. Der Antrag Dr. Herzl, daß eine neue Federation sich bilden kann, wenn sich zu derselben 60 Vereine mit mindestens 5000 Mitgliedern zusammenfinden. wird angenommen. Die Debatte dreht sich nun um den Punkt, welchem Organe die Bestätigung derselben obliege: Als der Referent der Kommission beantragte. „die Bestätigung dieser neuen Organisation liegt dem Wiener Aktionskomitee ob," erklärten die russischen Mitglieder des Aktionskomitees, unter solchen Bedingungen ein neues Amt nicht wieder annehmen zu können. Da sich dagegen Widerspruch erhob, wurde eine Pause beschlossen, in der die russische Landsmannschaft zu einer Berathung zusämmentrat. : Die Schwierigkeit wurde nun durch einen Vermittlungsvorschlag beseitigt, der besagt, daß eine neüe Federation sich nur mit der Genehmigung durch das Wiener Aktionskomitee und durch die Mitglieder des großen Aktionskomitees für des betr. Land konstituiren dürfe. Im Falle einer Differenz zwischen diesen beiden Organen hat die Landeskonferenz, des betr. Landes das Recht der Bestätigung. Zur Bewachung und Leitung des offiziellen Parteiblattes „Die Welt" und der anderen Blätter wird eine „Preßkommission" eingesetzt. Die „Erhöhung des Schekelbetrages." die der Vertreter des Finanzausschusses beantragt hatte, weil die Einnahmen die Ausgaben nicht decken, wurde nach lebhafter Debatte abqelebnt. r . „Das „Schiedsgericht" zur Schlichtungen Streitigkeiten zwischen den Körperschaften der zionistischen Organisation wurde angenommen. Damit ist das Traktandum „Organisation", erschöpft, und es folgt die Fortsetzung der Debatte über yrnwu.i' j,i > uij,._ m ■Ä'Jl Jl'.wiwupi.