Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1902)
- Date
- 1902-01-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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israelite," die gegenwärtig in. bei ganzen jüdischen Welt anerkannt ist. Ich bitte den Präsidenten der „All. isr.", ich bitte die Testamentsvollstrecker. einmal 49 Jahre auch in unserem Falle vorauszueilen, von den Lektionen der Geschichte zu lernen, und sie werden sofort dazu gelangen, den Zionismus zu verstehen und unsere Bewegung zu würdigen. Ich sehe keinen Zweck, zu dem die Hirsch'schen Millionen dienen sollen, sondern nur eine Reihe vergeblicher Versuche. Baron Hirsch war nicht ein verlorener Jude, aber ich fürchte, seine Millionen, werden verloren sein. (Heiterkeit und Beifall.) Sie wissen, wie schön man schon begonnen hat. Aus Mangel an Vorsicht mußten 25 Millionen der englischen Regierung als Erbschaftssteuer bezahlt werden. Fügen Sie dazu die Millionen, die den Rechtsanwälten für die Führung dieses Rechtshandels gezahlt werden mußten, und Sie haben gerade Geld genug, um dem Zionismus als erster Fonds zu dienen. Es ist möglich, daß wir schlechte Geschäftsleute sind; aber wir können sagen, daß trotz aller unserer Auslagen in diesem Augenblicke für jedes Pfund, das für eine Aktie einbezahlt wurde, volle 20 Schillinge in der Bank liegen. Wir werden niemals Erbschaftssteuer zu bezahlen haben, dieses Geld gehört keinem Menschen, sondern dem „Zionismus, und der Zionismus kann niemals sterben!" (Stürmischer Beifall und Jubel.) Aber man sagt, der Zionismus ist ein Traum! Wie sollte es anders sein, da doch die Juden schlafen?! (Großer Beifall.) Mögen die Juden erwachen, dann ist es nicht länger ein Traum! Denn der Zionismus hat ein klares Ziel, die Hirsch'schen Millionen haben keines. Wie-ich von Palästina gesagt habe: Geben Sie das Land ohne Volk dem Volke ohne Land, so sage ich vom Hirsch'schen Vermächtnisse: Geben Sie die Millionen ohne Zweck, dem Zlveck ohne Millionen! Denn diese Millionen wurden zur Rettung des jüdischen Volkes hinterlassen und die Direktoren können nicht hochmüthig neben ihrem Zwecke stehen und Israel leiden und dem Todeskampf ausgesetz: sein lassen. Wir hören von allen Seiten: Mitleid für die Armen, Blinden. Gefoppten. für die Russen und Rumänen, die aus ihrer . bittern Armuth sich zu Vereinen zusammenthun, Woche für Woche sich Kleinigkeiten absparen, um eine Pfundaktie unserer Bank zu kaufen. Das ist nicht erbärmlich, das ist erhaben! (Beifall.) Die Blindheit der Hirsch'schen Tesiämenivollstrecker ist erbärmlich! Aber, werden Sie sagen, sie können nicht letztwillige Bestimmungen umstoßen. Aber in England tverden wohlthätige Vermächtnisse sehr oft umgestaltet und zu verständigen Zwecken verwendet, wenn ihr ursprünglicher veraltet ist. Die zionistische Idee hat sich so rasch vorwärts bewegt, daß schon jetzt die Hirsch'sche Politik veraltet ist. Sie paßt nur noch für das Museum. (Beifall.) Baron Hirsch dachte in Argentinien für die Juden eine feste und dauernde Heimstätte finden zu können. Wir stehen heute vor der Thatsache. . daß in Argentinien eine zionistische Gesellschaft besteht, und in Argentinien giebt es eine Liga Dr. Herzl. Würde Baron Hirsch den Zionismus aus seinem wohlthätigen Vermächtniß ausaelchloffen haben? Dieser große Mann war für alle Möglichkeiten vorbereitet. Ich habe die Satzungen der Jewish Kolonisation Association bekommen. Die Zwecke, zu dem sie errichtet ist, sind folgende: Die Auswanderung der Juden aus allen Theilen Europas und besonders den Ländern, wo sie hauptsächlich Unterdrückungen unterworfen sind, zu unterstützen und zu stärken, damit sie nach irgend einem anderen Theile der Welt geleitei werden: Kolonien in verschiedenen Theilen Südamerikas und anderen Ländern zu begründen, und zu erhalten; von Regierungen, Staaten, Ländern und anderen Eigenthümern in irgend einem Theile der Welt Land zu kaufen oder durch Schenkungen zu erwerben, Conzessionen zu erlangen, die Hilfsquellen des so erworbenen Landes zu entwickeln und dasselbe zum Zwecke der Kolonisation geeignet zu machen; Kulturen und andere Niederlassungen in irgend einem Lande, irgendwo, ausgenommen in Europa, zu erwerben, herzustellen und zu entwickeln durch Ausrodung. Trainirung, Einhebung u. a.; Straßen, Eisenbahnen, Brücken, Höfe. Reservoirs, Werste. Befestigungen . Telegraphen, Fernsprecher. Fabriken u. s. w. zu errichten, einen Charter zu erlangen. (Beifall.) Da dies die Bestimmungen der Jewish Kolonisation Association sind, so wäre es Pflicht der Direktoren gewesen, das Herzl'sche Unternehmen aufmerksam zu prüfen, Dr. Herzl zu einer gemeinsamen Besprechung einzuladen und ein Einverständniß zu erzielen. Es wäre nicht nothwendig gewesen, daß sie das Geld hätten dem Zionismus zuwenden sollen. Aber daß sie vom Zionismus nicht einmal etwas hören wollten, das ist ein öffentliches Aergerniß! (Beifall.) (Der letztere Ausdruck wird vom Vorsitzenden gerügt und vom Redner zurückgenommen.) Daß sie ihre Pflicht nicht geihan haben, beweist, daß sie nicht nur schlechte Geschäftsleute sind, sondern auch als Verwalter unter aller Kritik. Hätte Baron Hirsch noch gelebt, er hätte die nöthigen Schritte gethan, Dr. Herzl zu sprechen, und wenn die beiden großen Männer zusammen gekommen wären —, wir brauchten keine Besorgniß wegen des Ergebnisses zu haben. Aber du Direktoren, wissen Sie, was die antworteten, als die brotlos gewordenen Kolonisten in Palästina ihnen, sagten: Geben Sie uns 490 Frs., dann wollen wir unser Leben hier verdienen? „Rein", antworteten sie. „die 400 Frs. könnt ihr nicht haben: aber ihr sollt 1000 haben, wenn ihr nach Argentinien.auswandert." (Pfuirufe.) Von den Hirsch'schen Testamentsvollstreckern gilt das Psalmwort: Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht, sie haben eine Rase und riechen nicht. Aber selbst die Hirsch'schen Testamentsvollstrecker sind noch nicht verloren. Ihre Augen werden, sich vielleicht noch öffnen unb sehen müssen, daß ein Stein