Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1902)
- Date
- 1902-01-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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102 rück. Viele der gefallenen Bemerkungen tragen den Charakter von negativen.Spenden und entziehen dem Nationalfonds Vieles. Ich verstehe die Bedenken von Bodenheimer als Jurist nicht. Von Ihnen wird es abhängen, ob Sie aufbeffern wollen, was wir genäht haben. Um Klärung in die theilweise sehr erregte und verwirrte Debatte zu bringen, wird eine Pause von einer Stunde angesetzt. Die Bedenken bezüglich der Sicherung des Vermögens durch Schaffung einer juristischen Person wurde nach Winderaufnahme der Sitzung durch einen Antrag Dr. K o k e s ch (Wien) gehoben, welcher lautet: 1) Das Aktionskomitee wird beauftragt, dafür zu sorgen, daß für den Nationalfond die legale Basis einer juristischen Person zum nächsten Kongreß geschaffen werde. 2) Der Kongreß wählt eine Kommission.aus den Juristen eines jeden Landes zum Studium dieser Frage; diese Kommission hat sich mit dem Aktionskomitee in's Einvernehmen zu setzen und innerhalb der drei nächsten Monaten ihre Arbeit aufzunehmen. 3) Dem Aktionskomitee wird empfohlen, die Schaffung der juristischen Person für den Nationalfonds im Kanton Basel-Stadt zu erwirken. 4) Durch die' sofortige Annahme des vom Aktionskomitee vorgelegien Entwurfes und durch den, somit sofort in's Leben tretenden Nationalfonds wird nicht ausgeschlossen, vielmehr wird Vorbehalten, daß die Bestimmungen den einzelnen Gesetzgebungen der verschiedenen Staaten angepaßt werden sollen. Dr. Bodenheimer tritt nochmals energisch für seinen Antrag ein. Dr. H e r z k wendet dagegen ein: Wenn die Absicht vorläge, die Bestimmungen der Stiftung zu lockern, so wären die Bedenken berechtigt. Der Kongreß will aber das Gegentheil. Die Gegenleistung, welche die Verwalter übernehmen wollen, soll ja viel größer werden. Wenn man statt zwei, drei oder vier verspricht, so wird Niemand sagen können, dafür habe ich mein Geld nicht gegeben. Dr. Herzk bringt nun die Anträge zur Abstimmung. In einer Vorfrage an den Kongreß erklärt sich derselbe einstimmig für die sofortige Schaffung eines jüdischen Nationalvermögens. (Ablehnung des Antrages Lurie.) Die Abstimmung soll nun ergeben, ob der Kongreß die von den Vertretern der schärferen Tonart gewiinschten Sicherheiten verlangt, oder die Bürgschaft des Statuts mit dem Zusatzantrag Dr. Kolesch' für genügend erachtet. Ueber die Art der Abstimmung wird in längerer Geschäftsordnungsdebatte diskutirt. Die endgiltige Abstimmung ergibt 103 Stimmen für die Anträge des Aktionskomitees, gegen 85 Stimmen für den Antrag Dr. Bodenheimer. Die Verkündung dieses Resultates wird vom Kongreß mit lautem Beifall ausgenommen. Es wird hierauf die Debatte über die „Organisation" wieder ausgenommen. Ein Antrag des bekannten Berliner Malers Lilien, die Sitzungen des Kongresses, der heute hätte zu Ende gehen sollen, um einen Tag zu verlängern, wird angenommen. Paragraph 23. der die Tagung von Konferenzen in den kongreßkosen Jahren vorsieht, wird angenommen, Ebenso wird die Einrichtung des „Legitimationsausschuffes" beschlossen. Eine längere Debatte entwickelt sich wieder bei Anlaß der Neubildung von Federationen, wo sich die Anträge von Cohan-B.ernstein, der diese ganz unterdrücken will, von H e r z l. der diese unter, der Voraussetzung, daß sie von mindestens 50 Vereinen.mit 5000 Schekelzahlern an begehrt wird, und von Man - d e l b a u m, der verlangt, daß ein Fünftel der Vereine sich selbstständig konstituiren kann, gegenüberstehen. Hier wird die Sitzung 6% Uhr Abends abgebrochen. Siebente Sitzung: '-Sonntag Abends. — Eröffnung Hll4 Uhr. Präs.: Dr. Herzk. Unter allgemeiner Spannung versammelte sich der Kongreß (neuerdings wieder im großen Saale), da es vorher bekannt gemacht worden war, daß der berühmte Verfasser der „Kinder des Ghetto" sprechen werde. Israel Z a n g w i l l enttäuschte auch seine Zuhörer nicht; er entlockte mit seiner geistreichen und oft humorvollen Rede, die Dr. Nordau sofort in's Deutsche übertrug, und durch die rückhaltlose Entschiedenheit, mit der er für das zionistische Ideal eintrat, bald wahre Stürme des Beifalls und der Begeisterung, bald der Heiterkeit. Rede von Israel Zangwill. Zu Ihrem großen Kongresse in seinem fünften Sommer (denn wenn Sie auch im Winter Zusammenkommen, verleiht der Himmel Ihnen einen Sommer), komme ich als Delegierter aus dem Lande, das Sie als den Sitz der Kolonialbank erwählt haben. Trotzdem rufen die Juden jenes Landes immer noch nach positiven Thaten. „Wir Engländer sind praktisch," sagen Sie. Sie vergessen vielleicht, daß für die Welt England nicht bloß Handel, sondern auch Shakespeare bedeutet (Beifall) und daß es ein Georges Elliot gab» der zuerst in ihrein Lande den Zionismus gepredigt hat. Immerhin, ich will „englisch" im niedrigen Sinne des Wortes sein, und praktisch, wie es sich für einen richtigen Eingeborenen geziemt. Ich will von den „Lustmenschen" absehen und einen Antrag stellen, und dieser soll sich auf Geld beziehen. Wie Sie wissen, hat auch Dr. Herzk von Geld gesprochen, so sehr, daß er ein Materialist genannt wurde. Gewiß, wenn er nicht von Geld gesprochen hätte, würde man ihnen einen Idealisten genannt haben. (Heiterkeit.) Dr. Herz! sagte zu den Juden: Gebt mir zwei Millionen und ich will Großes thun. Er bekam nicht einmal ein Viertel davon und dann riefen alle Juden, die ihr Geld in ihrer Tasche behalten hatten: Wo ist das Große?! (Heiterkeit, Beifall.) Es geschah in einem Dorfe, ich tveiß nicht wo, da beschlossen die Vorsteher der Gemeinde, dem Rabbiner ein Faß Wein zu stiften. Jeder Familienvater hatte einen Liter Wein bäzu-