Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1902)
- Date
- 1902-01-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kongreß war, und von dieser meiner Meinung haben mich auch die Zwischenfälle der letzten Stunde nicht abgeschreckt. Insoweit ich selbst durch zu schwaches oder zu starkes Präsidiren daran schuld bin, bitte ich Sie, in dieser Abschiedsstunde meine Entschuldigung entgegenzunehmen. Wenn ich sage, daß der Kongreß ein guter war, so stütze ich mich darauf, daß wir auf ein gutes. Stück gethane Arbeit zurückblicken. Wir. haben eine zum Theil neue Organisation durchgeführt. Ich hoffe, daß sie das Band, das uns vereinigt, nicht lockern, sondern im Gegentheil verstärken wird, so daß sie den lebendigen Bedürfnissen unserer Bewegung Rechnung trägt. . Ferner sind wir in der Banksache ein Stück weiter gekommen. Erlauben Sie mir, zu sagen, daß wir bei den Resolutionen, welche, dem Aktionskomitee und dem Aufsichtsrathe zur Durchführung übergeben worden sind, eines immer mitverstanden haben, nämlich die Vorsicht und die Gewissenhaftigkeit bei jeder Unternehmung. zu der das Aktionskomitee seine Zustimmung geben soll. Der Kongreß würde uns etwas anderes nicht zur Durchführung empfehlen und andere Aufträge könnten wir auch nicht annehmen. Ferner wurde der R ationalfonds gegründet, und es wurde uns der Auftrag gegeben, die Rechtssicherheit zu schaffen, und wir werden sie schaffen. Wir haben uns an maßgebender Stelle bereits erkundigt, ob man in B a s e l die Errichtung der juristischen Persönlichkeit nicht ungern sehen würde, und wir haben den Bescheid erhalten, daß dagegen kein Bedenken vorliegt. Wir werden also unverzüglich die nöthigen Schritte thun und zwei schweizerische Rechtsanwälte konsultiren. Und wenn ich nun nach dieser Uebersicht noch das erwähne, was hier .die Freude dieser Tage war, so geschieht es, um mit dem besten der Eindrücke, die wir empfangen haben, auseinander zu gehen. Diejenigen Inden, die nicht mit uns sind, können nicht verstehen, was die zionistische Bewegung an positivem Glück für uns Zionisten bedeutet. Wir haben die Genugthnung, daß das, was wir in den ersten Keimen gesehen haben, vor unseren Augen wächst und erstarkt. Und ich glaube sagen zu dürfen, daß der Weg von der Verrufenheit als Utopie bis zur Geltung als einer gerechten, politischen Aspiration, mühsam und vielleicht auch weiter war, als der Weg von dieser Aspiration bis zur Verwirklichung. (Beifall.) Rev. Dr. S ch a p p e r (Baltimore) ermahnte die Zionisten zum festen Zusammenhalten und sprach dem Präsidenten den Dank der Versammlung aus, dem der . Kongreß in einer begeisterten Ovation Ausdruck gab. Dr. Mandelbaum brachte das Hoch auf die Stadt Basel und die Schweiz aus. ^Zum Schlüsse füllten sich noch die weiten Hallen des Sitzungssaales mit den Klängen eines schönen hebr. Hymnus, die den Mühen und Aufregungen,der vergangenen Tage den verklärenden und versöhnenden Abschluß gaben.' Schluß der Sitzung 4 Uhr Morgens. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuze«. D e n t f ch 1 a n b. . Frankfurt a. M., 12. Jan. Am Freitag Abend entschlief an den Folgen der Bleichsucht Herr E m i l S ch w a r z s ch i l d, ein Sohn des.früheren Vorstehers der Jsr. Religionsgesellschaft, Herrn Emanuel Schwarzschild, und Schwiegersohn des vor einigen Jahren verstorbenen Philantropen Selig Goldschmidt. Herr Schwarzschild, der in jeder Hinsicht seiner hervorragenden Familie würdig war, erreichte nur ein Alter von 43 Jahren. Möge Gott die trauernde Gattin und Kinder trösten. .rrajtin Grätz, 6. Jan. Am Montag, 24. Dez., wurde in unserem Litteraturvereine der zweite Vortrag dieser Wintersaison abgehalten. Herr Rabbiner Dr. Holzer, Schwedt a. O., behandelte das Thema: „Die Juden an der Pforte des 19. Jahrhunderts," in dem er die Lage der Juden vom Zustande tiefster Bedrückung des ausgehenden Mittelalters bis zur vollständigen Emanzipation, soweit sie thatsächlich erfolgt ist, und die Hand in Hand mit ihr gehenden geistigen Strömungen des inneren Lebens zeichnete. Der Vortrag wurde allenthalben sehr begeistert ausgenommen und dem Redner reichster Beifall gezollt. Darmstadt, im Jan. In der „Zeitschrift für Bücherfreunde" bespricht Oberbibliothekar Dr. Adolf Schmidt in Darmstadt einige „interessante Bucheinbände der großherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt," von denen einer dadurch ein höheres Interesse beansprucht, daß er ein überaus werthvolles hebräisches Manuskript einschließt. Es ist dies eine durch bildlichen Schmuck ausgezeichnete Pesach-Hagada, der ein höheres Alter zugeschrieben werden muß, als den wenigen bisher bekannten Hagadas gleicher Art. Eine große Anzahl farbenreicher Initialen und Randleisten mit Ornamenten, Menschen- und Thiergestalten, schmücken den Text. Dazu kommen die Bilder aus dem jüdischen Leben. Auf den beiden letzten Blättern stellen zwei große Miniaturen eine Hirschjagd und einen Jungbrunnen dar. Dieses Bad dürfte die älteste Darstellung des bei mittelalterlichen Dichtern und Schriftstellern oft erwähnten Jungbrunnens sein. Ein thurmartiger Aufbau mit offenen Seiten schließt das Bild ein, dem zwei Wasserspeier mit Thierköpfen das Wasser zuführen. Während Männer und Weiber in dem Bade herumplätschern, naht ein Krüppel mit der Krücke dem Thore, an dem ein Pförtner mit dem Stabe Wache hält. Alle dargestellten Gegenstände^ sind von hohem kulturgesschichtlichen Werthe. so daß crue-genauc Untersuchung der Bilder durch einen jüdischen Archäologen sich wohl lohnen würde. Wie es scheint, gehört diese Hagada zu den Büchern, die im Jahre 1391 den Juden entrissen worden sind. Auf welche Weise sie in die Darmstadter