Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1902)
- Date
- 1902-01-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Hofbibliothck gekommen ist. hat sich nicht ermitteln kaffen. Frankreich. Paris, im Jan. Ueber das merkwürdige Vorgehen Labori's, des französischen Advokaten, der durch die Vertheidigung des Exkapitäns Dreyfus sich einen Weltruf erworben hat, haben die.Leser schon aus den Tagesblättern das Nähere erfahren. Für uns ist, natürlich von besonderem Interesse.. was der berühmte Vertheidiger über seine Stellung zu den Juden sagt. Hatten ihn doch die französischen Antisemiten bereits als einen der Ihrigen gepriesen. In einen'. Artikel im „Petit Journal" wehrt sich nun Labor! entschieden gegen die Verdächtigung. Er will Frieden unter den Menschen haben. ' Die Freiheit erscheint ihm als das höchste Gut der Menschen und der Hatz gegen die Juden als ein „barbarisches Gefühl." Dann sagt er: „In dem Matze, in dem die Inden, ehe sie sich als Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft betrachten, sich als Bürger des Staates, in welchem sie leben, als Angehörige der Nation, der sie sich eingesügt haben, fühlen, haben sie ein unantastbares Recht «auf die Achtung Aller. Ich kenn Viele dieser Art, und ich begrüße in ihnen freie Menschen, wahre Brüder. Vor Kurzem habe ich von einfachen, bescheidenen, mir persönlich unbekannten Juden Zustimmungserklärungen erhalten; sie sind mir kostbar. In dem Maße, wo im Gegensatz hierzu gewisse mächtige Juden, mächtig nach Innen, mächtig nach Außen, sei es durch ihr Vermögen, ihre Beziehungen oder ihre Vereinigungen, versuchen würden, sich unter einander zusammen zu thun, um auf Kosten des allgemeinen Interesses den Sieg ihrer Rasseninteressen zu sichern, um sich gegen gewisse ihrer Mitbürger zwecks einer engeren Gemeinschaft zu organisiren, um in dem Staat eine besondere politische Thätigkeit zu entfalten, in demselben Matze würden sie mich bereit finden, sie zu bekämpfen. Ich würde hierin in der That die gefährliche Kundgebung eines besonderen Klerikalismus erblickend Diese Erklärung Labori's ist unzweifelhaft von großem Interesse. Daß er als ein liberaler Mann den Juden ihre Rechte gönnen will, ist zwar kein besonderes Verdienst, man muß es aber doch unter den heutigen Verhältnissen hoch anrechnen. Daß er aber, obwohl er ein liberaler Mann ist. sich doch nicht ganz frei gemacht hat von den Fabeln und Vornrtheilen, die die Antisemiten gegen die Juden ausgesprengt haben, ist mehr als bedauerlich. Es gibt keine jüdische Gesellschaft. welche ein gemeinsames Interesse gegenüber dem allgemeinen verfolgt; das Gerede vom jüdischen Klerikaauch keine jüdische Politik, und das Gefasel von >iner solchen ist entweder Lüge oder Dummheit. Was die Juden nach dieser Richtung thun, das geschieht in der Nothwehr und zur Vertheidigung ihrer angegriffenen Rechte oder im Interesse ihrer Religion. Darüber hinaus aber betbeiligen sie sich bei allen Parteien und in allen Zeitfrägen nicht als Juden, sondern als Bürger des. Staates, in dem sie leben. Das ist schon unzählige Male gesagt worden. Es scheint nur, wie der Fall Labori beweist, immer noch nicht durchgedrungen zu sein. vermischtes. Mainz. 12. Januar. Auf der hiesigen Kochkumiairsstellung sind auch zwei Firmen ausgezeichnet worden, die rituell-jüdische Maaren Herstellen. Die Firma Halberstadt hier erhielt für ihre Fleischwaaren und Fleischexlract und die hiesige Firma Le§ Haas nr die von ihr fabricrrten Sense das Ehrendiplom. Berlin. Dem Kommerzienrüth Ferdinand Manheim er ist. wie der „Konf." meldet, der Orden der Ehrenlegion vom Präsidenten Loubet für seine Thätigkeit als Mitglied der internationalen Jury der Pariser Weltausstellung verliehen worden. Breslau. In heutiger Stadtverordnetensitzung wurde der Geheime Justizralh Freund zum 17. Male als Vorsteher wiedergewählr. Die Wahl erfolgte einstimmig. Qlpinv «Galizien.) Die hiesige Gemeinde sieht sich veranlaßt, an die Wohlchätigkeit gütiger Glaudensgenossen zu appelliren. Sie war gezwungen, ihr baufällig gewordenes Beth-Hamidrasch neu aufzubauen. Trotz Aufbietung aller Kräfte kann sie aber den Bau aus Mangel an Mitteln nicht vollenden. Sie bittet edle Glaubensbrüder und Freunde der Thora um entsprechende Spenden, die man an Herrn Rabbiner Markus David Horo witz, dahier senden möge. Briefkasten der Redaetion. Herrn Pros. A. in Mährisch-««.: Es nt allerdings nicht statthaft ohne Erlaubnis des Lrtsrabbiners in. den Lehr- und Berhüufern der Cultusgemeinde wie immer geartete Vorträge zu Hutten. Wenn der Verein nur die Pflege der Tdora bezwecken will, wird ieder gesetzestreue Rabbiner ein solches-Bestreben nur fördern. Es gebt aber nicht an. unter dem Schutze uou Talmud-Thora. die Autorität des Rabbiners ansspielen äu wollen. Auch das indische Rituale verurtheilr ein solches Gehaben mir der größten Entschiedeubeit. l:i nana «Sr ncba'. snvn rrr: \h jrnpr ba .'an by pbm ir.rtt Wer ist ein npV?na Stifter gegen seinen Rabbiner? Wer sich durcb öffentliches Portragen einführt, sich niedersetzt, erklärt und belehrt ohne Erlaubnis; des Rabbiners. Dan mau diese Ehrerbietung jedem Rabbiner m seiner Gemeinde schuldig sei. ist nur selbstverständlich. Wenn die Mitglieder des Vereins aber aus religiösen Gründen die Vorträge des Rewrinrabbiners nicht nnyören mögen, ist es auch ratttiamer das Thora-Srndinm in den V e r e i nslocalirären;u pflegen. Daß die Vereinsmirgliederauch Eultttsstener zahlen, ändert nichts an der Sache. Ter Vorstand hat jedenfalls recht gebandelt, ivenn er die VeranstaHnng der Bortrage im offiziellen Levrhame untersagt^hat. Nebrigens ist der betreiieilde Rabbiner ciögliug des Berliner «eminarS und genietzt deit 3luf eines biederen i rammen Mannes. Briefkasten der Expedition. Talmndocrci« in l«.:, Lnercst Vacharim in Jüdischer Letbstbildnngöocrcin in S. Ungar«: Die Begünstigung wird geivährr. Wollen Sie sich nur an W. Alerander. Bnchyündler in S. A. Ujhely wenden. 'Ali Mehrere in Ungarn: Sowohl wegen Abonnements als auch in Anoncenangelegenheftenwolle man sich an W. Alexander. Buchhändler iu S. A. llibeti) wenden, dem wir unsere geschäitliche Bertretiiiig sür Urlgarit übertragen haben. M. L. in Lestringen: Betrag erhalten. L. in Nürnberg: Mk. Iv.— erhalteii. .