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Der Israelit · 1902-01-13 · Heft 4 (13.1.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 4 (13.1.1902)
Date
1902-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Ttrehlcn, 20. Jan. Vor einigen Tagen verbreiteten sich hier allerhand Gerüchte über ein Vorkommniß in der hiesigen Synagoge. Eine amtliche Aufklärung über dieses angebliche Synagogenabenteuer, welches Schulkinder am 14. Dezember hier erlebt haben wollten, veröffentlicht in den hiesigen Lokalblättern die Polizeiverwaltung der Stadt Strehlen. Wir lassen das amtliche Aktenstück wortgetreu hier folgen: „Bekanntmachung. Zu den Vorgängen, die sich angeblich am 14. Dezember im hiesigen Synagogengrundstück zugetragen haben sollen, therlen wir mit: Die Angaben der Mutter sowie der betheiligten Kinder haben sich als völlig widersprechend und haltlos und die hieraus gefolgerten Gerüchte als unbegründet erwiesen, so daß die zuständigen Behörden keine Veranlassung gefunden haben, die Sache aufzunehmen. Trotz Aussetzung einer namhaften Belohnung hat sich bisher Niemand gefunden, der zur Aufklärung irgend etwas beizutragen vermochte. Zur Widerlegung der Gerüchte, welche zu einer ungerechtfertigten Beunruhigung der Bewohner geführt haben, geben wir nachstehend den zu Grunde liegenden Sachverhalt: Mittwoch, den 18. Dez., erstattete uns die Kesselheizersfrau Poller die Anzeige, daß am Samstag, den 14. Dez., ihr fünfjähriger Sohn in das Synagogengrundstück gelockt und dort längere Zeit zurückgehalten worden fei. Die Vernehmung dieses Knaben, sowie des siebenjährigen Bruders und zehnjährigen Knaben Polster, in deren Gesellschaft sich der Knabe befunden hatte, gestaltete sich folgendermaßen: Es sollen Männer, angeblich Juden, mit Bärten und Larven, die Kinder unter Versprechungenin das Synagogengrundstück gelockt haben; dieser Aufforderung soll Nur der jüngste Knabe Folge - geleistet haben und dafür beschenkt worden fein. Die Angaben der älteren Knaben widersprechen sich, bald sollen es Männer, bald ältere Jungen gewesen sein, bald waren es zwei, bald wieder drei; die größeren Knaben behaupten, daß der Knabe links um das Synagogengrundstück herumgeführt worden sei, während dieser rechts herumgegangen sein will. Polizeilicherseits zur Synagoge geführt, vermochte der Knabe nicht anzugeben, wo er gewesen sei, auf jeder Bank, die ihm in's Auge fiel, im Garten, in der Kammer, im Borrarim der Synagoge wollte er gesessen haben; gefragt, wer ihn Hinausgelasien habe, behauptet er, ein Briefträger; eine amtliche Anfrage bei der Postbehörde ergab die Unwahrheit; dann sollte es ein Polizist gewesen fein, und als auch dies sich nicht bestätigte, sollten es wiederum dieselben Personen gewesen fein, die ihn . hereingeführt hätten. Thatsache ist, daß der Knabe kurze Zeit, nachdem er sie verlassen, zu seinen Spielkameraden zurückkehrte, ohne die geringsten Zeichen einer ausgestandenen Angst. Strehlen, den 30. Dezember 1901. Die Polizeiverwaltung: A e u m a n n." Buttcnwicscn (Bayern). Am Samstag, den 4. Januar, veranstaltete die hiesige israelitische Cultusgemeinde zu Ehren des 25jährigen Jubiläums des Cultusvorstandes. Herrn Salomou U l l m a n n, eine 88 Jubelfeier, die einen herrlichen Verlauf nahm und sowohl dem Herrn Jubilar, wie der hiesigen Gemeinde zur Ehre gereicht. Fleißige Hände hätten sich schon Tage vorher bemüht, die Sale des gräflichen Treuberg'schen Gasthauses auf's Festlichste zu schmücken. Die gesammte jüdische Gemeinde, die politische Verwaltung, eine Anzahl katholische Geistliche und Vertreter benachbarter Gemeinden, eine Abordnung der freiwilligen Feuerwehr und der Gesangverein „Liederkranz", Buttenwiesen, versammelten sich Abends 7 Uhr im Festlokale, wo eine Viertelstunde später der Jubilar, geleitet von einer Deputation der israelitischen Verwaltung, erschien. _ Bei Eintritt desselben erhoben sich die Anwesenden und der Gesangverein, unter Leitung des Herrn Lehrer Bernheim, intonirte einen Festgruß. Hierauf svräch Fraulein Rosa Einstein den Festprolog in geradezu künstlerischer Weise, und der reiche Beifall, welcher der jungen Dame zu Theil wurde. . bestätigte, wie sehr sie es durch ihren meisterhaften Vortrag verstanden hat, alle Anwesenden zu entzücken. Auf Ersuchen des Festkomitee's hatte es Herr Israel Lammfromm übernommen, die Festrede zu halten, und er entledigte sich dieser Aufgabe in vorzüglichster Weise. Redner führte aus, daß, als Herr Ullmann vor 25 Jahren an die Spitze der hiesigen Gemeinde berufen wurde, dieselbe in zwei feindlichen Lagern getheilt war. Dem Jubilar ist es zu danken, daß die Gegensätze vollständig ausgeglichen, und daß die Geschäftsordnung der hiesigen Gemeinde der Neuzeit angepaßt wurde. Trotz vielfacher und segenbringender Neugestaltungen hat der Jubilar die traditionellen Institutionen des Jndenthums hochgehalten. Darum betrachte die ganze Gemeinde den heutigen Tag als einen Festtag und aller Wunsch sei nur, daß es Herrn Ullmann vergönnt sein möge, noch viele Jahre seines Ehrenamtes zu walten. Anschließend hieran überreichte der zweite Vorstand, Herr Bernhard Kreisle. mit einer herzlichen. Ansprache einen von den Gemeindemitgliedern gewidmeten silbernen Pokal. Namens der Wohlthätigkeitsstiftung, deren Vorstand Herr Ullmann ebenfalls ist, sprach Herr Moritz H u m m e l den Dank Aller mit jener Institution in Berührung stehender Personen und deren Gratulation aus. — Als Vertreter der christlichen Gemeinde Lberbrachte der Hochwürdige Herr Pfarrer Helmfchrott in berzlichster Weise deren Gratulation und Glückwünsche. Dasselbe that im Namen der Freiwill. Feuerwehr Buttenwiesen deren Kommandant Herr Bühlmeier. Auf die in hiesiger Gemeinde bestehende erfreuliche und segenbringende Einigkeit brachte Herr Isaak Reiter ein „Hoch" aus. Als Vertreter der Jugend Buttenwiesens sprach Herr Ignaz Lamm; sein „Hoch" galt den Mitgliedern der politischen und Kultusverwaltung, welche der Jugend als leuchtende Beispiele

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