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Der Israelit · 1902-01-13 · Heft 4 (13.1.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 4 (13.1.1902)
Date
1902-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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if) tili gleit nicht weit. weit höher und ist es gar ein Zeichen, daß eine Verwaltung die „unab weisbaren Bedürfnisse der Zeit richtig „erkennt," wenn man gleichsam eine Prämie auf die U n w i s s e n h e i t aussetzt? . Schlimm genug und bezeichnend, wenn selbst ein Rabbiner in feierlicher Weise die Erklärung abgiebt: „So viele Juden kennen das Hebräische nickt, inehr und wissen mit dem Gebetbuche, das pe gar verkehrt in die Hand nehmen, nichts mehr anzufangen." Da, wenn die Lehrer in Israel es dahin kommen lassen, dann haben ste einfach ihren Beruf ver - fehlt und hätten einen ihnen mehr zusagenderen ergreifen sollen. — „Aeutzere Anregung" — soll die Elemente, die stets dem Gotteshause fernbleiben, in dasselbe bringen! Die logische Beweisführung müßte nun hier mit Beispielen einsetzen, daß diese „äußere A n r e g u n g", die Orgelklänge, die langen deutschen, französischen oder englischen Gesänge, die formvollendeten oratorischen Meisterwerke der Herren Prediger u. s. w. nun auch wirklich in anderen Großgemeinden und kleineren Gemeinden die Elemente, die sonst dem synagogalen Leben fern standen, indas Gotteshaus brachten. daß diese Elemente jetzt die reformirten Orgel- Synagogen an jedem Sabbat und Feiertage füllen. Aber darüber schweigen sich die Herren Liberalen wohlweislich aus. davon sprach Herr Rabbiner Dr. Frank auch nickts in seinem „Gutachten", den Beweis fift die Wirkungen, die Erfolge der seit mehr als Z0 Jahren in vielen Gemeinden eingeführten Reformen sind sie und ist der Herr Rabbiner uns schuldig geblieben. — „Nach den statistischen Angaben des Jahrbuches des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" ist die Orgel in 120 deutschen «Nmeinden eingeführt." —; Das mag stimmen, aber warum bleibt die Statistik hier stehen und spricht nichts über die Erfolge des Orgel-Gottesdienstes, verzeichnet nicht das Zahlenverhaltniß der Besucher des Gottesdienstes in den Orgel-Synagogen und in den Synagogen nach jüdisch e m Ritus in Prozenten zur jüdischen Bevölkerungszahl der betreffenden Städte? Man hütet sich seitens der Liberalen und ihrer Wortführer wohlweislich vor der Beweiskraft statistischer Zahlen, weil diese ihr ganzes, in der Luft schwebendes System vernichten müßten! Wüst und leer steht es in den großen und kleinen Orgel-Synagogen aus. die an den Sabbaten und Feiertag-Abenden von höchstens 1 bis 2 pCt. der ortsansässigen jüdischen Bevölkerung besucht werden, traurige Oede herrscht an den Stätten dieser „den Bedürfnissen der Zeit" Rechnung tragenden Andacht, deren Gottesdienst-Ordnung weder jüdisch, noch völlig christlich ist. also ein undefinirbares. ausdrucksloses Mittelding zwischen jüdischem und christlischem Kultus. Dieses Zwitterding bleibt Juden wie Christen gleich unverständlich und gleich unsympathisch und findet bei Beiden ein mitleidiges Achselzucken. Und das soll die dem Judenthum fernstehenden Elemente diesem wieder gewinnen?? Wo in aller Welt wäre dieses geschehen, welche jüdische Orgel- Svnagoge der Welt könnte dieses Erfolges sich rühmen? Entkleidet man so die liberalen Phrasen ihres rein äußerlichen Wortschwalles, mißt man sie, wie es die Logik gebietet, an der Hand der bisherigen Erfahrungen, so zeigen sie dem Urtheilsfahigen ihre erschreckende innere Leere, ihre thatsäckliche Unwahrheit! Hiernach bleibt es für jeden Einsichtigen klar, daß die sogenannten „Liberalen" mit ihrem Rundschreiben, wie mit dem „Gutachten" des Herrn Rabbiner Dr. Frank, den. sie jetzt stolz den „Ihrigen" nennen dürfen, schlechte Geschäfte machen müssen. Aber sie gehen weiter. Sie nehmen soaar die „Klinke der Gesetzgebung" in die Hand, indem ste als „Liberale" den Versuch machen, das Wahlrecht der Steuerzahler zu den Repräsentanten-Wahlen zu beschränken. In diesem Falle sind die Herren Liberalen zur Abwechselung nicht allein konservativ, nein, mehr als das, reaktionär! Und die nächste Repräsentanten-Versammlung soll schon über diesen Angriff auf das Wahlrecht zahlreicher Gemeindemitglieder berathen! Man sieht, im liberalen Lager wird mit Hochdruck gearbeitet. aber Köln, das bisher fest gestanden hat zur Tradition der Väter, wird sich als starker Wall gegenüber den Angriffen der Reformer bewähren und seinen alten Ruhm zu wahren wissen. . Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, l. Dez. (Absichtlich verspätet.) Wir haben in Nr. 94 v. I. unseres Blattes bereits kurz des schweren Verlustes gedacht, den durch das Ableben einer wahrhaft frommen, edlen und braven Frau das Judenthum erlitten: Frau Julie Lob. geb. Bondi, ist nicht mehr. Immer kleiner wird die Zahl der Helden und Heldinnen, die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. als ringsum der Abfall und die Neuerungssucht uns unser heiliges Erbe zu entreißen suchten, auf die Schanzen stiegen und mit übermenschlichen Kräften das Rettungswerk vollführen halfen. Ludwig Lob und dessen eben Heimgegangene Gattin gehörten zu diesen Auserlesenen. Beide aus berühmten Rabbinerfamilien stammend, die zu ihren Ahnen die bedeutendsten Männer des rhein. Judenthums zählten, war dieses edle Paar von hoher Begeisterung für das echte, unverkürzte Judenthum erfüllt, lebte und kämpfte für dasselbe mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen. Daß solche Kämpfer vielen Widerwärtigkeiten und schweren Prüfungen ausgesetzt waren, läßt sich wohl denken, aber bewunderungswürdig waren die Geduld. die Sanftmuth und Erhebung. mit welchen sie Alles ertrugen. Jm Sommer"des Jahres 1881 ward Ludwig Lob von schwerer Krankheit heimgesucht, von

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