Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1902)
- Date
- 1902-01-09
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Tschenk in gegen die Verlegung des Kongresses auf alle zwei Jahre. Dr. Motz! in (von der russischen Partei mit Begeisterung empfangen, von der Gallerie mit Blumen beworfen): Das 3/citlci von Dr. Tschlenow wird nicht genügen. Ich schlage vor. daß wir jedes zweite Jahr einen Weltzionistentag abhalten, nach Analogie der Katholilentage, ohne Telegirtentag, welcher zu demonstriren hat und durch sonstige Aeußerungen Kundgebungen veranstaltet. Daneben soll ein Heiner Kongreß mit nicht demonstrativem Charakter einmal in jedem anderen Jahre stattfinden. in dem in rein praktischer Beziehung gearbeitet wird, oder absolut nichts mit Demonstrationen zu thun hat. Tie kleinen Kongreffe werden dadurch auf eine wünschenswerthe Höhe gelangen. Dazu sollen nur größere Gruppen Telegirte senden können, so daß zu große Kongreße vermieden werden. Ein Kongreß aus 120—150 Mitgliedern könnte Ideales bieten. Für die Mitgliedschaft in das Altionskomitee soll eine Zahlung des Schekels durch drei (statt fünf) aufeinander folgende Jahre genügen. Dr. Herzl: Der Vorschlag Motzkins vermin-• dert unsere Bewegung. Solche Tage können jeden Monat abgehalten werden. Demonstrationskongreffe sind auch die Arbeitskongreffe. Die Reform in der Organisation soll prinzipiell ffch dadurch unterscheiden, daß wir statt des dedultiven Verfahrens die Induktion.des Vollsausdruckes herbei fuhren. Und dann läßt sich allerdings bedeuten, ob es nicht an der Zeit wäre, die ersten Ortsgruppen aus einer größeren Zahl von Schekelzahlern zusammenzusetzen, aus 200 oder mehr. Aber wir sollen aus der fünfjährigen Dauer für die Passivwahlfähigkcit bestehen. Doch sollen in besonderen berürtsichtigungswerthen Fällen Ausnahmen durch den Kongreß gemacht werden können. Es wird dann nach längeren Verhandlungen in die Spezialdebatte eingetreten. Wir greifen die wichtigsten Punkte davon heraus. Zu § l. der das Baseler Programm enthält, bemerkt Breiselstock: Unsere Bewegung ist in sehr chaotischem Zustande; besonders in den Vereinen macht sich Reaktion bemerkbar. Niemand weiß, was er zu thun hat. Wo zwei Zionisten zusammen kommen, streiten sie sich darüber, was zu thun ist. Wenn wir nicht genauen Besckxid wiffen. können wir nicht arbeiten. Im Baseler Programm ist Alles enthalten, aber es muß interpretirt werden nach folgenden drei Punkten: l. Bcffedelung von Palästina. 2. Organisation der Nation an Haupt und Gliedern. 3. Erziehung als Mensch und als Jude. Dr. Herzl: Unser Heiligthum, das Baseler Programm, können wir nicht verändern. Wenn aber diese Vorschläge in Form einer Resolution als Instruktion für die Vereine gegeben werden sollen, so steht ihnen nichts im Wege. 2 rietsch : Die Fassung des ersten Programmsatzes ist nicht einwandfrei. Unsere Bewegung dehnt sich aus auf das Gegenrvartsprogramm, auf neue Kulturgebiete. Wir müssen für den Zuwachs eine Baffs schaffen. Es heißt »das jüdische Volk" soll übergeführt werden; das hindert viele, die nicht daran denken, auszuwandern, der Bewegung beizutreten. Sagt man: »der Zionismus erstrebt für die unterdrückte große Mehrheit des jüdischen Volkes eine öffentlich-rechtliche gesicherte Heimstätte", dann gewinnt man ffch die Sympathien dieser Personen. Ferner rechnet ein wichtiger Thcil des jüdischen Dolles sehr wohl und zieht die realen Faktoren in Betracht. Wenn wir diesen nüchternen Leuten vorlegen, was praktisch ist. dann lverden sie zu uns kommen. Wenn sie aber große Fehler in unserem Programme finden, dann werden sich große Kreise verschließen, die sonst für uns zu haben wären. Palästina ist ein Land von 29 000 Km. Wenn wir für Palästina eine Bevölkerungsdichtigkeit als möglich annehmen. wie sie ein so hoch entwickelter Agrikultur- und Industriestaat wie Deutschland besitzt, nämlich l00 Menschen auf 1 Km., . so ergiebt sich eine Bevölkerungsmöglichkeit von 2 900 000. wovon 600 000 Bewohner abgehen. Nordau hat in einer berühmt gewordenen Rede gesagt, daß Palästina mit s e i n e m N a ch b a r l ä n d e r n 15. Millionen aufnehmcn könne. Wir interprctiren Palästina und seine Nachbarländer mit Palästina und Syrien. Aber es wurde schon bei früherer Gelegenheit gesagt, daß Syrien nicht so nahe, und von Palästina nicht so zugänglich ist. wie die meisten glauben. Unmittelbar an das palästinensische Gebiet schließt sich die christliche Autonomie Libanon, deren Christlichkeit und Autonomie von England. Rußland und Frankreich garantirt ist. Oestlich davon liegt die Stadt und das Stadtgebiet Damaskus, das zu wichtig ist, als daß wir in absehbarer Zeit darüber hinauskommen können. (Schlußrufe.) Der Redner faßt seine Ansicht in einem Abänderungsvorschlag zusammen, der ungefähr lauten soll: Der Zionismus erstrebt für die unterdrückte große Mehrheit der Juden die Schaffung einer gesicherten Heimstätte in Palästina und seinen Nachbarländern. (Beifall und Zischen.) Dr. Herzl: Herr 2rietsch hat sich einer der Entgegnungen der antizionistischen Blätter in naiver Weise bedient. Wenn er fragt, ob wir daran denken, alle Inden zu veranlassen, nach Palästina zu gehen, so ist dies eine Form der Auffassung der zionistischen Bewegung, der wir nur in den Witzblättern und den ungefähr auf demselben Range befindlichen antizionistischen Blättern begegnet sind. (Beifall.) Heutzutage giebt es ein Prinzip der Freizügigkeit. Wir sind nickt so kurzsichtig, den Leuten zuzuinuthen, daß sie auf einen Majoritätsbeschluß hin ihren Wohnort ändern. Man muß die Sache nur zu Ende denken, um zu sehen, welches gewollte Nichtverstehen in dieser Ar-