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Der Israelit · 1902-01-09 · Heft 3 (9.1.1902) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 3 (9.1.1902)
Date
1902-01-09
Page
– (sequence 20)
Language
German
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ungelernten. Unser Arbeitsnachweis muss tcn;cntrirt s und zentralisin werden. behufs Austausch von Mensckren- und Erfahrungsmaterial. Auch die Forderung des Arbeitsnachweises zur Sache der Gemeinden zu machen, ist sehr wichtig und aussichtsvoll. Je solider die Basis ist und je weiter der Spielraum, desto grösser must der Erfolg sein. Datraurigste Kapitel ist die leider fast, in allen Landern vorhandene Thatsache der Abneigung und Animosität, die der jüdische Arbeitgeber den jüdischen Arbeitern entgegenbringt. Die Ausdehnung der Rachweisstellen in Deutschland findet ihre Grenze in den polizeilichen Bestimmungen, welche den Zuzug großer Fremdcnmassen hintanhaltcn. Als ein Mitte! der Arbeiterversorgung wurde von den galizischcn Gesinnungsgenossen die Schaffung einer Hausindustrie bezeichnet Tiefes Mittel verdient den Vorzug für minderkräftige Individuen, besonders auch für Frauen; die Einführung ist aber nur unter gewissen Kautionen betr. die Durchführung einer verständigen Wohnunashygiene. unter Ausschluss der Kinderarbeit und Einschränkung der Frauenarbeit zu empfehlen. Der Lohn ist kärglich, kann aber nicht unter den im Osten üblichen heruntergehen. Was die techniickie Seite der Hausindustrie betrifft. so gedeiht sie nur wohl unter staatlicher Fürsorge. So wurden in Russland im Jahre 1S9S 100.CHX) Rubel zur Förderung der Hausindustrie vertheilt. Unverzinsliche Darlehen, finanzielle.Zuschüsse. Prämien für die betr. Arbeiten mügcn gewährt, billige Rohstoffe abgegeben. Zeichen- und Forrbildungsfchulcn eingerichtet werden. Anderwärts gibr es Wanderlehrer. bei Staats- und Militärlieferungen wird die Hausindustrie berücksichtigt. Sie bedarf einer geschickten Organisation und einer geregelten Subvention. Die Hilfsaktion für Galizien hat eine ähnliche Unterst üi'.ung und Förderung vorgesehen, besonders soll Gegenstand der Fürsorge die Regelung des Absatzes sein. Der Zusammenschluss solcher häuslichen Gewerbe zu gemeinsamem Betriebe wird zu den Produktivgenossenschaften führen. Im Allgemeinen sind die Erfahrungen, die man für die Handwerker da-, mit gemacht hat. nicht sehr ermuthigend. Selbst in den englischen Berichten wird über die enormen Schwierigkeiten und geringen Fortschritte geklagt. Einen Kampf gegen die Großindustrie aufzunehmen, scheint den Produktivgenonenschaften nur mit staatlicher Unterstützung zu gelingen. Im Osten leiden die jüdischen Handwerker weniger unter dieser 5t onkurrenz. als dadurch, dass sie in zu grosser Zahl vorhanden sind. Die Genossenschaften könnten nur dann nützen, wenn es gelingen würde, bestimmte und sichere Absatzgebiete zu erschließen; wir müssten hier der persönlichen und materiellen Unterstützung weiter kaufmännischer Kreise gewiss sein. An und für sich sind sie im Sinne der Vorbereitung sehr zu begrüßen. auch wenn es ihnen nur gelingt, die Jugend solchen Handtverlen zuzuführen, welche nicht unter der Grossindustrie leiden, noch im Ueberschuss vorhanden sind. Weniger sozialer Werth scheint den Ä o n f u m - vereinen zu.'mkomrmn: sic können nur Werth er langen als Anrauisgenosscnschaften für Rohprodukte der Landwirthschast und des Handrverkes. sonst bestehen schwerwiegende Bedenken dagegen, und schkiesskich wird durch gemeinsame billige Beschaffung von Lebensmitteln am empfindlichsten der jüdische Kleinhandel ge troffen werden. Weit mehr in Betracht kommen die K redit t a s se n für das Kleingewerbe. Schon aus dem vorigen Kongress wurden Beispiele solcher Kreditanstalten eingesiihrt. Es ist aber zu bemerken, daß solche nicktjüdischcn Ursprunges oft nur durch die Beihülfe des Staates bestehen können. Aber auch ohne solche sind die Resultate keineswegs trostlos und je mehr der christliche kleine 'Mittelstand sich leistungsfähig macht, umsomehr muss man sich aus jüdischer Seite von den Kredit- Verhältnissen emanzipiren. die in manchen Ländern skandalös sind. Auf diesem Wege ist manche bedrohte Position im Kleingewerbe und Kleinhandel zu halten. Ter Zwischen- und Kleinhandel, die historische Beschäftigung der Juden in der Diaspora, ist durch lein Mittel mehr zu halten. Man weist, wie in Galizien die christlichen Genossenschaften dem jüdischen Zwischenhandel schwer aus dem Racken reiten, wie sie gesetzlich den jüdischen .Kleinhandel lahm legen, wie in Rumänien durch Rcgierungsmassnahmen eine Branche nach der anderen den Juden entrissen wird. Auch im Wrstcn ist der jüdische Handel energisch bedroht, doch kann dort durch eigene Kraft Umwandlung geschaffen 'werden. Wir haben vom Standpunkte unserer Re gencrationsideen keine Veranlassung, den Untergang des Zwischen- und Hausirhandels zu beklagen; aber wir dürfen nicht zufchen. wenn einer Prolctarivrnng in brutaler Form voraebeugt werden soll. Die Kredit lassen und beruflichen Organisationen schaffen hier den Uebergang. (So in Deutschland die Zwischenhändler? Der Schwerpunkt liegt in der prophylaktischen Reein slusinng der Jugend. Bereits aus dem dritten .Kongresse wurde-in offizieller Weise die Organisation der einzelnen Berufs tlassen empfohlen. Zuerst müssen die jüdischen Handwerter mit kaufmännischer Hilfe zu gemeinsamer Tbä tigkeit verbunden werden. Diese Berussorgonisationen. mir Kranken-. Invaliden- und Arbeitslosenkassen aus gestattet, dienen zur energischen Selbsthilfe und bringen einen energischen Fortschritt in die vormalige Stag Nation hinein. Bei unseren Wirthsvollern dienen solche Organisationen als Bollwerke im Kampfe der Inte ressen. Die jüdischen Berufsorganisationen haben über diesen Zlveck hinaus die Ausgabe, als Rertheidigungs mitte! zu dienen gegen den Judenhass und gegen den ökonomischen Antisemitismus. Aus diesen «Gründen erscheint der Zusammenschluss der Einzelorgane in grossen Verbänden und Zentralen ausserordentlich zweckmässig. Für unser zukünftiges Ziel und für nn iere zionistische Organisation sind diese Organisationen wertbvolle Errungenschaften. Sie können von mir. als

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