Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1902)
- Date
- 1902-01-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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55 wiegkn. Die ersten Koryphäen der Wissenschaft: die Virchow. Dubois-Reymond^ Gerlach und viele andere stehen auf Seiten des jüdischen Echlachtverfahrens und es ist geradezu unmöglich, diesen Celebritäten andere von auch nur annähernd hoher wissenschaftlicher Bedeutung entgegen zu stellen. In einer dem Schweizer-Archiv für Thierheilkunde sBd. 28. Heft T») entnommenen Abhandlung über unseren Gegenstand äußern sich die Professoren Guillebau und Heß über Msen Punkt in folgender Weise: .Die Angabe, es bestehe zwischen den Vertretern der Wissenschaftleine Einigkeit über die Frage, ob das Schächten qualvoller als die anderen Schlachimeihoden sei. ist eine Behauptung, die auf Mißvcrständniß beruht. Die zahlreich abgegebenen Gutachten werden seit einer Reihe von Jahren gesammelt und gedruckt und sind daher leicht zugänglich. Run sind allerdings die einen zu Gunsten, die andern zu Ungunsten des Scbächtens ausgefallen. Frägt man sich aber nach der Kompetenz der verschiedenen Autoren, die zur Feder gegriffen haben, so fällt auf. daß die Männer, deren volle Zuverlässigkeit in biologischen Fragen durch zahlreiche Arbeiten sich erwiesen hat — wie greifen unter den vielen bedeutenden Namen nur diejenigen von Virchow in Berlin. Fick in Aürzburg. Chauveau in Lyon. Zangger heraus — sämuttlich die Ansicht vertreten, das Schächten sei nur scheinbar, nicht aber in Wirklichkeit eine Tierquälerei. Im anderen Lager treffen wir keine einzige in der Biologie maßgebende Persönlichkeit. Bei dieser Sachlage dürfen wir wohl sagen, daß die Wissenschaft in Wirklichkeit ihr Urthcil gesprochen hat. und zwar zu Gunsten des Schächtens.- t V. u. V. Ein Blick in diese zahlreichen Gutachten zeigt sofort das irrige dieser Behauptungen. So oft irgend eine Verbesserung oder Aendcrung des bisher üblichen Schlachtversahrens bekannt wurde, waren auch die Gegner des Schächtens beider Hand mit dem Verlangen, das Schächten nunmehr zu verbieten und dafür die neuerfundene Tödtungsweise einzuführen. Dadurch mußten zu verschiedenen Zeiten wiederholte Gutachten über das Schächten eingeholt werden, weil man die früheren als veraltet hinstellte. Die ersten Gutachten veröffentlichte die Schrift von Dr. Kayserling: .Die rituale Schlachtfrage oder ist Schächten Thierquälerei?- Aarau. Sommrrländer 2867. — Die zweite erschien von Dr. Engelbert im Jahre 2876 unter dem Titel: .Das Schächten und die Buterrole." Et. Gallen. Zolliiofer. Im Jahre 2885 erschien die Schrift von Dr. Ehrmann: .Das Schächten". Frankfurt a. M. I. Kauffmann. — Im Jahre 2887 folgte die Gutachtensammlung, herausgegeben vom Vorstand der .Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums." die im Jahre 2894 bereits in dritter Auflage erschien. Besonders reichhaltig ist die von Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer in' Berlin im Jahre 2694 veröffentlichte Gutachtensammlung und die kurz darauf bei Apolant-Berliu erschienene, welche alle bisherigen und viele neu hinzugekommenen zusammengestellt hat. Wie man bei dieser Fülle von Gutachten und der . Gründlichkeit und Allseitigkeit der Behandlung die hier bemängelten Momente auch nur einen Augenblick aufrecht erhalten will, ist geradezu unbegreiflich. Man muß diese Gutachten selber studirt haben, um diese Ungeheuerlichkeit richtig würdigen zu können. Außer Professoren der Physiologie, Pathologie, Thierarzneikunde, außer den Direktoren der Thierarzneischulen. einer großen Anzahl von Hos-, Landes- und Polizei-Thierärztcn. Veterinär-Assessoren u. Schlacht- Hof-Tirektoren. haben in den vorliegenden Gutachten die Großschlächtcr und Mehger-Innungen zu Königsberg. Berlin, Tarmstadt, Güstrow. Polzin, Hanau, Karlsruhe. .Köln. Ratibor. Prag u. a. ihr Zeugniß zu Gunsten des Schächtens abgelegt. Sollten diese wirklich nur. wie der Blinde über Farben geurtheilt haben? VI. So lange die Schächter, welche das Schächten schmerzhaft und qualvoll erklärt haben sollen, nicht mit Namen genannt iverden, existiren sie für uns nicht. Solche Mittelchen verfangen nicht bei dem kompetenten llrtheil der Wissenschaft und der Fachmänner. VN. Hier wird die frühere Behauptung einfach wiederholt, ein Verfahren, das ihre Beweiskraft nicht erhöht; wir verweisen daher auf das oben über diesen Punkt Bemerkte. Zeitungsnachrichten unv ELorresponVenzc«. Deutschland. Frankfurt a. M., 2. Jan. rrrb px rr.zz -ryz nrrxx sie hatte ihr großes, jüdisches Ziel fest im Auge, doch als sie erst eine kurze Wegstrecke dahin zurückgelegt, lange, ehe sie es erreicht hatte, wurde sie den Ihren genommen." Mit diesen Worten klagte Herr Rabbiner Dr. B o n d i aus Mainz, an der Bahre der Frau E a r y B o n d i. geb. Rothschild, die am *c nzv in der Bliithe ihrer Jahre ihre reine Seele aüsgchaucht hat. Unerbittlich hat der Tod sie nach schwerem Leiden von der Seite ihres tiefgebeugten Gatten, des Herrn Hugo I. Bon di. hinlveggerissen, mit dem sie. eins in Herz und Gesinnung, einem von wahrhaft jüdischem Geiste getragenen Glücke in ihrem Hause eine Stätte bereitet hatte, hinweggerissen von der heiligen Stelle ihrer Mutterpflicht. die sie mit so inniger Hingebung und so bewußtem Ernste an ihren beiden kleinen Tochterchcn erfüllte. Schmerzdurchbebt stehen Mutter und Bruder am Grabe' der einzigen Tochter und Schwester, mit der die zartesten Bande , einer durch. wahrhaft fromme Gesinnung gefestigten .Liebe sie derknüpften. Es ist ein erschütterndes Leid, an dem alle Kreise unserer Gemeinde, nicht bloß die näheren und entfernteren Angehörigen, schmerzbervegt theilgenommen haben. Wehmuthsvoll vergegenwärtigt sich