Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1902)
- Date
- 1902-01-06
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Dr. Sapapnii. Sein und Zttchtsein unserer Bewegung hängt jetzt von der Bant ab. sonst droht eine Sceession im zionistischen Lager. In Palästina tann die Thätigleit nicht aufgegebcn werden. Es ist ökonomisch eine sehr armes Land. Er stelle den Antrag, die Kapitalien sollen in Sicherheit angelegt werden, sowohl in Palästina, als auch im Ausland. Nun entspinnt sich eine stundenlange, verwickelte Debatte über die Tagesordnung. Tie lveitere Debatte galt der Frage, ob die Bant unmittelbar ihre Geschäfte anfnehmen soll, und rvelcher Art diese Geschäfte sein sollen. Während ein Theil der Redner die Gründung von Filialen in Russland Hanoisächlich verlangt, widersehen sich diesem Antrag mehrere andere Redner, weil die Gründung von Filialen in Russland wohl dem Nühlichleitsstandpunlte entspricht, nicht aber dem nationalen Gedanken. Das Vermögen der Banl müsse für den grossen Endzweck aufbewahrt werden, und wenn gegenwärtig von der Thätigleit der Bank gesprochen werde, so soll diese in der.Hülfe für die nothleidenden jüdischen Arbeiter in Palästina bestehen. Dr. R o 1 r f ch gibt Aufschlüsse über die Absichten der Aufsichtskommission; die Ban! soll zuerst andere, sichere, einträgliche Geschäfte machen, bevor sie an die Hauptfrage herantritt. Dr. Herzl. Soll das Aktionskomitee unbedingt die Thätigleit der Kolonialbank sofort aufnchmen lassen? In einer grossen Sitzung in Wien wurde beschlossen. zunächst das Vermögen der Banl in der bislangen Weise zu verwalten, d. h. keinerlei Geschäfte zu unternehmen. Das war bisher dasjenige, was der Aufüchtsrath als feine Schuldigkeit angesehen hat. Sollte der .Kongress dem neuen Aktionskomitee und dem Aussichtsratbe andere Marschordnuny geben, so werden sie dieselbe befolgen. Was den Antrag betrifft, die Kapitalien zur Unterstützung des Ackerbaues und des Handwerks in Palästina zu verwenden, so können wir versichern, dass ein diesbezügliches Projekt in sehr ernster Ausarbeitung begriffen ist. Es muss mit verschiedenen Sicherheiten umgeben werden, und den eigenthümlichen Bedingungen angepasst sein. Es wird genügen, wenn der .Kongress zu diesem ziveiten Punkte eine Resolution fasst, in welcher er dem Aufsichtsrathe ausirägt, dass das Tssunlichfie bald geschehen soll. Dr. So ko low beantragt Schluss der Debatte, weil man dem Kongress zu wenig Aufschluss ertheilt hat. Man soll eine Kommission wählen, der genauer Bericht erstattet wird. Dr. M o tz k i n : Die Bank' soll in der nächsten Zeit so wenig als möglich thun; wir sollen, weiter für sie arbeiten und sie vergrössern. da dieselbe uns sonst entschwinden wird. Es tann keine Filiale in Russland gegründet werden, iveil auch andere Staaten Anspruch erheben würden. Bor.Kurzem haben elf jüdische Arbeitervereine in Russland den Beschluss gefasst, dass die Bank zunä^st nicht zur ökonomischen Hebung der Lage der Juden verwendet iverde. Eine russische Bank würde in gewissem Sinne dem nationalen Gedanken widersprechen. Die Bank soll daher Folgendes thun: Sie soll endlich den Plan verwirklichen, der bereits feit sechs Jahren in allen Vereinen ventilirt wird, sie soll eine Erpedition von Fachmännern nach Palästina entsenden; sie braucht nicht sämmtliche Mittel zu gewähren, aber sie soll sich daran betheiligen, und dann soll sie sich an der Aktion betheikigen. um die Arbeiter in Palästina zu erhalten. Im Aufträge von 21 Delegirten stellt Dr. Mohkm folgende Anträge: 1s Jeder Aktionär soll nur im Besitze von einer Stimme sein, unabhängig von der Aktienzähl. 2s Jeder Aktionär soll Direktor iverden können, unabhängig vom Besitze und der Grösse der Aktien. 2s Die Grunderaktien sollen ausschliesslich im Besitze des Aktionskomitees sein und nicht verschenkt lverdcn können. Jeder von den 127.000 Unterzeichnern soll die gleichen Rechte haben. Nach dem.Statüsauo ist der Grossaktionär bevorrechtet gegenüber dem Aktionär mit nur einer Aktie. Das ist dem jüdischen Volksbewusstsein nickt entsprechend, und nicht der Würde entsprechend. Wir wissen nicht, warum der Direktor 500 'Aktien besitzen soll; es kann Personen geben, die 500 Aktien besitzen, aber nicht die Fähigkeit zum Direktor haben, und umgekehrt. Der Äufsichtsrath würde, ja darüber wachen, dass nicht solche Personen gewählt werden, die die Bank in Gefahr bringen können. ^Die Grunderaktien sollen um des Demokratismus und um des praktischen Zweckes willen abgeschasst werden. (Beifall.) Dr. Farbstein (Zürich): Wir haken rveder einen Entwurf, noch eine Begründung. Es ist nur ein Programm in den Hauptumrissen entworfen worden, das Nähere ist nicht, bekannt. Wie soll es dem Einzelnen möglich sein, darein zn reden? Ich hätte gewünscht, dass volle Klarheit wenigstens in den leitenden Kreisen herrschen würde; das ist nicht der Fall, darum wollen wir wie Motzkin keine Experimente machen. Ich spreche im Namen der gesammten Landeskomitees der Schweiz: Wir sind genau zn demselben Schlüsse gekommen, obwohl wir uns nicht'in Verbindung gesetzt haben. Dr. Herzl hat in der Eröffnungsrede des dritten Kongresses gesagt, dass die Bank, als juristische Person, einmal den Charter kontrabiren soll. Es wäre praktisch und nicht schwierig, dem Bunde der Zionisten in der Schlveiz die Neckte einer Person-' lickkeit zu verleihen. Dann würde die Frage der gesetzlirfrcn Gründcrshares ganz verschwinden. Das Prinzip, dass man nur mit 200 Aktien Direktor werden kann, passt für eine kapitalistische Gesell-, schaft. es ist fehlerhaft für grosse Unternehmen. Maw soll sich die Freiheit bewahren, bestimmte Personen zu zeichnen. Das Direktorium soll eine zusammengesetzte Behörde sein, und sich nicht nur aus Handelsleuten .zusammensetzen. Ein Antrag auf Vertagung wird angenommen. Schluss der Sitzung 12^ Uhr.