Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-01-06 · Heft 2 (6.1.1902) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 2 (6.1.1902)
Date
1902-01-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449798--55085-2517695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

geistigen Führer der gegnerischen Bewegung sitzen. Die Protestrabbiner bereiten uns einen großen Theil der Schwierigkeiten, diesen müssen wir entgegentreten. Wir in Deutschland stehen auf einem exponirten Posten. Wir kämpfen Alle einzeln gegen Gruppen, wir sind nur wenige, aber wir müssen das' ganze Rüstzeug der zionistischen Bewegung beherrschen. Wir müssen jeden fußbreit Bodens erst durch harten Kampf erobern. Sie wissen vielleicht, daß beabsichtigt wurde, in Deutschland einen allgemeinen Judentag abzuhalten, also die Juden von ganz Deutschland zu vereinigen, um über ihre Lage zu bcrathen. Die Zionisten, welche diese Idee veriheidigten. welche in großen Versammlungen in Berlin, in Hannover, in Köln und Frankfurt diese Idee erörterten, hofften einen Boden zu bekommen, um den jüdischen Geist in die Herzen der Deutschen pflanzen zu können. Vom Kongreß ist vor zwei Jahren die Parole ausgegcben worden, wir müßten die Gemeinde erobern. um vorwärts zu kommen und das ist in Deutschland den Zionisten zuerst in Köln und Mannheim gelungen. Wenn man weiß, mit welcher Mißgunst und mit welchem Uebelwollen der zionistischen Idee begegnet wird, dann ist es begreiflich, daß längere Zeit nothwendig ist. um dieses Ziel zu erreichen. Der Redner berichtet noch über Massenversammlungen, die in Deutschland stattgefunden haben. Wir müssen den Boden zuerst erobern und wir wissen das. wir können uns nicht durch die Jeremiaden eines neuen Jeremias zurückschrecken lassen. (Beifall.) D r. Pa sm a ni k berichtet über die Schweiz: In der Schweiz hat der Zionismus eine besondere Bedeutung, indem wir hoffen, daß das Schweizerwolk und die Schwcizerregierungen bei der -Lösung der zionistischen Frage von Nutzen sein werden. Das wurde mir von einem Führer des Schweizervolkes offiziell versichert. (Beifall.) Unter den russischen Studenten wird wenig gearbeitet, sie sind eine Armee ohne Führer. , Die Schekelzahler haben sich verdreifacht, der Aktienverkauf hat sich verzwölffacht. D r. Jeremias erklärt, daß er nicht die Absicht gehabt habe, das Landeskomitee anzugreisen. A w i n o w i tz 1 i: Wir russischen Juden sind unzufrieden, einmal, weil wir Palästina noch nicht haben, und zweitens sind wir unzufrieden, weil Sir (zu Dr. Klee gewendet) zufrieden sind. (Beifall.) Zufriedenheit iss Stillstand und Stockung. Wir sind unzufrieden. bis das ganze jüdische Volt zionistisch wird und bis wir die ganze humanitäre Welt für uns haben. Dr. Herzl. als Vorsitzender des Aktionskomitees. resumirt die Resultate der heutigen Diskussion. Das Aktionskomitee hat mit größter Aufmerksamkeit auf Kritik gewartet. Wir sind enttäuscht. Sir haben uns ivenigcr streng angefaßt. als wir es vielleicht fürchteten, und die Vorwürfe, die uns gemacht wurden, waren so wenig, daß wir gar nicht die Gelegenheit haben. einen Gegenvorwurf zu machen. Denn unser Kongreß besteht ja hauptsächlich in der Reziprozität der Vorwürfe. Wir dürfen mit einander nicht zufrieden sein. — Unsere Bewegung wird davoy, nicht stärker und größer, was das Aktionskomitee thut.. Die Stärkung kann nur in den Vereinen stattfinden, die sich allmählich überall bilden, und so glaube ich. hätten wir Gelegenheit. etwas weniger mit uns zufrieden zu sein, als eS einige der Herren mit dem Aktionskomitee waren. Und das ist ein ferneres Merkmal, unseres Kongresses, daß während anläßlich des Berichtes des Aktionskomitees über alle Dinge gesprochen wird, über das Aktionskomitee nicht gesprochen wird. Die Zusammenstellung der Tagesordnung zeigt, daß wir wenigstens daS Gefühl einer gewissen Äerbesserungsbedürftigkeit haben. Das wird namentlich beim Punkte der Organisation zum Vorschein kommen. Dort glaube ich, wird es am besten sein, wenn das Aktionskomitee, nachdem der Kongreß seinen Rechenschaftsbericht genehmigt hat, zur Offensive übergehen wird. Wir müssen, wenn die verschiedenen. mehr Gefühle, als ausgesprochene Wünsche betr. die Stärkung unserer Bewegung in Erfüllung gehen sollen, an die Wurzel zurückgehen, das wird die Aufgabe unserer Diskussion bei der Organisation sein. Dort wird auch der Platz sein, wo wir die Fragen, wie den Streit in Rumänien am besten besprechen können, und nicht nur besprechen, sondern auch für die Zukunft sorgen, daß der Boden für solche Streitigkeiten verschwindet. Ein Redner hat Wünsche und Beschtverden für die Schule. Was die Schule betrifft, verweise ich ebenfalls aus einen anderen Punkt der Tagesordnung, indem ich nur darauf Hinweise, daß das Aktionskdmitee die Aufträge des vorigen Kongresses selbstverständlich vünktlich erfüllt hat. Hier kommen wir mitten in die Kultussragen hinein, die anzuschneiden jetzt gar keine Veranlassung vorliegt. Es haben die Herren Abrahamson und Reichenthal über die mangelhafte Organisation in Ungarn gesprochen. Wir haben seit dem ersten Kongreß einen Ungarn als Mitglied des Aktionskomitees, wir haben verschiedene zionistische Blätter in Ungarn. Herr Architekt Marmorek und ich sind nach Pest gefahren und versuchten dort zu wirken. Es ist aber nicht unsere Ausgabe, den Zionismus künstlich in Ungarn zu schaffen, das Wesen unserer Bewegung bringt es mit sich, daß sie überall hervorkommen kann. Wenn sie Anschluß, sucht. so freuen wir uns und unterstützen. waS sich lebensfähig zeigt. Wenn wir Experimente machen wollten, und eine künstliche Bewegung zu schaffen suchten. so wäre es ein Sport, zu dem wir die Mittel deS Altionskomitees nicht verwenden können. Es hat Herr Dr. Weidmann die Schattenseiten in unserem Berichte vermißt. Ich glaube, die Lieferung der Schattenseiten ist Sache des Kongresses, nämlich der Opposition im Kongresse; die müßte uns darauf aufmerksam machen, rvas schlecht ist. Sie können aber nicht verlangen, daß wir oppositioneller sind als die Opposition. zBeifall.) Selbstverständlich lverden alle Anregungen, die sich noch in den folgenden Tagen zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.