Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1902)
- Date
- 1902-01-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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werthvoll. als große Massen. Die Zahl unserer Schelel lann nicht so anwachsen, die Verhältnisse liegen in Deutschland viel ungünstiger. In Deutschland haben wir mit einer Bevölkerung zu rechnen, die nicht materiell bedrückt ist und die daher nicht leicht zu uns kommt. Sie ist auch nicht so frei, um sich ohne Rücksicht zu einem Ideal bekennen zu können. Man geniert sich noch zu sehr, vor einem nicht-jüdischen Dienstmädchen das Wort *3ufce“ auszusprechen. (Beifall.) In diesem Sinne haben wir gearbeitet, in dieser Richtung haben wir Resultate aufzuweisen. Unsere Zahl hat sich annähernd verdreifacht, neue Ortsgruppen haben sich gebildet. Der Zionismus hat in drei Viertel der assimilirten Juden einen neuen Geist gebracht. Ich will Ihnen ein Wort sagen, das Dr. Rulf uns mit auf den Weg gegeben hat: Wir wollen nicht ungeduldig werden, die besten Bäume verdorren nicht über Rächt und wachsen nicht über Nacht und der Zionismus kann nicht wachsen über Nacht und die verkehrten Anschauungen nicht zu Grunde gehen. Der berühmte Baum im Propheten Jonas wuchs über Nacht und verdorrte über Nacht. (Beifall.) Gin Delegirier aus Ungarn: Was hat das Aktionskomitee für Ungarn geleistet' Man hat für die 800000 ungarischen Juden nichts gethan. Wir haben vielleicht 4 oder 6 Zionistenvereine; wir haben auch Intelligente und Studenten, aber sie bilden keinen Verein, weil wir nicht unterstützt werden, weder durch Agitation, noch durch Zeitungen, noch durch Geld. (Beifall.) Mr. de Haas meldet über England: Die Bewegung hat große Fortschritte gemacht. Die öffentliche Meinung in England ist für den Zionismus. Das beweist das Wohlwollen, das die englische Presse dem Zionismus entgegenbringt und die Sympathie vieler christlicher Zionisten, sowie das Versprechen einer großen Anzahl Mitglieder des englischen Unterhauses, gelegentlich im Parlamente für den Zionismus einzustehen. Die Zahl der Mitglieder beträgt 7“)00, die Zahl der Vereine 78 gegen 36 im Vorjahre. Die Thätigkeit der Federation erstreckte sich auch auf die Kolonien^ In Burma. Indien, Australien, hat sie mit Erfolg den zionistischen Gedanken propagirt. Marmorel (Paris) überbringt den Gruß der algerischen Zionisten. Wortsmann stellt.den Antrag auf Besoldung des Aktionskomitee'-. Dr. Jeremias (Posen): Ich will im Olegensatz zu Dr. Klee ein Gegenbild entwerfen. Er hat Jedem Weihrauch gestreut. Wir kommen aber nicht hierher, um Beifall zu spenden und.einzuheimsen. Es muß hier ein Jaum hadin sein, wo Jeder mit sich selbst und mit. Anderen zu Gerichte geht; mit Selbstzufriedenheit kommen wir nicht weiter. Ich und meine Gesinnungsgenossen sagen: Wir sind gründlich unzufrieden mit uns. Wenn wir sehen, was in Rußland an Geldmitteln aufgebracht wird und was für die Vertiefung des Zionismus gethan wird, so müssen wir zer knirscht in uns sein, wie gar nichts bei uns gearbeitet wird. In Deutschland thun kaum mehr als 6 Ortsgruppen etwas. Trotzdem die Verhältnisse in Deutschi and traurig liegen, bin ich nicht so pessimistisch, um Deutschland für alle Zeit aufzugeben. Aber wir sind o lange unzufrieden, bis der Zionismus in Deutschland dasselbe bedeutet, wie in Rußland. Von stetigen Fortschritten ist keine Rede. Der Redner wendet sich gegen den Antrag Wortsmann, der vom Präsidenten chon an den früheren Kongressen mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen worden ist. D r. Witkowski: Wenn Sie wüßten, mit welcher Arbeit wir jeden Schekel in Rußland anlämpfen müssen. Sie würden nicht so geringschätzig darauf Hinblicken. Jeder Zionist muß Kämpfe in seiner Familie mitmachen, eine jede Versammlung, auch die kleinste, ist mit der größten Gefährlichkeit verbunden. Wir haben sehr intelligente Gegner. Dr. Weitzmann: Der Bericht war so gehalten., daß man keine Kritik üben konnte. Man hat mir gesagt: Sprechen Sie darüber, was im Berichte nicht steht! Das war sehr gut. aber aus formellen Gründen lann ich cs nicht thun. Der Bericht ist entschieden sehr einseitig. Man erhält lein Gesammtbild der Bewegung, und das Aktionskomitee sollte alle Berichte der einzelnen Landsmannschaften verbinden. Hier haben wir leine Ziffern und Zahlen gehört, wir wissen nicht wie die Zahl der Scbelelzahler gewachsen ist. Der Bericht giebt bloß Lichtseiten, wir müssen auch Schattenseiten haben. Es klappt aber durchaus nicht Alles. Ter Bericht ist zu einseitig, darum ist keine Kritik möglich. S i r k i w aus Warschau hält eine glänzende hebräische Rede, durch die eine durch die Worte Dr. Klee hervorgerusene Eontroverse zwischen den Russen und Deutschen geschlossen wird. Der Kongreß folgte mit der größten Aufmerksamkeit der mit größtem Schwünge vorgetragenen Rede. Bodenheim er (Köln): Die Ausführungen des Abgeordneten Jeremias aus Posen zwingen mich, als Vorsitzender des Centralvereins Deutschlands. das Wort zu ergreifen. Die Vorwürfe des Dr. Jeremias lann ich nicht als begründet anerkennen, und ich muß sie auf das Entschiedenste zurückweisen. Für diese Angriffe lvar die Delegirten-Versammlung für Deutschland die richtige Stelle. Dr. Klee hat im Aufträge des Centralkomitee's einen kürzen Bericht über unsere Thätigleit abgegeben. Er beruht auf der genauen Kenntniß der Verhältnisse am Centralpunkt der Bewegung in Deutschland. Daher ist er viel zuverlässiger und wichtiger, als die Meinung des Herrn Jeremias. der seit drei Jahren in Posen gearbeitet hat. ohne daß es ihm gelungen ist. in Posen eine einzige zionistische Vereinigung in's Leben zu rufen. Wenn Sie Kritik an den Zionisten Deutschlands üben wollen, dann müssen Sie in erster Linie berücksichtigen, dass von d Deutschland aus die Protestbewegung der zionistischen Gegner ausgegangen ist, daß hier die