Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1902)
- Date
- 1902-01-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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38. der sich einer außerordentlichen Theilnahme erfreute. Das Lokalkomitee hatte für ein abwechslungsreiches Programm gesorgt und nach einer Begrüßung der Gäste durch Herrn I. Heine mann- Hamburg folgte ein .Geigensolo von Herrn Musitdirettor D. B e i t, dem sich alsdann eine von Herrn Direktor Dr. Löwende r g - Hamburg im Manuskript vorgetragene Studie ^Ein Ztavitel aus einem Lehrerleben" anschloß. Herr Kantor M H e n l e und Frl. L e v y erfreuten die Anwesenden durch Vortrag Mendelssohn'scher und Schubert'scher Lieder. Großen Beifall erregte auch ein von Herrn Lehrer Heinemann und Frau vorgetragencs Tyroler Duett, das von letzterer Dame verfaßt worden toar. Auch für Kömmerslieder war gesorgt worden, so daß man sich bereits in heiterster Stimmung befand, als die Fidelitar in ihre Rechte trat. II. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde zunächst das' Thema ^Iugendlitteratur" behandelt. Der Referent Flanter - Berlin weist zunächst darauf hin. das», wenn man jetzt in Fachkreisen und auch sonst in gebildeten Streifen sich mehr mit der so wichtigen Frage der Iugendlitteratur beschäftige, dies in erster Linie dem verdienstvollen Werke des Hamburger Lehrers Wolgast „Das Elend der Iugendlitteraturzu verdanken sei. Der Vortragende empfiehlt am Schluß seiner Ausführungen, von Seiten des Verbandes eine Sammelstelle für empfehlenswerthe Iugendschriften einzurichten, ferner sich für Herausgabe eines Iugends'.briflcn-Verzeichniffes auszusprechcn, sowie, wenn die Vcrbandsmittel es erlauben, ein Preisausschreiben für die besten, den Zwecken des Verbandes entsprechenden Iugendschriften zu erlösten. Der Korreferent Meyer-Lünen behandelt das Thema in einer in manchen Punkten von den Anschauungen des Vorredners abweichenden Weise, aber in einem eingehenden und erschöpfenden Referat, das ebenso wie das des ersten Referenten, von großer Vertrautheit mit den» weitverzweigten Gebiete der Iugendlitteratur zeugt. Der Korreferent ist der Ansicht, daß es sich im Wesentlichen bei den Iugendschriften um die Bildung von Schülerbibliotheken. und ztvar in erster Linie für die Kinder der Oberstufe im Alter von N bis 14 Jahren handelt, doch ist bei der Auswahl der Bücher auch Rücksicht auf die vorgeschrittenen Kinder jüngeren Alters zu nehmen. Die auszuwählenden Bücher müsten hauptsächlich unterhaltenden, weniger belehrenden Inhaltes sein. Schriften, die moralische Abhandlungen enthalten, sind vollständig auszuschließen, da die Abhandlungen doch nicht von den Kindern gelesen werden und sie durch Neberschlagen dieser Stellen nur zum flüchtigen Lesen auch anderer Bücher verleitet werden. Das. wenn irgend möglich, in poetischer Form gehaltene Werk soll auch litterarisch werthvoll sein. An diese mit großem Beifall aufgenommene Ausführungen knüpfte sich eine sehr eingehende, äußerst anregende Debatte. an der sich die Herren Feiner-Hamburg. Prof. Dr. Blaschkc-Berlin. Dr. Leimdörfer - Hamburg. Graf-Esten. Dr. Seligmann-Hamburg u. s. o. betheiligtrn. (5s wurde schließlich auf Antrag von Feiner-Hamburg beschlossen, die vom Verbandsvorstand, eingesetzte .Kommission für Iugendschriften auch fernerhin bestehen zu lasten und derselben die zu diesem Punkt einge gangene 'Resolution als Material zu überweisen. Ter nächste Punkt der Tagesordnung lautete: „Das Fürsorgeerziehungsgeseh.- Ter Referent. Prof. Dr. Blas ch'k e - Berlin faßt seine Ansichten in die folgenden Thesen zusammen: 1) Sobald ein Lehrer von beginnender, forrgeschrittner oder vottendeterVerrohung eines Minderjährigen Kenntnis; erhalten hat. versucht er zunächst durch Einwirkung auf diesen und seine Erzieher das Nebel zu heben. 2) Der Lehrer regt hierbei die thattäftige Mitwirkung einzelner Männer und Frauen, sowie der Organe sozialer Wohlthätigkeir an. 2) Haben diese Versuche reinen Erfolg, so veranlaßt er die zuständige Behörde, den Antrag auf Fürsorgeerziehung zu stellen. 4) Der Lehrer unterstützt die Behörden bei der Auffindung und Auswahl solcher Familien. die zur Aufnahme von Fürsorge-Zöglingen geeignet erscheinen, ö) Der Lehrer stellt sich den Behörden für das Amt eines Fürsorgers und. ivenn feine häuslichen Verhaltuiste es gestatten, auch zur Aufnahme eines Fiirsorge.zögungs. zur Verfügung. 6) Der Lehrer versucht, wo er Einfluß auf die Versorgung der aus der Fürsorgeerziehung Entlassenen hat. diese der Bodenkultur und dem Ackerbau zuzuführen. Sodann refcrirt Herr Dr. Spanier- Magdeburg über das Thema „Welche Anforderungen muffen an die jüdischen Lehrerbildungsanstalten und Lehrer gestellt und von beiden erfüllt lverden?" "Der Vortragende verlangt für die Lehrer eine wissenschaftliche Vorbildung auf allgemeinen Bildungsanstalten mit mehr wissenschaftlicher Grundlage und verwirft die Verbildung auf allgemeinen Präparandenanstalten. spricht sich für die weitere Fortbildung des Lehrers aus. vext mit den an verschiedenen Universitäten eingerichteten Ferienkursen ein glücklicher Anfang gemacht sei. denn jeder Stillstand bedeute einen Rückschritt nach dem bekannten Sprichwort: „Rast ich. so rost ich." Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen erklärt sich der Referentmit den Thesen Professors Rein-Jena, die dieser auf der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung zu Breslau ausgestellt hat. einverstanden und begrüßt die am 1. April 1902 in Kraft tretenden neuen Prüfungsordnungen des preußischen Kultusministeriums als einen bedeutenden Fortschritt auf dem von ihm verlangten Weg zur besseren Ausbildung des Lebrers. Es entspann sich über diesen Vortrag eine lange Debatte, in der sich sämmtliche Redner mit den Forderungen des Referenten einverstanden erklärten. Die nächsten Punkte der Tagesordnung: Statutenänderung (Referat Steinhardt-Magdeburg). Bericht über das Derbandsorgan u. Bericht über die Pensions-