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Der Israelit · 1902-01-06 · Heft 2 (6.1.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 2 (6.1.1902)
Date
1902-01-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrga»-. Erste Anlage zu J& % des „Israelit." Leitende Artikel. Indüiiüstlill i>n jSilislhtil Lthrmntiiit im -MtiMt. Hamburg. 1. Januar. Der zweite Verbandstag der jüdischen Lchrervercinc im deutschen Reiche wurde gestern Rachmittag im »Hotel zu den drei Ringen" unter überaus großer Betheiligung eröffnet. Unter den zahlreichen Gästen bemerkte man u. A. die Herren Prediger Dies. Leimdörfer, Seligmann-Hamburg. sowie Rabbiner Dr. Grnnwald-Hamburg. ferner ivaren der Gemeindevorstand sowie die Henry-Iones-Loge und der Israelitische Humanitäre Frauenvercin durch Delegierte vertreten. Rachdcm der zweite Verbandsvorsitzende B l u - menfeld - Ädlebsen an Stelle des verhinderten ersten 'Vorsitzenden die Versammlung eröffnet hatte, hieß im Namen, des Lokalkomitees Herr Rektor Fe ine r- Hamburg die zahlreich erschienenen Vertreter des jüdischen Lehrerstandes willkommen. Im Aufträge des Vorstandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde begrüßte Herr Jos. Schönfeld die Anwesenden: es felgten dann Begrüßungsansprachen der Herren Prediger Dr. Leimdörfer und Gustav Tuch. der die Anwesenden im Aufträge der Henrv-IonesLoge und des Israelitischen Humanitären Frauenvereins willkommen hieß. Nach Erledigung einiger geschäftlichen Anträge, aus denen hervorgcht, daß dem Verbände 38 Vereine mit 952 Mitgliedern angehören, die sämmtlich durch Delegierte vertreten sind, wurde sodann in die Tagesordnung eingetreten. Dem Bericht des Vorstandes über die Thätigkeit des Verbandsvorstandcs in den Jahren 3899 bis 3903 entnehmen wir das Folgende:. Dem Verbände sind auch in den letzten drei Jahren wiederum zwei neue Vereine, nämlich der »Landesvercin israelitischer Religionslchrer in Baden", mit 84 Mitgliedern und die »Freie Vereinigung israelitischer Religionslehrer und Kantoren der Pfalz", mit 35 Mitgliedern. beigetretcn. Tie Pensions-Wittwen- und 'Kaisenkaffe des Verbandes trat am 3. Oktober 3900 in's Leben, nachdem die erforderliche behördliche Genehmigung eingetroffen war. Der Grundfonds der Kaffe bat sich auf 176.000 Mk. erhöht und wird hoffentlich noch weiter steigen. Obgleich die Unterrichtslommiüion des preußischen Abgeordnetenhauses betreffs der Petition des Verbandes in Bezug auf die Berechtigung der jüdischen Lehrer für den einjährig-freiwilligen Militärdienst zu einem ablehnenden Votum gekommen ist. hat der Verbandsvorstand dennoch seine Petition wiederholt. da dieselbe durch den vorzeitigen Schluß des Hauses nicht im Plenum zur Berathung gelangte. In der Petition wird nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die bekannten Verfügungen des preußischen Unterricht-- Ministers und des Reichskanzlers betreffs der Berechtigung der Lehrer zum einjährig-freiwilligen Dienst nur die jüdischen Lehrer treffen, da den Zöglingen der übrigen Privatseminare, falls sie die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ertverben wollen, jederzeit die Möglichkeit geboten ist. als ordentliche Zöglinge in ein staatliches Lehrerseminar Lberzutreten, Waden Zöglingen der jüdischen Lehrerbildungsanstalten nach den bestehenden Bestimmungen leider versagt ist. Der Äcrbandsvorstand hofft, daß seine neuerlichen Bemühungen einen besseren Erfolg zeitigen. Die »Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hatte an den Verbandsvorstand da- Ersuchen gerichtet, der Iugendschriftenfrage seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Diesem Ersuchen wurde gern stattgegeben, zumal schon früher seitens anderer Vereine die Herausgabe eines Jugendschristcn-Verzeichnisses angeregt worden war und alle Vorstandsmitglieder von der Rothwendigkeit durchdrungen waren, daß das für die Erziehung unserer Jugend so bedeutsame Gebiet der Lektüre besonderer Pflege und Beachtung bedürfe. Es wurde darum die Bildung einer Kommission beschlossen, mit dem Kollegen Feiner-Hamburg als Vorsitzenden und den Ztollegen Flanter-Berlin. Mever-Lünen i. W.. Iakobsohn-Leipzig und Müller-Heidelberg als Mitgliedern. Die Kommission hat sich über.die Prinzipien geeinigt', nach denen die Auswahl der Bücher zu erfolgen hat. Sie. hat ferner verschiedene ihr zugegangene Jugendschriften einer gründlichen Prüfung unterzogen und wird demnächst ein Verzeichniß von emvfehlenswerthen Schriften herausgeben. ' Der nächste Punkt der Tagesordnung war: »Soll die snstematische Religionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden?" Diese Frage wurde vom Verband als Verbandsthema für das Jahr 1900 den einzelnen Vereinen gestellt und nach einem Bericht von Bernhard- Tarnowitz von 34 Vereinen behandelt. Von diesen haben zehn Vereine dem Verbandsvorstand das Referat mit Thesen eingcsandt, während vier nur die Thesen einschictten. Die Mehrzahl der Vereine.-nämlich neun, haben sich zustimmend zum Verbandsthema ausgesprochen. und von diesen zwei nur bedingt, zwei Vereine halten die Stellung der Frage für verfehlt und drei sprechen sich ablehnend über die Frage aus. Um 7 Uhr Abends werden die weiteren Verhandlungen bis Mittwoch Vormittag vertagt. _ Gestern Abend fand dann im »Hotel zu den drei Ringen" ein Commerslind Nnterhaltungsabend statt.

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