Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1902)
- Date
- 1902-01-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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33 S ch rr e i z. Pasel, Z. Jan. Wenn man in und über Base! schreibt in diesen, im Zeichen des Zionismus stehenden Tagen, so bleibt dieser dem Schreiber und Leser nickt erspart, auch wenn der Gegenstand de- Berichtes eine Sache ist. die mit ibm nichts zu thun haben tann: das Beth Ha-Midrasch. Ich freue mich immer, »nenn meine Meise mich über Sabbat nach Basel führt, weil ick dort einer Stunde geistigen Genusses durch den Besuch des Bell, Ha-Midrasch Ücker bin. Ihr geschätztes Blatt hat wiederholt über dasselbe und dir Thauroh-Borträge. die seinem Namen Ehre machen, berichtet. Seit einiger Zeit dotu mentirt diese grundlegende Institution einer jeden jüdischen Gemeinde die Früchte ihrer bisherigen Wirksamkeit durch den Fortschritt, der in der Möglichfeit, einen richtigen Gemoroh-Sckiur vor einem grösseren, ihm Interesse und Verständnis: entgegenbringenden. Kreis zu halten, liegt. Nach Minchah begab ick mich auch verflossenen *r- 'c rzc* in der freudigen Erwartung. dem kickten Bortrag dehies. Herrn Rabbiners, der Masecheth Bezah lauschen zu können. in'S Beth ha Midrasch, aber ich fand keine Thauroh und kein Beth Ha-Midrasch. Ein ganz verändertes Bild bot sich meinen Blicken. Eine ungewohnt grosse Zuhörerzahl füllte den Raum. Wären unter diesen nichr auch Damen gewesen, so hätte ich i;n ersten Moment an die Möglichkeit gedacht, ein neuer, alter Geist wäre plötzlich in die Basler gefahren und hätte in Scharen diese zum ■rrr >re: gebracht. Das wäre ein schöner, aber nur kurzer Traum gewesen, denn die Wirklichkeit stellte sich bald als sehr schlechter Tausch des Gcmorob Sckiur mit einem Bortrag des Dr. Lippe aus Ia«n über Zionismus. die fremden Gesichter als fremde zionistische Gäste heraus. Zionismus und Beth Ha-Midrasch' Dr. Lippe in: Beth b.a Midrasch'. Schwer deutbar, aber dage wesen in Basel. Der genannte Herr ist u. A. bekannt durch seine Rlterspräsidcntschast am ersten Zionisten tongress und seine in dieser Eigenschaft gehaltene Rede — in der er in sehr drastischer Weise vom vergebenen Warten auf den „Eselrcirer" und den: sicheren Bringen des Heils durch den Zionismus sprach. Da- Hang damals. am ersten .Kongress. als erste Aeuss.erung bezcick ncnd. passte. u>ie die ganze Rede, zu ihm als gute Neberschrist und bat auch für di: nachfolgenden als solche nock Geltung. Dr. Lippe war vielleicht den übrigen Avitor sim. von denen in verschiedensten Schattirnngcn und in den meisten Tbei!nehmern. jeder Zionisten Kongress eine Musterkarte ausweist. zu ehrlich und offen, er kam wenig mehr zu Wort, und am fünften .Kongress, musste man — in'- Beth ha Midrasch gehen, um seine Rede, die er auch am Sabbat, und zwar als einen ziemlich schweren Papier Ballast, mir sich hcrumträgt. zu hören. Das Tragen im R'sckns Ho-Rabbim kann man ibm nicht verbieten: dass er aber im Basler Beth ha Midrasch für seinen Bonrag den R'schu» ha jockid gefun derz» ist doch zu verwundern. lieber den Boriraa selbst verlohnt sich lein Wort. Wem. Jemand für andere. um. sie für sich zu gewinnen, unsere heilige Tbauroh zitirt. die er selbst in Wort und Thal läugnet, so muss immer etwas Verdrehtes und Entstelltes herauskommen. wenn es auch mit mehr Sinn und Verstand geschcben könnte, als der Vortragende es sich gekeiflet. Dass aber ein solcher Vortrag von einem solchen Redner in erncm Beth Ha-Midrasch gehalten werden konnte, ohne dass ihm offiziell widersprochen wurde -—von pri »ater Seite geschah es durch treffende, energische Zwischenrufe — ist eine neue Seite der ^Wirksamkeit" des Zionismus, die. den übrigen Bildern vom fünften Baseler Zionisten .Kongress, die Ihr geschätztes Blatt m gewissenhafter Berichterstattung Ihren Lesern zeigt, angereiht zu werden verdient. - R. R u tz t a n d. ... .Petersburg. Jakob L. T e i 1 e k. der einzige indische Untersuchungsrichter in Russland, feierte am 3. Dezember sein 25jähriges Amtsjubitäum. Derselbe studirte auf der Moskauer Universität und gewann daselbst die Zuneigung einiger einflussreicher Professoren, auf deren Empfehlung er zum Untersuchungsrichter in Ssamara ernannt wurde. Die unter der Regierung deliberalen Kaisers Alexander II. erfolgte Ernennung konnte unter der antisemitischen Regierung seines Nachfolgers zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, es wurde jedoch dafür gesorgt, dass der jüdische Richter bei allen Beförderungen übergangen und über die bescheidene Stellung einesimplen Landrichterim fernen Ssamara an der Wolga nicht hinaustam. Aber selbst auf diesem einsamen und verlorenen Posten wusste Jakob Teile! sich seinen verfolgten Stammcsgenossen im hohen Grade nützlich zu machen. Er war torrespondirendes Mitglied einiger grosser jüdischer Vereine, suchte jüdische Handwerker aus dem Ansiedelungsrayon .rach Ssamara und den andern grösseren Plätzen am unteren Laufe der Wolga zu verpflanzen und gründete ar:s diesen Handrvertern und den ausgedienten jüdischen Soldaten und deren Nachkommen in Ssamara eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Namentlich um diese jüdischen Soldaten machte sich Teile! sehr verdient. Teip.en Bemühungen baben sie es nämlich zu verdanken, das: die Regierung ihnen am Fusse des Urals grosse Ländereien zuwies, auf denen sie einige jüdische Äckerbautolonien gründeten, Für diese .Kolonien ist Nntersuckung-richter Teile! nun unausgesetzt Ihäiig. indem er für sie Samncknngen veranstaltet und aucki die .K. A." zu intereniren gewusst Hai. Wäre Teile! lein treuer Jude geblieben, cwürden ihm Drben und Ehren in reidjfr Fülle;u Th-il werden, dem treuen, für sein unterdrücktes Volt warm fühlenden Juden blühen in Russland leine Drden und für ihn existiren keine Belohnungen. Der bescheidene Jubilar begnügt sich aber mit dem Bewusstsein. 2T, Jahre lang für seine. Glaubensgenossen da- Beste gewollt und Diele» erreicht zu haben. . Petersburg, < Die .Kinder Israels" vor Gericht.» Wir haben seinerzeit über die Auf-