Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1902)
- Date
- 1902-01-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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mit der öffentlichen Verlundiyung dieser seiner Ansicht sehr lange zurückgehalten. Und deßhalb war seine .Entdeckung" auch dem größten T heile der Kölner Gemeindemilglieder völlig neu. Man bedauert allgemein, daß er sie nicht ein Jahr früher, gelegentlich seines so glänzend gefeierten vorjährigen Astsjubiläums. gemacht hat. Das wäre dann eine sehr nette Iubiläumssckeerung an die Gemeinde gewesen, die Quittung für die ihm dargebrachten Huldigungen! So kommt seine neue Entdeckung leider etwas post fVstnni — Nun, nach dieser überraschenden Entdeckung ihres Seeleuhirten zerbrechen sich gar viele Laien iu der Kölner Gemeinde den Kopf darüber, was denn eigentlich im Talmud nndSchulchau Aruch und den hal achi schen Schristen überhaupt stehen m a g, wenn nicht einmal das Verbot darin Platz fand, irgend eine spezifisch kirchliche Einrichtung einer anderen Konfession in die jüdische Synagoge und den jüdischen Gottesdienst zu verpflanzen? Merkwürdig, daß unsere Weisen. die an Alles, auch an die kleinste Möglichkeit der bewußten oder unbewußten Uebertretung irgend einer religionsgesetzlichen Vorschrift vorahnend dachten, gerade so eine überaus wichtige Sache, eine solche, jüdisches Wesen und jüdische Eigenart auf's Tiefste berührende Möglichkeit nicht in den Kreis ihrer Erwägungen, ihres Gedaukenganges zogen! Co hätten sie ja eine große Lücke offen gelüsten, die zu benutzen Herr Tr. Frank und seine liberalen Freunde nicht lange gezögert haben. In jener denkwürdigen Repräsentanten-Sitzung vom 28. November 1901 haben die Herren Rabbiner Tr. Rosenthal und Dr. Frank ihre Gutachten in der Orgel-Angelegenheit verlesen. Die Gutachten waren, nur bekannt, einander entgegengesetzt. Durch das Verlesen eines Gutachtens klingt solches besonders feierlich; man verliest ja auch das gesprochene Urtheil. Herrn Rabbiner Dr. Frank's Gutachten, oder vielmehr sein entschiedenes Eintreten für den Orgel-Gottesdienst erinnerte auch an ein Urtheil. nur hatte es sich der es Verlesende selbst gesprochen.— Herr D. Aolsssohu hatte das Richtige getroffen, als er erklärte, ein Rabbiner, der sich s ü r die Einführung des Orgel-Gottesdienstes ausspricht, hat ausgehört. orthodox zu sein. Er hat aber auch aufgehört. wenigstens nach unserer Ansicht, konservativ zu sein und so ist Herr Rabbiner Dr. Frank jetzt aus Grund seiner feierlichen Erklärung für die Orgel eigentlich nur noch der Rabbiner und Sachverständige der liberalen Reform Partei. Allerdings verfügt das liberale Element im Vorstande, nach dessen neuerlichen Zusammensetzung, über eine Mehrheit von nur einer Stimme. Aber diese eine Stimme ist schwankend und gehört einem Träger an. der in der letzten Wahl vor etwas mehr als Jahresfrist seine Stimme auf die konservativen und liberalen «Kandidaten vertheilte. es also eigentlich mit keiner Vartei verderben wollte. Das mag schlau sein, ist aber leine auf die Dauer durchführbare Politik und dürfte deßhalb auch der Herr Rabbiner Dr. Frank an dieser schwankenden Stimme leine feste Stutze haben. — Und der langjährige Vorsitzende des Vorstandes hat auch di; Segel nach der liberalen Windrichtung gestellt und bat dadurch auf die von ihm so oft'betonte Rolle des Friedenserhalter in der Gemeinde verzichtet. Uebrigens glaubt dieser Herr zu regieren, und wird regiert.— Innerhalb der Gemeindeverwaltung arbeitet man schon sehr lange an einer einheitlichen Regelung der S ch e ch i t a h - A n g e l e g e n h e i t. Endlich schien die Sache spruchreif und wurde au? dir Tagesordnung der am 30. Dezember stattgehabten Repräsentanten- Sitzung gesetzt. Aber die zahlreich erschienenen Zuhörer hatten die Rechnung — ohne die Liberalen gemacht, die ihren .Liberalismus" zutveilen. wenn er ihnen unbequem wird, ein wenig zur Seite stellen. So setzten ste es denn auch durch, daß die Oe ffeni licht eit bei der Besprechung dieser wichtigen, die ganze Gemeinde intereinrend;n Angelegenheit ausgeschlossen wurde. Das war sicherlich nicht .liberal" gehandelt, aber — es handelte sich um Personenfragen und. wie ein Redner verrieth. der als Konservativer leider auch, im G e g e n s a tz e zu seinen Gesinnungsgenossen. s ü r geheime Verhandlung sich erklärte, waren unter der ..Personenfrage" vor Allem unsere Herren Rabbiner zu verstehen. Bei einer Verhandlung über die Schechitah spielen allerdings die Herren Rabbiner und ganz besonders nach ihrer Stellungnahme zu umwälzenden Reformen in unserem ehrwürdigen, geheiligten Gottesdienste eine Rolle. Nun mag diese Nolle dem einen oder anderen Herrn Rabbiner nicht besonders günstig liegen, sie mag wenig zu ihm passen und da könnte eine öffentliche Verhandlung leicht peinlich, ja sogar hochnothpeinlich wirken. Da ist es dock besser, man schließt die Thüren und sperrt die böse Presse aus. Die Presse erfahrt nun zuweilen auch etwas, was hinter verschlossenen Thüren verhandelt wurde, neugierig, wie sic nun einmal ist. und für manchen Würdenträger auch unbeauem! Auch der liberale Vorsitzende unseres Repräsentantcn-Kellegrums. Herr Fritz R o t h s ch i l d. ist kein Freund der ösfent lichen Verhandlungen. Er sprach es eingangs der erwähnten Sitzung offen aus. daß wir .leider" fo. Liberalismus!» die Oeffentlichleit der Sitzungen haben und die Presse gleich bei der Hand sei. Alles schonungslos auszuplaudern. Das thut die Presse auch, sie berichtet getreu, was die Herren Vorsitzenden. Vorsteher und Repräsentanten rathen. thun und reden. Und gerade das Reden ist manches Rathsherrn schwache Seite! Der Herr Vorsitzende aber müßte als Leiter der Verhandlungen den Partcimann mehr bei Seite lassen und mit Ruhe und Objektivität auch die Redner - der Gegenpartei auch anhören, auch dann, wenn matt » als eifriger Verfechter seiner Partei unangenehme t Dinge zu hören betvmmt. »vie von dem Eoncert-Pro- '' gramm der Bielefelder Gemeinde für Jom