Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1902)
- Date
- 1902-01-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449798--55067-2517677- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4$, Hahrgaitg. j|j jj# Der Israelit. Cm Gentrak-Hrgan für das orlhodoXe Iudentyum. Begründet vo« Dr. ft$ttmnn In fitulttf. Montag, den«. Januar 5662 (1902)« L-tt-nder Artte-l. Kölner «Lhronik. tDaS Gutachten eines Rabbiners und daS Bielefelder Jom Kippur-Machsor.) (Flachdruck verboten.^ Köln. Ende Dezember 1901. Unsere alte Rheinstadt. die römische Eolonia Agrippina, in deren Mauern im frühen Mittelalter so mancher große Lehrer in Israel lehrte und wirtte. ist sehr modern geworden. huldigt jetzt ungemein der Tagesmode und tann sich nicht schnell genug die neuesten Erscheinungen des Tages zu Nutze machen. Dieser Hang zum Neuen liegt bier geradezu in der Lust. Kein "Künder, daß er sich auch gewissen „modernen" Kreisen unserer großen Gemeinde mitgetheilt hat. Diese Gemeinde war bisher geeint. Zwar gab es bekanntlich auch hier schon, seit mehr als 25 Jahren. eine orthodoxe Gemeinde mit ihrer eigenen Synagoge un.d eigenen Schechita. ihren: treubewäbrten. gelehrten Rabbiner. Herrn Dr. Plato, aber man gehörte doch zur großen Kölner Synagogen-Gemeinde und manche orthodoxe Mitglieder besuchen auch den Gottesdienst zuweilen in den beiden Haupisynagbgcn. Dieser Einigten und diesem Frieden in der (Gemeinde droht eine ernste Störung. Die sog. „Liberalen" beanspruchen unsere prachtvolle, neuerbaute Hauptsynagcge. — zu deren Kosten und Ausstattung alle Gemeindemitglieder, o h n e Unterschied der Parreistellung. beitrugen und weiterhin auftommen müssen. — als ihr ^ausschließliches Eigenthum." um nach Belieben darin schalten und walten zu tonnen. Natürlich soll zuerst die geliebte.Orgel, die so lang ersehnte christlich-kirchliche Einrichtung, ihren Einzug in die neue Synagoge halten, damit es in derselben nicht mehr so jüdisch aussieht und zugeht. Dieser altjüdische Charakter des Gotteshauses war manchem „Liberalen" schon lange ein Dorn im Auge. Endlich will man mit diesen „Ghetto-Einrichtungen" und ..Ghetto-Ansichten."' wie ein liberal. Vorstandsmitglied so schön sagte, gründlich aufraumen, um die neue Synagogr zu vcrchristlichen. Aber die Liberalen sind doch' liberal genug, den Konservativen und Orthodoxen die alte Synagoge in der Glockengasse in ihrem Urzustände zu lassen. „Uns die große, neue, mit Eurem Gelbe miterbaute, durch E u r e Steuerbeiträge miterhaltene Synagoge. Euch die alte, vom verstorbenen Freiherrn A. von Oppenheim s. A. geschenkte Synagoge!"' Ist das nicht „1 i 61 r a T gedacht, nicht wirklich großnlllthig gehandelt, wenn man für die Zollen Juden"' noch so viel übrig hat? Und haben die Liberalen nicht. Recht? Können sie sich nicht auf eine rabbinische Autoritär stützen, die ganz plötzlich ihr liberales Herz entdeckt hat? Aber Herr Rabbiner Dr. Frank hat noch mehr entdeck». Er hat auch durch neuerdings betriebenes eifriges Studium des Talmuds und der halachischen Schriften „e n i b t d t". daß alle diese Schriften a b s o l u t n i ch 1 s enthalten, was religionsgesetzlich die Einführung einer . Orgel in ein jüdisches Gotteshaus verbieten tonnte. Das war eine großartige Entdeckung, die zu machen dem Herrn Rabbiner Dr. Frank Vorbehalten bleiben sollte und die seinen Namen zweifellos den großen Entdeckern der Vergangenheit und Gegenwart anreihen wird. Ich glaube sogar, die Kunst, in diesem Falle nichts entdeckt zu haben, ist tveit größer und erfordert weit mehr Scharfsinn, als die Kunst, etwas Neues zu entdecken. Aber auch Herrn Dr. Franks Entdeckung besitzt zweifellos den Reiz der Neuheit. Abgesehen davon. daß viele früheren und jetzigen Rabbincn im Talmud und Schulchan Aruch doch etwas Anderes entdeckt haben, als seine unbedingte Schlußfolgerung. es stehe der Einführung der Orgel dieser christlich-kirchlichen Einrichtung in das jüdische Gotteshaus kein religionsgesetzliches Bedenken irgend welcher Art im Wege, so war Herr Dr. Frank auch durchaus nicht immer dieser Ansicht. Wenigstens hatte er sonst