Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1902)
- Date
- 1902-01-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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19 dein SUanlttijimiHfi und wartete dort an der Dhüre, k?is ihr Beiter Heraustommen tverde. JHfc, da bist Du schon! Eben wollte ich zu Dir. um Dich zu bitten, zu Papa zu kommen. Er erwartet Dich voll Ilngedukd.- Er legre bei diesen Worten ihre Hand auf seinen Arm und geleitete sie in da- Krankenzimmer; Isabella hätte sich gerne von ihm losgemacht und wäre zu dem Bette geeilt, aber er hielt ihre Hand so fest, daß sie sich mit Gewalt hatte losreisten muffen, dawollte sie in Gegenwart des Kranken nicht. „Willkommen, mein Herzenskind!- ries es ihr mit schwacher, vollständig veränderter Stimme entgegen. Und als sie näher zu seinem Bett kamen, fugte er glücklich lächelnd hinzu: „Gott segne Euch, meineKinder!- Isabella liest sich auf einen Sessel, dicht neben dem Krankenlager nieder, küßte die Hand deS Kranken und streichelte seine abgezehrten faltigen Wangen. „Mein lieber, guter, alter Önkcl. dahätte ich nie von Dir gedacht, daß Du so einen dummen Streich machen könntest.- „Wer weist." entgcgneie er lächelnd, doch nicht ohne Anstrengung, „vielleicht war es gar nicht so'n dummer Streich, wie es den Anschein hat.- „Abcr Onkel! — Und so rücksichtslos von Dir. nicht einmal d'ran zu denken, wie ich erschrecken mustte!" „Daran habe ich wirklich nicht gedacht. — Verzeihe Kind'- „Vcrzeihen kann ich da» nur. tvenn Du es wieder gut machst und recht bald gesund wirst. Dazu ist aber vor allem nothwcndig. dass Du ruhig liegst und nichts sprichst. daS hat vermuthlich der Arzt so besohlen. — Wenigstens verstehe ich so Alfreds Pantomime.- „Du hast sie richtig gedeutet. Der Arzt hat in der Thai vollständige Luhe befohlen und Deine Gegemvar! im Krankenzimmer nur gestattet, wenn Papa sich v'ährend derselben vollständig ruhig verhält. - „Ach. was kümmert mich der Ärzt!" „Nuhig. ruhig, lieber Onkel!- Sie legte ihre schmale, meiste Hand auf den Mund des Patienten, der sich dieses lächelnd gefallen ließ. „Der Arzt wird ver-. mnthlich bald kommen, dann tverde ick mir genau von ihm sagen lassen, wie viele Worte Du sprechen darfst, und wenn Du auch nur einemehr sprichst, gehe ich sofort hinaus.- Der Arzt kam in der Thai sehr bald und fand das Befinden des Krank,», der durch den Besuch seiner Lichte freudig, erregt lvar. bedeutend besser, als am Abend vorher. Als er sich sedoch entfernte, bedeutete er dem jungen Mädchen durch, einen Wink der Augen, daß ne ihn hinaus begleiten möge. Sie entsprach der Aufforderung. ' „Wie finden Sie meinen Onkel. Herr Dotlor?- fragte sie. als die Dhüre des Krankenzimmers sich hinter ibnen geschlossen hatte. Der Arzt wiegte bedächtig das graue Haupt. „Ihre Anlvesenheit. mein gnädiges Iräulein. scheint dem Patienten sehr wohl zu thun. Ich hoffe, vast momentan keine Gefahr vorhanden ist. must Sie jedoch aufmerksam machen. daß Sie sich mit ihm in keine Unterhaltung einlassen. daß Sie ihm namentlich um keinen Preis widersprechen dürfen, selbst wenn er das Widersinnigste sagen oder verlangen sollte, denn sein Bewußtsein ist getrübt, der Kopf ist ihm nicht immer tlar. Darum muß seine Umgebung vor allem bestrebt sein, beruhigend auf ihn zu wirken. Sie müssen zu allem ja sagen, ja und immer stur ja. Und wenn er verlangen sollte. Sie sollten den Mond vom Himmel herunter holen, so müssen Sie eS auch versprechen. Widerspruch ist gefährlich, konnte unter Umständen sogar die Katastrophe herbeiführen. Ich babe die Ehre, gnädiges Fräulein!" Der Arzt hatte sich entfernt; wie traumverloren starrte das junge Mädchen ihm nach; ihr war. als wäre in ihrem Innern eine Saite gerissen, als wäre das Blut in ihren Adern zu Eis erstarrt, denn mit nahezu apodiktischer Gewißheit sah sie voraus, was ihr -Onkel von ihr verlangen würde -r unb sie durfte nicht widersprechen.— — v- Eben öffnete ihr Vetter die Thure des Krankenzimmers. „Isabella. dürfte ich Dich bitten. Der Papa verlangt nach Dir.- „Gleich. gleich, ich komme sofort. Nur rin Wort. Alfred, möchte ich zuvor mit Dir sprechen.- Er zog die Dhüre hinter sich in's Schloß und trat nahe an sie heran. „Du wünschest?- Einen Moment zögerte sie, dann aber sprach sie rasch: „Der Doktor hat soeben gesagt, daß man Deinem Vater um leinen Preis widersprechen dürfe.-V Er athmete schwer auf. „Das hat er mir auch gesagt.- „Dast man zu allem, was er sagen oder verlangen würde, ja sagen müsse.- / Er athmete abermals tief auf. „So ist's.- „Ich werde ihm nicht widersprechen, selbstverständlich nicht. Ich werde zu allem ja sagen, was er auch von mir verlangen sollte.- „Selbstverständlich.- „Abcr. Alfred, ich sage cs Dir im vorhinein. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, daß — daß Dein Datcr etwas von mir verlangen wird, was Dich betrifft. Ich werde auch dann ja sagen. Aber ich sage Dir gleich jetzt. Du darfst dieses „Janicht als znstimmcnd betracbten.- Sie hielt inne. als ob sie eine Erwiederung seinerseits erwarte. Doch als er schweigend verharrte. - fuhr sic fort: „Du hast mich verstanden. Alfred?- „Nein.-versetzte er. „ich liabe Dich nicht verstanden, ich v'kiß nicht, von was Du sprichst.- Allem der jähe Iarbenwechsel auf seinem abgelebten Angesicht strafte seine Worte Lügen. „Du hast mich verstanden. Ich iveiß es, daß Du mich verstanden hast.- Er log abermals mit einem Kopffchütteln. „Lass' urs hineingehen. Papa hat nach Dir verlangi.- Scuszend entsprach sie seiner Ausford« rnng. sie