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Der Israelit · 1902-01-02 · Heft 1 (2.1.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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;o JH existiren wohl noch hie und da Statten in! Deutschland, wo gelehrt und gelernt wird, aber doch zumeist nicht in der Weise und in dem Maste, daß wir. wenn nicht bald eine Wendung zum Besseren eintritt. angesichts der stürmischen Kampfe, die das gesehestreue Iudcnthum im Herzen seiner Bekenner mit fremden, unjüdischen Prinzipien und Lebensanschauungen zu bestehen hat und in vielen Fallen nicht siegreich vollendet, der zuversichtlichen Hoffnung uns hingeben könnten, die Thauroh habe in Deutschland eine schone, glänzende Zukunft, es rverde für sie eine Zeit herernbrechen; wo sie über die jüdischen Geister und Gemnther die siegende, unwiderstehliche Macht wiedererlangen roerde. die sie einstmals zu: Zeit der Ghettis. Scheiterhaufen und Inquisitionen besäst. Was hat den Bestand des jüdischen Volkes in jener finsterenZeit des Golus gesichert? Da» Studium des jüdischen Gesetzes. Was hat es innerlich stark und widerstandsfähig gemacht, allen Versuchungen des Lebens gegenüber? Was hat die Reinheit seiner Jünglinge fleckenlos erhalten, wenn auch ringsum der höchste Grad der Verderbnist die Jugend dem geistig sittlichen Tode entgegenführte? Was hat die begabienen Kopse, fern von jedem belebenden Lichtstrahl einer fremden Wiffenschaft. vor geistiger Versumpfung bewahrt? Was hat dem Schacherjuden die Spannkraft der Muskeln erhöht, mir frischem Muth ihn beseelt, wenn er hausirend durch die Dörfer zog und die Mühseligkeiten des Wanderers, die Ungunst der Witterung, das feindselige Gekläff der Hunde und Bauern seinen Körper zerrütteten und sein Gemüth verdüsterten?*) „In der That. das Iudenthum. wie es in der welthistorischen Erscheinung des jüdischen Volkes verkörpert ist, und wie es in geistigen und sittlichen Fähigkeiten und Tugenden zu Tage tritt, die ihm selbst seine Feinde nicht abzustreiten wagen, ist durch und durch ein Produ 1 t der t a 1 m u d i sche n Lehre und der von ihr geleiteten und gepflegten Erziehung n v d B i l d n n g. Das bewusttvolle Wandeln durch allen Wechsel der Zeiten und der Geschicke, das geduldige und vertrauensmuthige Ausharren in den herbsten, prllfungsvollsten Leiden, die opferfreudige Kraft der Neberzeuaunastrene. die sich wohl niedcrwerfen. aber nicht brechen, beugen, aber nicht knicken, hinschlachten, aber nicht zum Abfall verleiten läßt; das Pflichtgefühl, der Gehorsam und Treue für Fürst und Obrigkeit, Wohlwollen und Wohlthun für Milbevölkerungen bereit halt und bethätigt. ohne Rücksicht auf das größere oder geringere Maß von Wohlwollen.Gercchtigkeit und Menschlichkeit oder deren Gegentheil, dessen cs sich selber in Mitte der Bevölkerungenzu erfreuen hat. also daß das jüdische Volk von je Mißhandlungen und Ausschreitungen erduldet, ohne sich selber zu rächenden Ausschreitungen hinrcißen zu lassen, und bei allen Staaten erschütternden Ereignissen immer mit Festigkeit und Treue auf Seite der Obrigkeit gestanden; das geistige Jnreresse und die geistige Begabung, die von je die Glieder des jüdischen Volkes kennzeichneten. und ohne Antheil an staatlicher Fürsorge. ja. unter nichtachtender staatlicher Verkümmerung. im eigenen Kreise und aus eigener Mitte eine solche hingebendr Pflege und Nahrung, gefunden, daß. als ihm aus der aufgezwungenen Zurückgezogenheit unter der Gunst der Neuzeit in das Licht der Oessintlichteit hinzutreten, vergönnt war, es unerwartet in vollendeter geistiger Ebenbürtigkeit den anderen Staatsgenossen zur Seite stand; die persönlichen Tugenden der Mäßigten, des Fleißes, der Wohlthaiigkeit, der Sparsamkeit und gleichzeitig der Freigebigkeit, wo es Zwecken der Humanität, der öffentlichen Wohlfahrt und Bildung gilt; die Tugenden der Sittlichkeit, die denn noch heute in der Liste der groben Verbrechen gegen Leben. Keuschheit und Eigenihum, jüdische Namen zu den Seltenheiten zählen laßt: die Tugenden des Familienlebens. da» glückliche Verhäliniß der Ehe. der Eltern zu den.Kindern, der Kinder zu den Eltern und der Geschwister unter einander; da» Gemeindeleben, daimmer auf bereitwillige Opferfreudioteit seiner Glieder wie auf uneigennützige Hingebung-treue seiner Verwalter rechnen tonnte: alle diese Durchschnitts- Eigenthümlichteiten des jüdischen Charakter». die demselben gewiß nicht zu Unehre gereichen, und die so sehr zu Tage treten, daß selbst Feinde der jüdischen Nation nicht umhin können, sic ihr zuzugessehen. hat lediglich der Talmud geschaffen."-- Und mochten dir Manschen draußen in der großen Wett ihre wüstesten Orgien feiern. Revolutionen.Staaten umwälzen. Throne zertrümmern und Könige stürzen — der geknechtete Jude des Ghetto'» flüchtete sich vor dem wilden Lärm, wenn er sei» Ohr berührte, zu seinen Büchern in's Bcth - ha - Midrasch — und mochte die Well darob zu Grunde gehen. Und heute, wo wir den Lärm der Welt in unmittelbarer Nahe vernehmen können, ja oft selbst in den vordersten Reißen der Tumultantcn stehen, gerade dort, wo es am tollsten zugeht. wir sollten jenes erprobten Mittels nicht mehr bedürfen. um inmitten der wildesten Stürme unseren jüdischen Gleichmuth zu bewahren? Oder sollte es wirklich seine alte Wunderkraft so ganz urplötzlich verloren haben, das alte, vielbewahrte Mittel? Nein, die Wunderkraft ist geblieben, nnr wir. wir allein haben uns verändert im Laufe der Zeiten. (Fortsetzung folgt.) Ein jükUfches Erköitinstikut. Straßburg i. E.. 26. Dezember. Herr Henri Cahn-Dreyfus. Baumwollwaaren-Manufaltur. schreibt uns: Die Errichtung eines solchen Instituts wäre der *) „Vitia die Beziehung des Talmuds! zum Iudenthum und zur sozialen Srellung seiner Bekenner" von Rabbiner Samson Raphael Hirsch V'N. .

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