Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1902)
- Date
- 1902-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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macht ca. 2000 Angehörige der hiesigen Israelitischen Gemeinde repräsentiren. Unter Vorbehalt des (Entgegenkommens der Negierung hat die israelitische Ge* meinde bereits ein paffendes Areal als Begräbnißstätte für ihre Todten angekauft. Fr a n ( r ei ch. Paris, 20. Dez. In meiner Kindheit kannte ick einen Mann, der als Mensch und als Jude gleich groß ist. Dieser Mann, der eine unifanende moderne Bildung besitzt, dieser Mann, der mehrere Litteraturen des Abend- und Morgenlandes wundervoll beherrscht, diesem Manne ist auch keine einzige Talmuvstelle verborgen geblieben, dieser Mann ist rin treuer Jude in des Wortes vollster und bester Bedeutung. Dieser 'Mann kann mit vollem Rechte das schöne Wort wiederholen: Homo suin, htiniani nihil :i me aliemnn jiuto. Bald sehe ich diesen alten guten. Mann im Kreise von berühmten jüdischen Gelehrten über intereffante reli giöse und religions philosophische Fragen sprechen. Bald sehe ich ihn im Kreise von jüdischen Soldaten, die allsabbatlich an seinem Tische speisen und mit denen er sich mit wahrhaft väterlicher Güte über ihre materielle Lage, und die großen moralischen Opfer unterhalt, die sie bringen müssen, um dem Glauben ihrer Bäter treu zu bleiben. Bald sehe ich ihn im Kreise seiner Kinder, die er in seinem Geiste, im Geiste des Iudenthnms. zu allem Guten und Schönen zu erziehen sucht. Ich denke an all' die großen, materiellen und moralischen Opfer, die dieser gute Mann und dieser treue Jude täglich zu bringen pflegte, um seinen Idealen treu zu bleiben und sie zum endlichen Siege zu führen. Ich denke daran, wie er eines Tages dank seiner Güte und seiner Vertrauensseligkeit sein nicht unbedeutendes Vermögen ganz verloren hat. wie er dann aber den Muth nicht Hai sinken lassen, und ohne Murren sein arbeitsreiches Leben, das voll Wahrheit und Gerechtigteil ist. fortgesetzt. Ich denke sehr gut daran, wie dieser Mann trotz de: plötzlich eingetretenen sehr ungünstigen Bermogensverhältniffe es fortgesetzt hat. das Gute zu wollen und das Gute zu schassen, wie er trotz der harten Schicksal-schlage, die ihn getroffen, nicht e'.nen Augenblick in seinem Glauben -geschwächt, sein selsensestes Gottvertrauen wurde vielmehr von Tag zu Tag immer stärter und mächtiger. Dieser gute alte Mann, der noch immer hofft und strebt, verkörpert in sich in großartiger Weise den Charakter seines großen Volkes, das trotz aller Leiden und Verfolgungen die Hoffnung auf neue, bessere Zeilen nicht aufgibt. Und diesen Mann habe ich schon über sieden Jahre nickt gesehen. Wenn ich daran deute, so will verbluten meine Seele! Und wissen Sie warum? Dieser treue Sohn seines großen Volles, dieser gute. edle, hochgebildete Mensch, dieser treue Jude, dieser Mann ist — mein Battr! Pi. Holland. Antwerpen, im Dez. Das jüdische Leben beginnt auch hier rege zu iverden. Vor einigen Tagen ist hier eine Schaß-Chevrah. die erste in Belgien, gegründet worden. Bei der Gründungsfeier nahm Herr S t r a - s che n — ein Talmid Chochom im wahren Sinne des Wortes — das Wort und hob in geistreicher Rede die Bedeutung dieses Vereins für das Iudrnthmn im Allgemeinen und für die Juden in Belgien in's Besondere hervor. Der Verein. dessen Entstehung wir dem eifrigen Ta'-^udoereherer Herrn Israel Blumenthal verdanken, zählt gegenwärtig f»0 Mitglieder, die sich jeden Abend im Meier Samuel'fchen rrrrr zsz versammeln und fleißig «lernen.- — Dieser Tage fand die V. Generalversammlung der hiesigen Talmud-Thora statt. Dieses Institut könnte viel Gutes für die arme Jugend wirken, wenn es gut verwaltet würde und geeignete Lehrkräfte hätte. Gegenwärtig ist es aber nichts mehr als eine «Iorgonsckulr." welcher Titel besser dafür paffen würde, als «Talmud-Thora.- Feuilleton. Johann Fnedrich Sdiufec. Eine Erzählung aus der Gegemvarl. 4] ^Nachdruck verboten. Die große Schwäche, die Schulze als Folge des schre.tlichen Erlebnisses simulirte. kam ihm bei Durchführung seiner Rotte sehr zu pattem ' Als der alte Meyer seinen Pseudosohn noch an demselben 'Abend bat. doch am anderen Tage wie verabredet nach Berlin zu fahren, um mit Ludwig <& Comp, das besprochene Geschäft abznschließen. erklärte Joseph — wie wir ihn jetzt nennen wollen — daß er vierzehn Tage lang nicht reisen könne, dagegen wolle er in die Stadt aus das Bureau, um sich dort während der Zeit ein wenig umzusehen. Die Bitte wurde ihm mit umso größerer Freude gewährt, als Meyer sich dann ja nicht auf die Prokurjfc.n allein jü verlassen brauchte. So ging Joseph nach der Stadt und mit erstaunlicher Raschheit arbeitete er sich hier in das Geschäft seines neuen Vaters ein. Leute, die den Ernst des Lebenvon frühester Jugend auf kennen gelernt, haben für vraktische Dinge eine viel raschere Auffassungsgabe, wie Kinder reicher Leute, die ihre Jugend in der Kinderstube und aus dem Tanzboden verbrachten. Dazu kam.;■ daß der vertauschte Joseph geistig viel höher stand, wie der frühere und mehr wie einmal erstaunte sich der alte Meyer über Bemerkungen und Kombinationen seines Sohnes, die er früher nie von ihm zu hören gewohnt war. Dagegen schien ihm seine Bildung bedenklich nachgelassen zu haben. Der einfachsten Citate aus Dante oder Shakespeare wollte sich der Herr Sohn nicht mehr erinnern und kopfschüttelnd beklagte sich der Alte, daß