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Der Israelit · 1902-01-02 · Heft 1 (2.1.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 1 (2.1.1902)
Date
1902-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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litfir ist folgender Passus enthalten: .Das Gericht hat keinen Anlaß, die Glaubwürdigkeit des Zeugen St. zu bezweifeln. Gr hat einen zuverlässigen, vertrauener »veckenden Gindruck gemacht und feine Aussagen unter dem Gide abgegeben. Gr ist mosaischer Religion, deren Angehörige nach den Grfahrungcn des Gerichts es durchgängig mit dem Gide sehr genau nehmen. Seine' Religionszugehörigkeit dient daher dem Gericht zur Grhöhung seiner Glaubwürdigkeit." Das Landgericht hat dieses Urthcil des Borderrichtcrs aus rein sachlichen und offenbar richtigen Gründen umgestoßen, ohne nur. im Geringsten des obigen Gntscheidungsgrundes Grwähnung zu thun. Sämmiliche Bethciligte sind außer dem gedachten Zeugen gute evangelische Christen. Ter Anwalt der Beklagten hatte die Beeidigung des Zeugen beanstandet, lveil er ihn am Ausgange des Rechtsstreites interessirt erachtete; von der Gonsession war während der Verhandlung überhaupt keine Rede. In hiesigen juristischen Kreisen wurde das Ilrtheil weiter gar nicht beachtet, und man'darf wohl sagen, daß mit Ausnahme der antisemitischen Blätter, die jetzt die Sache zu einer großen Affaire aufbauschcn wollen. Niemand besonderen Anstoß daran genommen hat.. Man mag darüber denken wie man will, inwieweit es taktvoll und angemessen war. eine derartige Motivirung ohne jede Beranlassung in ein Urtheil aufzunehmen; jedenfalls ist die Thatsache. daß Juden es mit dem Gid überaus genau nehmen, hier nicht zum ersten Mal ausgesprochen worden. Ist es doch eine bekannte anwaltliche Praktik, bei zweifelhaften Prozessen dem jüdischen Gegner den Gid zuzuschieben. weil Juden nur höchst ungern einen Schwur leisten. Was die Antisemiten mit einer Interpellation wollen, ist uns unerfindlich; der Richter ist verfassungsmäßig geschützt und wegen des Ausdrucks seiner Ansicht kann er nicht disziplinier werden. Bucha« a. ly-, 20. Dez. Heute feierten Herr Rabbiner Lauphei m e r und Iran im engsten Familienkreise ihre silberne Hochzeit. Gine offizielle Feier, die ihnen die isr. Gemeinde widmen wollte, lehnte das Jubelpaar ab. Bon der Liebe und Verehrung, deren sich das Jubelpaar hier und auswärts erfreut, legten die zahlreichen Glüctwünfche und Geschenke ein erhebendes Zengniß ab. Mit warmem Herzen, klarem Blick und gcschiäicr Hüud nimmt Herr Rabb. Laupheimer Tbei? an Freud und Leid seiner Gemeinde und sät so eine Saat aus. die die schöne Frucht der Anhänglichkeit seiner Gemeinde trägt. O e sttrre ich. Wien. 27. Dez. Die herrlichen Ausführungen des verehrten Kollegen Dr. Kohn in Jnowrazlaw über das Dalmudstudium l>aben geiviß jeden aufrichtigen Juden. so auch mich, auf's angenehmste berührt, und sehe ich mich veranlaßt, hiermit ihm öffentlich Dank und Anerkennung auszuftzr^chen. Was jenen Artikelschreiber veranlaßt haben mag. über die Rathlosigkeit der jüdischen Gelehnen Harnack gegenüber so sehr zu zetern, vermag ich wirtlich nicht cinzusehen. Auch ich hatte mich erst in der al!erjiingsten Zeit der „Allg. Ztg. des Judenth." gegenüber erboten, in eine kritische Auseinandersetzung mit Harnact einzutreten, was sie jedoch mit folgendem Schreiben d. d. 19. XII. abgelehnt hat: ^Leider sind wir nicht in der Lage, von Ihrem freundlichen Anerbieten Gebrauch machen zu können, da wir bereits verschiedene Artikel gegen Harnack gebracht und noch mehrere zum Abdruck liegen haben. In vorzügl. Hochachtung dir Red. der ..Allg. Ztg. d.Judenth." In der That sind es, wie Herr Rabbiner Dr. Kohn richtig hervorhebt, nicht sowohl sachliche, als formale Schwierigkeiten, vermöge »velcher ein jüdischer Gelehrter sich nur schwer dazu entschließen kann, die Fehde mit ihm aufzunehmen. Herr Harnack würde glauben, sein Dcnkapparat ginge aus den Fugen, wenn man ihm zumuthcte. irgend eine Thatsache oder Grschcinung. gleich der Hellas Athene, als reif auf die Welt gekommen, vorzunehmcn. Uns Juden.gegenüber hält er selbst den Gebrauch logischer Ausnahmemaßregeln für zulässig Uebcrall weiß er noch immer ein gutes Haar herauszufinden. selbst am Bilderkultus gewisser Sekten, dem Judenthum gegeniilnr hört alles auf. Im klebrigen hat dieses nicht allein Ursache, mit Herrn Harnack unzufrieden zu sein; was er am Christcnthum allenfalls noch gelten läßt, läuft eigentlich aus ein Messer hinaus, dem Heft und Klinge genommen ist. Ungarn. Budapest. 27. Dez. Das heutige Amtsblatt publiiirt die Grncnnung des Präsidenten der Budapester Waaren- und Gssektenbörse, Sieginunb Kornselb, zum! e b e n s l ä n g l i che n M i: g l i e d e d e s M a g n a 1 c n h a u s e s. Diese hohe Auszeichnung ist um so höher zu bewerthen, als Kornfeld kein geborener Ungar ist. Gr ist Jude und ein Resse des frommen Gelehrten, A r o n Kornfeld s. A., der in Jenikau in Böhmen Brantweinhausbesitzer und einer der größten Talmudisten seiner Zeit war. Sch »r e i z. Basel. 30. Dez. <J s r a e k. Gottesacker.) Tie hiesige israelitische Gemeinde stellt ein Gesuch an das Sauitätsdepartement zu Händen der Regierung, um Bewilligung der Anlage eines israelitischen Gottesackers auf baselstädtischem Gebiete. Die Giugabe wird unter Anderem motivirt durch ein Gdikt des elsaßlothringischen Konsistoriums, welches die bisher üblichen Formalitäten für Uebersührung der Todten nach dem jüdischen Gottesacker in .Hegenheim bedeutend erschwert; auch führt das Gesuch an. daß in vielen Sckuveizerslädten mit weniger zahlreicher israelitischer Bevölkerung, wie z. B. Baden. La Chaur-de-Fonds. Bern, Zürich und Genf schon seit langer Zeit jüdische Gottesäcker eristiren; an letzterem Orte sogar seit 120 Jahren. Der Gingabe sind Gutachten der Herren Professor Dr. Wertheimer. Ober-Rabbiner in Genf, und Dr. Cohn in Basel beigegeben, und die Gingabe ist mit 209 Unterschriften bedeckt, welche mit rechtlicher Voll-

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