Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1902)
- Date
- 1902-01-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 welche die erste Anregung zu diesem herrlichen Unternehmen gaben, hat die zahlreichen Brüder und Schwestern, welche nicht auf diesem Boden stehen, nicht zurückgehalten. hilfreich ihre Sünden zur Fertigstellung des Ganzen beizusteuern. So flössen die Mittel zusammen, die cs ermöglichten zum Bau zu schreiten' und denselben in oerhältnißmäßig kurzer Zeit zu vollenden. Auch für die beträchtlichen Betriebskosten degroßen Unternehmens hat der Wohlthätigkcitssinn der jüdischen Zerstreuten Fürsorge getroffen. Wenn auch nach dieser Seite hin noch große Summen zu beschaffen sind, so erscheinen sie doch klein im Vergleich zu dem bereits Erreichten. Wir begrüßen diesen neu erstandenen Bau, nicht nur um seines eigentlichen, edlen Zweites willen, sondern auch als Vorbild und Symbol einer Vereinigung, wie sie sonst vielfach angcstrebt aber nur selten in dieser Reinheit und Vollendung erreicht wird, und knüpfen daran den Wunsch für die selbstlosen Unternehmer, Förderer und Vollender des großen Werkes: rzvzn zrrzbz rrcfr 'rs des 125. Psalmes. mit denselben Bedingungen, wie sie dort bezeichnet sind, um in die zuversichtliche Hoffnung auszuklingen: . bn'v hs z'bv Friede über Israel! ZeitttNöSnachrichlen und Eorrespon-eirzen. Deutschland. .Mainz. Lon Konstantinopel wendet sich der „Erste Deutsch Israelitische Wohllhätigkeitsverein" für die Emigranten mit Gesuchen um Beiträge an die im Westen wohnenden Glaubensgenossen. Der Aufruf ist unterzeichnet vom „Präsidenten" Iaques Hamburger mit dem Ersuchen. GeldKiträge an den Kastirer Louis Samgurski zu senden. Nach cingezogenen Erkundigungen ist der Schatzmeister Louis Samgurski eine wenig vertrauenswürdige Persönlichkeit, so daß unsere Glaubensgenossen jedenfalls gut thun. etwaige Gesuche des WohllhäligkeilsvereinS unberücksichtigt zu lassen. / Berlin.'29. Dez. (Ein Jude über Singer.) Auf einer Zionistenversammlung in Breslau äußerte sich Dr. Jsmar Freund: Zweifellos hat es dem Iudenthum außerordentlich geschadet, daß es dauernd von den regierenden Parteien als prinzipieller Gegner angesehen worden ist. Ich glaube, kein Name der Gegenwart schadet dem Iudenthum so sehr, wie der Name Singer. Jede Brandrede Singers ist ein Schlag gegen das Iudenthum. (Unruhe.) Ich habe die Ueberzeugung. daß jedesmal, wenn Singer im Rothen Haufe feine Angriffe gegen die. höchsten Stellen richtet, es dorr heißt: .Wieder einmal der Jude!" Genau dasselbe Gefühl habe ich. wenn Stadthagen spricht. Es gilt das dann nicht dem Sozialdemokraten. sondern dem Juden, und dem Juden deshalb, rvei! er Führer.der Sozialdemokratie ist. Thalsächlich ist der Antisemitismus bei den Sozialdemokraten genau so groß, wie bei irgend einer Partei im Deutschen Reiche. Daß es ihrer straffen Organisation und dem Willen der Führer gelingt, offiziell den Antisemitismus niederzuhalten, ändert nichts an der That-» fache, — Wir haben dem. bemerkt dir ultramontane „Germania"; nichts hinzuzufügen. Wir auch nicht. Berlin; Ende Dez. Der Redakteur der „Israel. Wochenschrift." Klausner, wurde vom Schöffengerichte wegen Beleidigung des Geschäftsführers dedeutsch-sozialen Reformvereins. Giese, zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt. Die „Staatsbürg.-Ztg." hatte seinerzeit verschiedene Gutachten veröffentlicht, die sich für das Bestehen des „Ritualmördes" aussprachen; darunter befand sich ein Gutachten Giese's. Klausner bezeichnet die Gutachter als Verbrecher und Hallunken, von denen man nicht wisse, ob sie in's Narrenhaus, oder in's Zuchthaus gehörten. Klausner habe, wie der Vorsitzende in der Urthrilsbegründung ausführte, als Redakteur der „Isr. Wochenschrift" das Recht. Angriffe auf das Iudenthum abzuwehrcn und seinerseits die Interessen des Judenthums zu vertreten. Das dürfe aber nur sachlich geschehen, nicht durch persönliche Verunglimpfung. Die Artikel in Nummer 30 und 35 der „Isr. Wochenschrift" enthalten schwere Beleidigungen gegen den Privatkläger. und da der 8 187 Anwendung finde, stehe dem Angeklagten der Schutz des 8 193 nicht zur Seite. Die Beleidigungen seien sehr schwere und wider besseres Wissen Thatfachen behauptet, die geeignet seien, seinen Gegner verächtlich zu machen. Frankfurt a. M., Ende Dez. Nachdem am l. Februar dss. Is. das alte Bankhaus I. I. Meiller Söhne Samstags öffnete, nachdem ferner vor einigen Monaten M. A. von Rothschild u. Söhne von der Diskonto-Gesellschaft übernommen wurde, wird nunmehr zum 1. Januar 1902 die angesehene Bankfirma A. Merzbach Samstags öffnen. Es sind jetzt nur noch wenige hiesige Bankgeschäfte, die Samstags geschlossen halten. Wirklich ein trauriges Zeichen der Zeit! Wie wir hören, wird die Firma A. Merzbach die eine Hälfte de» Personals entlassen, während die andere Hälfte auch weiter Samstags frei hat. Zwei Theilhaber, die noch weiter religiös sein wollen, treten aus und werden Prokuristen. Herr Rabbiner Dr. Horovitz hier hat ein derartiges Verfahren auf Befragen für unerlaubt erklärt, doch hat ein angesehener norddeutscher Rabbiner — wir wollen seinen Namen verschweigen, da wir. es von dem Herrn nicht glauben können — seine Zustimmung zu dem Arrangement, daß die zwei religiösen Theilhaber Prokuristen der Firma werden, gegeben. Es ist unter den heutigen Verhältnissen wirklich heiligste Pflicht eines jeden religiösen Geschäftsmannes, bei Engagements möglichst darauf zu sehen, nur religiöse junge Leute anzunehmen und auch lieber auf eine Badereise im Sommer und 2—3 Gesellschaftsabende im Winter zu verzichten, als dem Personal in Ausnutzung der geringen Zahl der am Samstag geschlossenen Geschäfte, ein geringes Gehalt zu geben.