Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1191 daß. durfte mau welches Gespräch immer nur ihm anlnüpscn, er'demselben sogleich eine religiöse Wendung zu geben suchte. Dar Rärhscl wurde iudeß bald gelöst. Ter Mann war ein Abgesandter der Londoner Bibelgesellschaft, also ein Missionär, der eigens hieher geschickt wurde, um jüdische Seelen hier zu . fangen und da er nicht gleich sein Ncu-Christcuthum zur Schau trage» wollte, so spielte er anfangs den scingebilderen abendländischen Juden, um so seine ehemaligen Glaubensbrüder hier, er selbst war ein getaufter polnischer Jude. nicht gleich aus seiner Nähe zu verscheuchen. Als er dann merkte, daß man den Zweck seiner Hieherkunft schon allgemein kannte, so streifte er schnell die jüdische Hülle, die er trug, ab. und entpuppte sich als ansrichiigcr Christ. Er suchte nun auch mit der mohamcdanischen Bevölkerung hier in Verbindung zu treten, um wenigstens unter derselben, da cs ihm bei der jüdischen nicht gelingen wollte. Proselytcn zu machen; aber auch dort sollte er uichl rcuisnrcn und alle seine dafür gebrachten Geld- und Zciropfcr erwiesen sich fruchtlos. Schließlich, da er beim Bolle kein Glück hatte, so begann er sich dem Hose des Emirs zu nähern — damals regierte hier noch der Emir Muzzafcr Eddiu — und fand er auch wirklich viele Freunde don, aber auch nicht einen einzigen Schüler, da seine Lehren den mobauredanischcn Großen nicht munden wollten. Nun änderte er seinen ganzen .<rtiegsplan und aus dem Glaubensprediger wurde plötzlich ein Beschützer der Juden, indem er in den Emir drang, seine jüdischen Unterrhanen menschlicher zu behandeln, da er hoffte, ans diese Art endlich die Juden hier für sich zu gewinnen, ein Stratagcm, daS sich eben so nur.;- und fruchtlos zeigte, wie alle seine früheren Pläne. So getäuscht in allen scincn Hoffungen, entschloß er sich, Bokhara den Rücken zu kehren und zu den wohlgcsülltcn Fleischtöpfen der Bibelgesellschaft nach London zurückzukchrcn. Ter Name dieses Mannes war Tr. Wolf und sind soeben auch einige Exemplare seines Buches, das er in englischer Sprache über seinen Aufenthalt in Bokhara veröffentlicht har, diehergelangt und zwar aus dem Wege über Persien. Tiefes Buch wird nun von den hier lebenden Europäern fast verschlungen und thcilen sie gerne denen Inhalt in türkischen oder persischen Don.cn den diesigen Juden mit. Tn Wolf ist nach dem bekannten Orientalisten und llnivennätsproftnor Tr. Arnim Bambcry in Budapest, der zweite curoväischc Reisende, der , seine Erlednine im $t banale Bokhara in englischer Sprache der OcffenUichkeit übergibt. Und ebenso wie Tr. Wolf gehöne auch Tr. Lambery einst de« Judcnlhume an, das er jedoch nicht aus religiösen Motiven, sondern um nur eine glänzende Carri-re zu machen, verlassen hat. Jndeß hat sich seit dem Aufenthalte Bambery's in unserer Stadt, der vor ungefähr dreißig Jahren stattfand. Vieles hier und noch dazu, Gott sei Tank, zum Guten geändert. Tamals war Bokhara noch ein grober und mächtiger mohumcdanischer Staat und kein Christ durfte bei Todesstrafe dessen Gebiet betreten. Auch Bambcry konnte nur als persischer Terwisch verkleidet, hierher gelangen, und wagte er es auch nicht, mir einem Juden hier Bekanntschaft zu machen. Dagegen leben noch Viele in unserem Judenviertel, die sich noch wohl erinnern, diesen persischen Derwisch, dessen Ankunft hier großes Aufsehen machte und dessen kaukasische Gesichtsfarbe hier allgemeine Bewunderung erregte, durch die engen und schmutzigen Gassen unserer Stadt hinken — der Herr Professor ist nämlich an einem Fuße gelähmt — gesehen zu haben. Heute jedoch ist Bokhara schon halb eine europäische Stadl: gehr doch schon der elektrische Draht über die Dächer unserer Häuser hinweg und nur noch wenige Wochen und die Lokomotive wird vor unseren Sradttdoren erscheinen und ihren schrillen Psiff vor unseren Ohren ertönen lassen. (Schluß folgt.) Indien. Kalkutta, 14. November. Hier erscheint unter dem Namen „Perach" (Blüthe), allwöchentlich eine jüdische Zeitschrift in arabischer Sprache und in hebräischen Leitern, einen Druckbogen stark, von dem die eine Hälfte den politischen und counnerciellen, die andere ausschließlich den jüdischen Nachrichten und Angelegenheiten gewidmet ist. Dieselbe führt daher auch die Ucbcrschrist: nsrp '.n—s (Nachrichten unseres Volkes). Tie Ausgabe des Blattein .Kalkutta erfolgt immer Freitags, damit dasselbe am Sabbat seinen Abonnenten a!S Lektüre diene, und am Sonntag darauf erfolgt dann dessen Versendung nach auswärts. Der AbonncmcntspreiS beträgt für Kalkutta I.'», für das Ausland dagegen!r> Rupienldie Rupie gleich 2 Mark) jährlich. Annoncen hat daS Blatt fast gar keine, da unsere Glaubensgenossen im Osten den Werth des Annoncircns noch nicht gehörig zu begreifen wissen. Dagegen veröffentlicht es immer die Absahn und Ankunft der großen überseeischen Dampfer, wofür eS von vcn betreffenden SchisisgefcÜschaftcn ein jährliches Pauschale erhält. Ter Hauptannoncirende in dieser Hinsicht ist der österreichische Lloyd (oTtö), der fast in jeder Nummer eine Ankündigung vrr-