Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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um Sicherstellung des mit Erfolg begonnenen Werkes handelt, ihre Beihilfe nicht versagen. Ter Zweck, der hier befördert wird, ist kein geringer; er betrifft die religiöse und weltliche Ausbildung armer Binder, die Erziehung und Heranbildung der einstigen Iugendlehrer. Tie Einnahmen betrugen 164S3 M., die bis «uf 4488 M. verausgabt wurde». A-n Halberfradt, am 2. Tage Ehanukah. Der Verein v^rr.-scn dahier. dem die meisten Mitglieder unserer alten, ehrwürdigen Gemeinde angchören, liest eine neue rr-.vi ss schreiben, und wurde dieselbe mit dem gestrigen Tage durch eine allen Thcilnchmern in unauslöschlicher Erinnerung bleibende Feier cingeweiht und der Gemeinde übergeben. Seit im Jahre 187!» unsere Synagoge — bekanntlich eine der schönsten Tcutschlands — rcnovirt wurde, hat dieselbe feine Feier gesehen, die der gestrigen an Glan; und Bedeutung gleich gekommen wäre. Hatte sich doch fast die gcsammte Gemeinde in dem herrlich erleuchteten und festlich geschmückten Gotteshause eingesuudcn, um an der Feier des Tages Thcil zu nehmen. Tie neue Thorarolle, in herrlicher Schrift von der Meisterhand unseres -ro HerrnI. Petucho wski angefertigt und von den Frauen unserer Gemeinde genäht und mit den nötbigcn Utensilien beschenkt, wurde unter den üblichen Gesängen, welche vorrrcsstich ausgeiührt wurden, und nach dreimaligem Rundgang um den Almemor mit den übrigen siebzig Thorarollcn vereinigt. 7 t Thorarollen l Welch ein Zeugniß für den Sinn, der in der Gemeinde seil Jahrhunderten herrscht! Als die letzten Akkorde des -.cn* nGesanges verklangen, betrat unser allvcrehner Herr Rabbiner Tr. Auerbach die Kanzel, 11m in fast cinstnndigcr, schwungvoller Rede die Tendenzen des Vereines: r^-n c'“rn rv7*c:, r.-ray, darzulcgcn und die Bedeutung des Festes voll zu würdigen. Er legte den Mitgliedern besonders ans Her;, die rrvo in der Weise fort und fort zu pflegen, wie eS in unserer alten Gemeinde von jeher geschehen sei, die Lehren imrnerdar zu beherzigen und zu bestätigen, die das doppelte Weihefest ihnen heule zurufc. Tie formvollendete und begcistenc Rede machte auf die Zuhörer einen tiefen, nachhaltigen Eindruck. Ten eigentlichen Särlnst fand jedoch das Fest erst in einem solennen Mahle, welches des Abends stausand. Eine glänzende Gesellschaft Hane sich hier eingcfundrn, und cs waren nicht nur die Mitglieder deö Vereins vollzählig mit ihren Gattinnen erschiene», sondern auch eine frauliche Reihe von Gästen, Freunden des Verein?. die zum Theil sogar aus der Ferne, Berlin, Hamburg. Mainz herdegeeilr waren. Es würde den Rahmen dieses Berichtes weit überschreiten, wenn wir die vom echtjüdischen Geiste durchwehten Toaste, die von beredtem Munde bei der Tafel gehalten wurden, auch nur skizzircn wollten. Besonders hcrvorgchoben zu werden verdient jedoch der Toast, welchen Herr Benjamin Hirsch mit von Rührung ergriffener Stimme auf S. Maj. den Kaiser und auf de» Kronprinzen auSbrachre. Tie Versammlung stimmte begeistert in das Hoch aus das erlauchte Herrscherhaus ein und sang stehend die Nationalhymne. Erst spät nach Mitternacht harre des Gastmahl ein Ende und damit ein Fest, wie es in seiner Eigenartigkeit von unserer Gemeinde wohl schon seit langer Zeit nicht begangen worden war. Mittel-Asien. Bokhara, im November. Drei oder vier Jahre werden es her sein, da traf, au? London kommend, ein angeblich jüdischer Gelehrter hier ein und gab er als den Zweck seiner Hicrherrcise an, er wolle das religiöse und sociale Leben der Juden Äirtclastcns, zunral der in'Bokdara, durch den Augenschein kennen lernen, um denselben dann Rath und Hilfe zu gewähren und dann auch sowohl ihre geistige, wie ihre materielle Stellung zu hebcm Er nannte sich „Scholiach" oder auf Arabisch: „Raffu!,* eine Bezeichnung, die nickt wenig beitrug, um viele unserer Glaubcnsbrüdcr hier zu täuschen uub sie den anti-jüdischen Ideen und Lehren dieses Fremden zugänglich zu machen. Ja, sogar einige kleine Ehachamim oder eigentlich Lehrer ließen sich anfangs von diesem Manne hinter'S Licht führen, der sich so einfach und bescheiden „Scholiach" nannte und glaubte man daher wirklich, cs mit einem Sendboten der jüdischen Gemeinden Englands zu thun zu haben. Der Mann Höne es sogar gerne, wenn man ihn „Rabbi" titnlirte, wie er sich auch einen echten jüdischen Namen — ich glaube er liest sich Rabbi Ichuda Sced schelten — beilegte. Er wolimc und speiste hier anfangs bei Juden und da er im Allgemeinen ein freundlicher und lieber Herr war, der gerne Gefälligkeiten erwies und sich auch freigebig zeigte, so ward er sehr bald populär und man sehnte sich sogar nach feinem Umgänge. Auffallend war cs jedoch, dast der Mann, wie es wenigstens den Anschein hatte, über eine fasr unerschöpstiche Geldquelle verfügte und so einen starken Gegensatz zu den andern jüdischen Gelcbrten bildete» vorr denen cs doch bekannt ist. dast sie äußerst selten vom Gcldübersiust geplagt werden, und dann auch.