Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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~r ’■1 ^wrp; ,'tvv - ’& sw aXVIu. Jahrgang. «I ♦ Zweite Beilage zu Nr. 100 & 101 öes Israelit.; %i Zeit««Zsaachrichten und Correspoudenze«. Deutschland. Bnrgpreppach. Dem zwölften Rcchenschafts- Aericht über die Talmud-Thora-Schule zu Burgpreppach für das Jahr 1886/87 entnehmen wir: Tie Freunde und Gönner der Anstalt werden mit Freude und Genugthuung die Tharsoche vernehmen, daß die Schule im abgelaufcncn Jahre nicht allein den ihr zugewiesenen Standpunkt mit Erfolg behauptet hat, sondern daß cs ihr auch gelungen ist, denselben wie in materieller so auch in ideeller Beziehung zu erweitern und zu befestigen. Ge hat sich nicht allein darauf beschränkt, ihre Zöglinge für den Lehrerberuf vorzubereiten und ihnen das hiezu nölhige Wisscnsmaß zn übermitteln, sondern war auch — eingedenk des im vorjährigen Rechenschaftsberichte gegebenen Versprechens — fortgesetzt bemüht, ihre Zöglinge mit einem auch für andere Verhöltnisie des bürgerlichen Lebens möglichst hohen Grad intellektueller Durchbildung und sittlicher Reife auszustattc». Das Ziel, das sie sich hierbei gesteckt, ist ein ebenso hohes wie schwieriges. Denn je vielgestaltiger das Leben ist, in welches die Jugend nach dem Verlassen der Schule tritt: je mannigfacher und verschlungener die Verhältnstie sind, mit denen sie zu rechnen hat: desto groner und schwieriger ist die Aufgabe, die der Schult und Erziehung zufällt, sie für diese mannigfachen Verhältnisse zu rüsten und vorzubcrciten. Dazu tritt noch an unserer Schule als besondere Ausgabe hinzu die Pflege und Förderung des religiösen Moment? bei den ihr anvertrauten Zöglingen; das Gottesbewußtsein im Herzen derjenigen, die später als Lehrer an dem Fortbau des Menschen- und Volkslebens zu arbeiten berufen sein werden, zu pflegen, sowie auch diejenigen. die sich in ihr zum Eintritt in einen anderen Beruf vorbercitcn, der Gleichgiltigkeit gegen ihre Religion mid Geschichte zu entreißen und für die Erkenntnis ano Verwirklichung des NcligionsgcsetzeS heranzuziehen. Tie Leitung ist cs sich keinen Augenblick unbewußt geblieben, daß in dem zuletzt Erwähnten die Hauptaufgabe liegt, die der Anstalt vermöge ihres GründungSzwcckcs zufällt, und daß das Maß des Wohlwollens, das ihr so viele Brüder und Schwestern in so hochherziger Weise zuwenden, von dem Bloße ihrer Leistungen auf diesem Gebiete, dem der re» ligiösen Erziehung nämlich, abhängt, und sie hat darum den größten Thcil ihrer Anstrengungen und Bemühungen nach dieser Richtung hin verwandt. Eine weitere nennenSwcrthe Berücksichtibung ist dem Unterrichte in der jüdischen Geschichte im abgelaufcncn Schuljahre zu Thcil geworden. Es unterliegt keir.cm Zweifel, daß eine genaue Kenntuiß dieses Unterrichtsfaches dem einstigen Religionslehrer dringend noth thut und deshalb nicht früh genug angebahnt werden kann. Ader auch für den religiös gebildeten Kaufmann ist die Kenmmß der Geschichte 1 eines DolkSstammcS in Rücksicht auf ihre Bedeutung für die sittliche und moralische Stärkung und Festigung im Glauben von größter Wichtigkeit. - 3ion dem Unterrichte in der jüdischen Geschichte konnte der panielle geographische Unterricht, der aus Palästina Bezug habende nämlich, nicht getrennt werden. Schon der Borttag in der Bibel kann nur selten fruchtbringend sein, wenn der Schauplatz der Begebenheiten aus der Karte nicht in Bettacht gezogen wird. Die Geschichte erst und die Geschehnisse, welche sie erzählt, können nur dann voll und ganz gewürdigt werden, wenn die Stätten, welche der Schauplatz dieser Begebenheiten gewesen, den Stnibcrn wenigstens im Umrisse bekannt sind. Die elementare Kcnntniß der physischen und politischen Geographie Palästina's wurde deshalb m den Unterrichtsplan ausgenommen. Bon den Schülern der Anstalt haben sich 12 dem Lehrfache zugcwendct, mehrere andere habe« sich einem kaufmännischen Berufe oder einer nützlichen gewerblichen Thäligkeir gewidmet. Von er* srcrcn haben 9 in der isracl. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, 2 in der zu Köln a. Rh., 1 in dem Seminar zu Hannover Ausnahme gesucht und gefunden. Auch die sinanziellcn Verhältnisse der Schule haben, Tank einer lhalkräftigen Unterstützung, einen wesentlichen Fortschritt gemacht, wodurch es möglich ward, die auf dem Anstattsgebäude lastende hypothekarische Schuld -zurückzuzahlen, um mit desto froherem Muthc an drc — wenn auch langsame, jedoch allmähliche — Begründung eines Schulfouds gehen zu können. Unsere Freunde, von der Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit unserer Bestrebungen überzeugt, werden, wie sie uns bisher zur Sette gestanden, uns auch in Zukunft, in welcher eS sich