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Der Israelit · 1887-12-28 · Heft 100-101 (28.12.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 100-101 (28.12.1887)
Date
1887-12-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Hauses schon durch das Beispiel der großen Herrscher auS demselben, vor allem unseres Kaisers, gefeit, und wir zweifeln nicht, daß die goldenen Worte, mit welchen derselbe sein glorreiches Regiment cinleitcte, auch seinem (*uicl zum Leitstern dienen werde. Allein, es läßt sich aus zahlreichen Anzeichen mit Sicherheit erkennen, daß weile Kreise der Bevölkerung und zwar vornehmlich auch solche, welche von entschieden monarchischer und nationaler Gesinnung beseelt sind, mit Beforgniß und öeginuendem Mißtrauen erfüllt sind. Gerade in der heutigen Zeit, wo das gegenseitige Vertrauen des Herrschers und des Volkes von fo hervorragender Bedeutung i für die gedeihliche (Entwickelung, vielleicht selbst für den Bestand deS Reiches ist. erscheint cs besonders bedenklich, die Saat des Mißtrauens auszusäen. Diese Auslassungen zeigen deutlich, daß die Furcht vor den folgen des Manövers des Herrn Stöcker mit einer Spekulation auf die Zukunft bis in das freikonfervarive Lager hinein sich erstreckt. Frankfurt a. M. Die Mitthcilung. daß ftrau Baronin Salomon von Rothschild in Paris 120,000 M. hierher gewendet, wird dahin berichtigt, daß diese »nicht ausschließlich jüdischen Anstalten zu Gute kamen, sondern in großen Summen auch christlichen Austaltcn überwiesen wurden. Hannover. Der sechste Rechenschaftsbericht über die Umerstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Witlwcn und Waisen in der Provinz Hannover weist eine Einnahme von M. 23,455. 22 und eine Ausgabe von M. 22.202. 3t» auf; der ungreisbare Fonds beträgt M. 43,208. 13, welche in Obligationen mit pupillarifchcr Sicherheit belegt sind. Die Ausgaben an Unterstützungen für Pcnsionsbcrcchtigle in den vier Zähren haben sich fortschreitend erhöht. Zn diesem Zahre ist durch den Tod eineS Mitgliedes und durch das Ausscheiden eines anderen aus seinem Dienste der .Kasse noch eine weitere Ausgabe von 40ö 3)1. erwachsen, so daß diese Position seit issi eine Steigerung von 2903 M. aus 3783 M.. also um ca. 1000 M. erfahren hat. Mit den erhöhten Ausgaben haben aber die laufenden Einnahmen nicht gleichen Schritt gehalten. Vielmehr sind , die Beiträge der Mitglieder, der Gemeinden und der Privaten auf annähernd derselben Höhe geblieben, die Spenden in den Synagogen, wie — in Folge des reducirre» Zinsfußes -- die Zinsen sogar wesentlich zurückgegangen. Aus dieser Tbatsache ergib: sich die dringende Rothweudigkeit, auf Vermehrung der Einnahmen hinzmvirken. » Unsere Kasse war bisher in der glücklichen Lage, * ziemlich ansehnliche Pensionen zu geben und dadurch ein wirkliches Hilfswerk za üben. Sie wird aber auf die Tauer nicht medr die gleichen Beiträge gewähren und in gleich erfolgreicher Weife wirken können.^ wen» nicht fernerhin mit den fortfchrciteudcn Ansprüchen auch die Einkünfte zunehme« sollten. Zwar ist es uns. trotzdem dieses bisher noch nicht der Fall war, dennoch bis jetzt gelungen, die Unter» stützungsportion von der versicherten Diensteinnahme durch alle Jahre in der gleichen Höhe festzustcllen. Zndcffen wird dieses, wie wir hier ausdrücklich erklären, fortan nicht mehr möglich fein und eine 1 Reduktion nothgedrnngen cintrelen müssen, sobald, was schon im nächsten Jahre bestimmt zu erwarten ist, auch nur ein einziger Unterstützungsanspruch zu den bisherigen an unS hcramreten wird. Wie hart eS aber für jahrelang an ein bestimmtes Einkommen gewöhnte emeririrte Lehrer oder deren Wiuwen sein müßte, hierin später, nachdem sie noch älter und schwächer geworden, eine Schmälerung zu erfahren, bedarf keiner weiteren Darlegung. So dankbar wir es anerkennen müssen, daß bic_ bisherige hohe Leistungsfähigkeit unserer Kasse auf die große Lvfcrwilligkeit zurückzuführen ist, welche ihr von vielen Seiten in reichem Maße bekundet worden, so dürfen wir doch nicht verschweigen, daß die Förderung und Unterstützung ihrer Bestrebungen noch lange nicht eine allscitige und allgemeine geworden ist. Znm Beweise für die Züchtigkeit dieser Behauptung genügt eS zu constatircu» daß von den ca. 120 Gemeinden der Provinz Hannover bisher nur zwölf derselben Jahresbeiträge für die Untcrstützuugskasse entrichten, und die fämmtlichen Synagoqenfpendeu im letzten Jahre aus der einen Gemeinde Hannover gekommen sind! Und doch ist diese .Kane nicht nur für die Lehrer, sondern in kaum geringerem Grade für die Gemeinden eine unendliche Wohlrhat. Indem sie für jene durch ansehnliche Jahrespcnsiouen sorgt, sorgt sie nicht minder auch für diese, befreit sie auch diese von der schwersten Sorge um ihre dienst- und erwerbsunfähig gewordenen Beamten und deren meist unbemittelt znrückdleibendcn Witlwen und Waisen. Wir meinen, eine solche Institution darf die hingcdendste Mitwirkung und opferwilligste Unterstützung aller Gemeinden der Provinz beanspruchen, darf und muß cs erwarten, düst, alle insgefammt gern und freudig durch ihre'Gaben und Beisteuern sie in den Stand fetzen, ihrer Aufgabe in umfangreichem Maße gerecht zu werden! Wir richten deshalb au alle Gemeinden der > Provinz dir eindringliche Bitte, fortan einen de» ' stimmten Jahresbeittag für unsere Kasse in ihren

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