Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXVIIL Jahrgaug. Erste Beilage zu Nr. 100 & 101 -es Israelit. ZettungsaachrichLev «ad Correfpovdeuzea. Deutschland. Fürth. Der in weitesten Streife« rühmlichst bekannte Hofrath, Herr Tr. Berlin, ein Enkel des berühmten Easselcr Lberrabbinen Rabbi Lob Berlin, feierte unlängst seinen 80. Geburtstag. Seine Kinder haben diesen Freudentag dadurch festlich begangen , daß sie S000 Mark zur Errichtung eines FrciplatzeS im hiesigen Waisenhaus stifteten. Möge dem ehrwürdigen Greife ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein. Qttensoos, (Bayern). 21. Dez. Vergangenen Samstag Abend am 2. Tebeth (17. Dezember) feierte der israelitische Frauenverein sein 25 führ. Stiftungsfest, bei welcher Gelegenheit der Gründer und seitherige Schriftführer, Herr Hermann Prager, den Rechenschaftsbericht erstattete, der hier kurz wicdergegeben werden soll: Ter Verein, gegründet am 1. Tcbcth 5623 (23. Dez. 1862) und dem seither alle hier wohnenden Frauen angehörten, verfolgt rein religiöse Zwecke: Krankenbesuche, Bewachung :c. der Tobten und Unterstützung armer kranker Frauen; außerdem wird gegen Entrichtung einer bestimmten Gebühr, für Kaddisch, Schiur :c. bei Fahrzeiten von Frauen, die ohne männliche Nachkommen starben, gesorgt. Tie Summen, die der Verein in den 25 Jahren verausgabte, find nicht unbeträchtlich, und auch in den Spendenlisten für Ercz Iisrocl, für die Nothleidenden in Ostpreußen und Rußland war der Verein schon öfters benannt, wie er auch immer bei lokalen Angelegenheiten sein Scherslein beitrug; wir nennen hier nur die Renovirung des jüdischen, uralten Begräbnißplahes in Schnaittach. Auch stiftete der Frauenverein vor einigen Zähren eine sehr schöne Schulchandccke in die hiesige Synagoge. Gründerinnen dcS Vereins waren cs 19, wovon aber leider nur noch 5 am Leben sind, und heute, nachdem im lepren Zahre 5 Frauen aus dem Leben schieden, zählt er nur noch 17 Mitglieder, eine kleine Zahl, nachdem schon 42 Frauen ihm angehört Hanen. Au diesen Bericht knüpfte Herr Prager ein Lob der Frauen für die bisher an den Tag gelegte Lpferwilligkeit und schloß mit dem Wunsche, daß diese auch ferner so willig und treu ihre Pflichten erfüllen, und daß der Verein gedeihen und fortbesteh en möge. Hierauf überreichte die Vorsteherin deS FrauesvercinS, Frau Betty Rebitzer. Herrn Prager als Zeichen dankbarer Anerkennung für die geleistete« Tieuste eine goldene Brille. Der Rest des Abeuds verfloß in ernster, doch angenehmer Stimmung. Auch wip schließen mit dem Wunsche, daß der iS. raelitische Frauenverein gedeihen und blühen möge. Berlin, 15. Dez. Das »Deutsche Tagblatt" schreibt: »Die Hineinzerrung in daS Parteigetricbe, fei es nach der einen, oder nach der anderen Richtung hin, hat — so ist unS versichert worden — bei dem Prinzen Wilhelm und feiner erlauchten Gemahlin den peinlichsten Eindruck hervorgcrufen. Nichts liegt den hohen Herrschafteu ferner, als in kirchlichen oder polinschen Angelegenheiten irgend eine Parteinahme zu bekunden. Zur Beruhigung der Liberalen können wir noch hinzufügcn, daß der Prinz in entschiedener Weife die Worte gebraucht hat: »Ich bin kein Antisemitl" Berlin, 23. Dez. Die heute aus San Remo vorliegenden Privatnachrichten bestätigen nur, daß das Befinden des Kronprinzen nnnerändert ist. Tie freikonservalive »Post" wendet sich heute an leitender Stelle gegen den Versuch der hochkirchliche« Richtung, im Anschluß an da? schwere Leiden des Kronprinzen Terrain zu gewinnen. Sie erblickt darin eine Gefährdung dcS nationalen Gedanken- und konstatirt, daß die gebildeten Kreise der Nation einen Widerwillen gegen Stöckerei und Muckerei haben. Es werde Aufgabe einer weisen Regierungs- Politik sein, dafür zu sorgen, daß der neueste hochkirchliche Vorstoß über die Bedeutung einer Episode im politischen Leben der Gegenwart nicht hinanSgclange. Dann fährt das freikonservative Blatt fort: Dazu kommt, daß die Beflissenheit, mit welcher die Stöckern sich an die Sohlen des Prinzen Wil- Helm anzubesten sucht, für diesen und für seine künftigen Ausgaben nur schädliche Folgen haben kann, nicht als ob wir befürchten, daß diese Richtung auf einen jungen und kräftigen Sproß des HohenzollernhauscS Einfluß gewinnen könnte. Gegen einen solchen ist jedes Glied unseres Herrscher-