Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-12-28 · Heft 100-101 (28.12.1887) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 100-101 (28.12.1887)
Date
1887-12-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449794--27752-2517625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

1784 der Name „Jude* sei cm Ehrenname. Nach einer von Herrn ntud. conserr. Max Reininger echt dramatisch vorgetragrnen Declamation ergriff Herr 5!vä. meä. Sigm.' Werner zu einer kernigen Schlußrede das Wort. Herr Werner hob die Vorzüge und Eigenschaften des jüdischen Volkes hervor, um sich dann ebenfalls mit aller Schärfe gegen diejenigen StammeSgenoffen zu wenden, die durch ihre Äcrschmclzungssucht und Zudringlichkeit die Achtung des Jndcnthums bei den andern Völkern immer mehr untergraben. Redner schloß dann mit einem Hinweis auf die edlen Bestrebungen und die jüdisch-nationalen Tendenzen des akadem. Vereines „Kadimah." Nachdem das VercinSlicd „Wißt Ihr, woher die Ein beit flammt," von den VcrcinSmitglicdern abgesungen, endete mit einem Violin-Eoncert und einem komischen Terzett der ofsiciclle Theil der Feier. Das Rcinerlrägniß war dem „Verein zur Unterstützung armer israelitischer Studirender. in Wien" zugcwcnd^t. — Von den zahlreich cingelanscncn VeglückwünschnngStelegranimen wären folgende besonders hcrvorzuhebcn: Von Herrn Rabbiner Lcvy Bing (Paris», Tr. Rülf (Memel). Dr. Pinsler Odessa), Tr. Lippe (Jassy), Studentcn- Vcrcin für jüdische Geschichte und Literatur (Riga), Akadcmischcr Verein „Esrah" (Heidelberg), Akademischer Verein „Moriah" (Riga), Akademischer Verein „Viadrina" (Breslau), Verein (Lemberg). Verein „Agudatb jcdidim" (Ezcrnowitz), „Ahavas Zion" (Hamburg), „EommiS- und Buchhalter-Verein" (Stanislau), Rcdaction „Serubabel" (Berlin», von 15 zukünftigen „Kadimahnern" (Ezcrnowitz) und vielen Gesinnungsgenossen aus Kanowitz, Lemberg, Tarnow :c. rc. Mögen dem Beispiel der „Kadimah" noch viele Andere folgen. H. Fg. Pcfth. Tie Nachricht, daß Herr Marie Wahrmann 50,000 fl. zur Gründung einer jüdischen Lircratursiiftung gespendet habe, wird von der „Pesth. Jüd. Zeit." dernentitt. Krakau. In der hiesigen alrehrwürdigen Synagoge. welche das Kronprinzenpaar im letzten Hochsommer besucht hatte, wurde eine Marmorlasel angebracht, welche mit goldncr Inschrift in hebräischer Sprache diesen hohen Besuch verewigt. Frankreich. Paris. Frau Baronin Salomo» v. Rothschild bat vier isr. Wohllhärigkeitsanstalten 750no Frs. geschenkt; außerdem hat die wohlthätige Tame dem Direktor der öffentlichen Unterstützung 15.000 Frs. für die Armen von Pari? und 10,000 Fr. für moralisch verlassene Kinder überschickt. Rumänien. Hnfi, 23. Dezember. Weiß das Ausland, wie schwer wir dahier verfolgt find? Wiffeu es unsere Glaubensgenoffen in jenen Länder», wo die Sonne der Freiheit strahlt, wie hart mcm unS in diesem Zwitterstaat Rumänien bedrängt? Und die Verfolgung kommt von oben. Tie Landbevölkerung ist uns so lange gut, wohlgesinnt und freundlich, bis man sie von oben hetzt, reizt und aufwiegelt. Und wahrlich, eS ist das nicht das Verdienst der Landbevölkerung, welche bekanntlich zu Raub und Mord geneigt ist. Aber die Juden begegnen dieser stets mit musterhafter Uneigennützigkeit und find ihre wahre Helfer in der Roth. Das Schicksal der Juden wäre demnach, wenn auch von Ausnahmsgcsctzen beschränkt, ein leidliches, wenn jene sich vornehm dünkenden Leute, die das Staatsruder zu führen sich berufen glauben, uns nicht, aus Mißgunst, Schclsucht und kleinlicher Furcht, daß die Juden einmal zu Macht, Recht und Einfluß gelangt, sie verdunkeln und verdrängen könnten, leidenschaftlichen Haß und Feindschaft geschworen, und nicht ruhen zu können vermeinen, bis sie uns nicht vertilgt oder mindestens uns aus dem Lande getrieben sehen. — Und so bedurfte cs des persönlichen Einflusses und des persönlichen Eingreifens des zum Minister der knnern Angelegenheiten ernannten R a d u Miha iu's, um die Bevölkerung im Distrikte Hufi zur Austreibung der Juden aus ihrer Mitte zu vermögen, was ihm auch zum Theil gelang. Der Präsekt, ein Neffe des Ministers, wurde veranlaßt, mit Rücksichtslosigkeit die Vettrcibungs- Angelegenheit in die Hand zu nehmen. Wie wurde nun unfern Glaubensbrüdern hart zugcsetzt! Gehetzt, verfolgt, mißhandelt, ihr Hab und Gut vernichtet! Frauen, Säuglinge und Kranke wurden in dieser rauhen Jahreszeit aus ihren Behausungen gerissen und weit weg von ihrem Heim ins Freie gesetzt. Ten vereinten Anstrengungen edler Männer gelang es. den Minister menschlicher zu stimmen. Und was ne erwirkt haben, ist eine Fristerstreckung von kaum drei Monaten. Was werden unsere armen unglücklichen Brüder, über deren Häuptern das Tamokelsschwert schwebt, nach Ablauf dieser Frist beginnen?: Australien. In Melbourne wurde unser Glaubensgenosse Herr Benjamin Benjamin zum Mayor (Bürgermeister) erwählt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.