Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1783 ist, zu welchem Zwecke auch immer diese vielen Millionen bestimmt sein mögen, sie einem edlen Zweck dienen nnd zum Wohle deS jüdischen Volkes beitragen werden, allein von einer solchen unermäßlichen Tragweite, wie die Rettung der Juden in Armen und die Gründung einer solchen Eolome in Palästina, wird keine noch so humane Gründung sein. Abgesehen davon, daß 5000 Familien dem Elende und der Knechtschaft des 5törpers und des Geistes zu entreißen, an und für sich schon etwas ungemein Großes und Erhabenes ist, wird dadurch noch dem ganzen jüdischen Volke ein glänzendes Zeugniß ausgestellt, daß cS auch physisch arbeiten will und kann und nur darum dem Handel, oder wie seine Feinde sagen, dem „Schacher" obliegt, weil man ihm fast überall den Boden streitig macht. Eine solche Eolonie würde die kräftigste und überzeugendste Widerlegung aller Beschuldigungen, unter denen es so sehr leidet, sein. Aber wenn das Gerücht von dem Willen des Herrn Baron Hirsch auch unbegründet sein sollte, ließe sich die Sache nichtsdestoweniger durchführen, wenn die Allianzen in Paris, London und Wien es unternehmen, die südarabischen Juden in Palästina anznsiedelu. Tie Mittel werden sich herbeischaffcn laffen, wenn die Sache mit jenem Ernst angefaßt wird, dessen sie würdig ist. Mögen meine Worte die Würdigung finden, welche sie verdienen, dann werden sie unserem Volke zum Segen gereichen. Zeitungsnachrichten and Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 27. Dezember. Die Erörterungen über die Theilnahme des Prinzen Wilhelm an der bekannten Stöckerschcn Versammlung beim Grafen Waldersce werden lebhaft fortgesetzt. Tie „Post" schreibt heute an leitender Stelle: .DaS, was in der Prrsic glaubhaft über dir ÄuSlanurrgrn deS Prinzen Vilbrlm bezüglich der an keine Prrion «ich an »».üxfendea önerulichcn Discufüon verbrrirn wird, benärigr vollinhaltlich unsre Äusiührungrn cor* 24. d. M. Nickis Labe ihm — io wird berichtet — ferner gelegen als die Parreinadmr für eine politiiche oder kirchliche Richtung. Ot sei peinlich berührt davon, Vax er in drrS Panrigrrriede dinringezegen worden sei. Os kann in einer Zeit voll äußerer und innerer ernähren niLrS in, monarchischen Inreresir bedenklicheres geben. als wenn das KönigSbauS in das polirische Peneigerrirdc hinringezogrn. als wenn rnva die künftigen'Träger der Krone als Träger oder Lchür-er einer politischen oder kirchlichen Partei darüellen. ibrr Namen und ihre Autoritär für speciniLe Pantiinrerrsirn mixdrauchen will. Denk der tönigsrrruen Besinnung unsres 2 slkeL in eS ohne Zweifel ein mächtiger Hebel für dir Pefnednugen einer politischen Penei. wenn ne dieselben an den Namen einer Orden der Krone Preußen» und de- Reiche» «mknüpfea kam»; diesen, aber und dem Kaiserhaus! kann kein schlechterer Dienst erwies«» werde», al» wenn man sie zu Schirmer» einer rin» seirigea Paneipolirik und selberner solche» rxlrrm-er Richtung in der örsenNichea Meinung zu stempeln sucht. Am moralisch verwerflichsten in eia solcher Mißbrauch von Seiten einer Richrung, welche die königirrrue nnd monarchische Gesrnnung vorzugsweise im Munde sühn nnd sich mit einem besonder» hohen Maxe derselbe» brüstet. Ein solche» Eebahrc« gehr noch weit über jenet Von: .Und der König absolut, wen» er unseren Villen thut' hinaus. Os ist ein Akt der schlimmste» Heuchelei, daß man die Norhroendigleit mit Emphase bNoar. da» Königrhum gegen den Anarchismus zu venheidigra und sich eine An besonderen BorkämpsenhumS in diesem Kampfe vindizin, zugleich aber die Autoritär und da» Bcrrrauea tharsächlich erschürren. indem man da» Könighau» als Deckung für die eigenen Partei- und Herricha'tSgrlüste mißbraucht. t?ege» einen derartigen Mißbrauch mir aller Entschirdenhnt Front;» machen, ist dir Pflicht jeder Mannes von aufrichtig royalistischer Oesmnung. i^erao: dir Interessen der Monarchie und de» Königshauses erheischen gebieterisch, daß demselben rechizrrtig und wirksam gesteuen wird. Lo weit ersichtlich dürste diese Sirkuag für jeft nach allen Richkunge» erreicht sein; es wird hosserulich unnörhig sein, auf die Lache zurückzukommr».' Qesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 21. Dez. Am IO. d. M. veranstaltete der akademische Verein „Kadimah" (der Verein bezweckt die Hebung des jüdischen Bewußtseins und die Pficge der jüdischen Geschichte und Literatur) die V. Makkabäerfcicr. Ein zahlreiches der Qualität nach sehr gewähltes Publikum füllte den großen Fcstsaal; namentlich war die Wiener Studentenschaft stark vertreten. Ter Bercinspräses Toctorand Basil v. Rosen eröffncte die Feier mit einer kurzen, schönen Begrüßungsrede, der das Ehorlied „Gaud/camuS" folgte. Hierauf hielt Tr. mcd. Sigm. El kan eine wohlauSgcarbcitcte und wohlgelungene Festrede. Herr Elkan ging im ersten Thclle derselben auf die geschichtlichen Daten cm, wobei er einen treffenden Vergleich zwischen jener vormakkabäischcn Zeit und der heutigen, zwischen den damaligen jüdischen Hellenisten und den heutigen Pseudo- Germanen, -Polen, -Magyaren re. aufstellte. Die neuste Zeit habe die verderbenbringende Theorie, Alles, was nur irgendwie noch jüdisch erscheinen körrnte oder möchte, vollständig zu verwischen und vergessen zu machen: so löse man und lockere immer mehr jenes alte Band, das den Juden mit dem Juden enger verknüpft, das jüdische Volk existire für gewisse Kreise überhaupt nicht mehr; Alles werde angcwendct, um nur unter den andern Völkern. vollkommen auf- und untcrzugehen. Ter Redner warnt vcr dieser Vcrschmelzmrgssucht, die dem Judcnthume stets nur Unheil gebracht, und legt es mir warmen Worten dem Juden onS Herz, sirtS und immer mir Leib und Seele Jude zu fein, stets Jude.zu bleiben und frei sich Jude zu nennen, denn