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Der Israelit · 1887-12-28 · Heft 100-101 (28.12.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 100-101 (28.12.1887)
Date
1887-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1782 weil die Reise dahin zu kostspielig wäre, sondcru auch darum nicht und hauptsächlich, weil sie nicht in amerikanische Verhältnisse passen. Tie südarabischen Juden, dadurch, daß sie so furchtbar unterdrückt und darum ganz in sich gekehrt, zurückgezogen und isolirt, unter halbwilden, rohen und unwissenden Völkersiäminen leben, sichen naturgemäß auf einer sehr niedrigen Stufe der E ulrur und Bildung, und können sich in keiner andern Sprache als Arabisch und Hebräisch verständlich machen. Ueberdies sind ihre Sitten, Gebräuche und ihre ganze Lebensweise grundverschieden von denen der modernen Völker, daß sic ein ganz fremdes Element, welches sich nur sehr schwer amalgamircn kann, in Amerika bilden würden. Hingegen adcr sind diese Juden intelligent, sehr arbeitsam und fleißig, besitzen große Ausdauer und Unverdrosscnhcit, und sind ungemein genügsam. Was sie aber ganz besonders aus- und kennzeichnet, das ist ihre tiefe Religiosität. Sie hängen mit solcher Innigkeit an den Traditionen ihrer Väter, daß sie, trotzdem sie gezwungen sind, tagein tagaus einigen elenden Brosame» nachzujagen, um ihr trauriges Dasein fristen zu können, sie dennoch Zeit finden, sich mit dem Bibel- und Talmudstudium zu befassen. Tcnrgemäß dürfte cs auch Niemand Wunder nehmen, daß sie mit der größten Zuversicht olle Verheißungen der Propheten, welche auf die Ankunft des Messias und Wiederkehr in Palästina hindcutcn, täglich und stündlich in Erfüllung gehe» zu sehen honen. Tie Hoffnung, durch einen Messias erlöst und nach Palästina geführt zu werden, füllt ihre ganze Brust aus. Tiefe Hoffnung einzig und allein ist cs auch, die sie aufrecht erhält, sie in ihrem Iammcrdascin nicht verzweifeln und in die sie umgebenden Völkcrstännne nicht aufgehen läßt. Tiefem festen Glauben und dieser zuversichtlichen Hoffnung ist cs auch zuzuschrciben, daß nirgends so viele falsche Mcssiase ausgetreten sind wie in Jemen. Für Menschen solcher Tenknngsart und Bildungsgrade wäre Palästina auch der beste und geeignetste Einwanderungsort. Sic würden sich dort gleich heimisch fühlen und sich rasch in die Verhältnisse des Landes einlcben. Was aber sollen sie dort beginnen? Welchen Erwerb ergreifen? Ackerbauern, gleich Liren Vorfahren, sollen sie werden! Sind sie dazu doch ebenso gut geeignet. Sie sind, wie bereits erwähnt, sehr arbeitsame und fleißige Leute, gewöhnt, die schwierigsten Arbeiten zu verrichten. Sie werden sich mit Freuden und größter Hingebung km Ackerbau widmen, da dieser Stand, abgesehen davon, daß er ihnen eine sichere Existenz bietet, auch vollkommen ihre« Traditionen, die sie so heilig hatte«, entspricht. Daß der Joden Palästina's seine« Manu ernähren kann, haben die dort bereits gegründet« Eolonien zur Genüge dargcthan. Auch steht eS fest, daß man in Palästina Grund und Lodm zu einem mäßigen Preis erwerben kann. Ein Grundstück, das eine Familie zu ernähren im Stande ist, wird aus ungefähr 1500 Francs zu steheu kommen. Ebenso viel ungefähr wird ein Wohnhaus sammt den dazu gehörenden für den Landmann unentbehrlichen Nebengebäuden kosten. Da aber der Bodm Palästina's größtentheils mehr zum WeinakS Getreidebau geeignet ist und es ungefähr drei Jahre dauern muß, bis cm ncugcpflanzter Weingarten Früchte trägt, so müßten dir Eolonisten die ersten drei Jahre unterstützt werden. Bei der großen Genügsamkeit aber der südarabischen Juden, sind 1000 Francs per Familie für die drei Jahre vollkommen ausreichend. Umsomehr, da sie den Gemüsebau gleich cultivircn und daraus Nutzen ziehen können. Es erübrigt noch, die erforderlichen Neisespcfcu von fernen bis Palästina in Rechnung zu ziehen. Vom Innern des Landes bis Aden dürsreu die meisten Familien ihre Reisekosten selbst bestreiten können. Tie Reisekosten von Aden nach Jaffa werden sich nicht hoch belaufen. Bei einer größeren Auswandcrerzahl lassen die Schiffs-Eompagnien mit sich ein Won reden. Die Gcsammtsumme der Rcisckofteu per Familie dürfte auf tOv Frcs. zu stehen kommen. Demgemäß würden 4100 Frcs. erforderlich fein, um eine Familie aus Jemen auf den Boden Palästina's ansicdeln und eine sichere Existenz ihr gründen zu können. Das Gcsammtcapital, welches demnach erforderlich wäre, um eiue Eolouie, aus 500t» Familien bestehend, in's Leben zu rufen und ihr Glück dauernd zu begründen, würde sich auf 20,500,000 Frcs. beziffern. Tie Summe aber, wie hoch sie auch ist, würden die Eolonistm. jedoch im Stande sein, in 20 Jahren nebst Zinsen zurückzuzahlen. Run kommt die Hauptftage: Wie man dieses Riesencapiral anftrciben kann? Sowohl die Jna!s auch die Ausländische Presse brachte vor Kurzem ein verbürgrscinwollendes Gerücht, wonach der allgemein bekannte Wohlthörcr der Menschheit im Allgemeinen und seines Volkes im Befördern, Herr Baron Hirsch, Willens wäre, einige Million« zu wohltbätigen Zwecken zu bestimmen. Bei der bekannten Hochherzigkeit und Freigebigkeit dieses Menschenfreundes, wäre es nicht zu verwundern, wenn dieses Gerücht sich bewahrheircn sollte. ES steht außer Zweifel, daß. falls da» Gerücht wahr

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