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Der Israelit · 1887-12-28 · Heft 100-101 (28.12.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 100-101 (28.12.1887)
Date
1887-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17*1 Unsere ZZruder in Uemen. Cm Appell au die Israel. Alliancen uud die Große» deS jüd. Volkes von einem jüdischen Orient-Reisenden. *) Seit Jahr und Tag dringt zu uns ein markerschütternder Hilferuf unserer Glaubensgenossen von jenseits des mittelländischen Meeres. Ter Aufschrei der wie das Wild verfolgten und gehetzten, jeder Willkür des raubsüchtigcn Arabers prcisgegcbcnen Juden in Marokko, erregt das innigste Mitgefühl in der Brust jedes Menschenfreundes. Dir möchten mit aller Aufopferung ihnen zu Hilfe eilen, ihr Loos verbessern und ihre Thronen trocknen, allein wir sind machtlos; kein Mittel steht zu Gebote, um den Unglücklichen Hilfe zu bringen. Nicht einmal einen Rath sind wir im Stande ihnen zu ertheilen! Was ließe sich auch einer halben Million Seelen rathen? Ihnen etwa sagen, dem ungastlichen Lande den Rücken zu kehren und auszuwandern? Um ähnliches bewerkstelligen zu können, müßte .ein zweiter Moses kommen! Wie tieferschüttert wir darum über das schreckliche Loos unserer Brüder in Marokko auch sein mögen und wie gerne wir ihnen auch helfen möchten, so sind wir doch gezwungen, sie ihrem harten Geschicke zu überlassen und können uns höchstens mit der Hoffnung trösten, daß über kurz oder lang Marokko doch endlich einmal in ein Dominium irgend einer europäischen Macht verwandelt werden wird und dann werden auch unsere unglücklichen Brüder in Marokko die Sonne der Freiheit und Gercchtigkeil anfgehen sehen. Traurig ist das Geschick der marokkanischen Juden, aber weit trauriger das der Juden in Armen, trotzdem wir ihre Schurerzensrufe nicht vernehmen. Nicht darum, weil sic so selten Ursache zu Wehklagen haben, hören wir sie nicht, sondern darum, weil cs unser Ohr nicht erreicht. Ihr Wehklagen verhallt in der Wüste. Ihr Jammergeschrei kann die dicken mächtigen GebirgSwändc, zwischen welchen sie eingekeilt leben, nicht dnrchdringcn. Sind diese Unglücklichen doch fast gänzlich von der civilisitten Well abgeschnirren und nur außerordentlichen Zufällen verdanke:, wir cs, wenn wir dann und wann von ibren beispiellosen Leiden und Verfolgungen, von ihrem gräßlichen Elende und. Jammer stunde erhalten. *) Shtr. der Red.: Ter Herr Brnaflrr dieses ÄnikrrS ersucht uns dringend um?rrö»senrlicbnng im .Isrcrlir." Lir komme» sciuem L^un'che noch, witcsbl mir r.i&t verte»»e». welch« ungeheure Lchsrengkei«« sich der SuSiühniNg seiuc» Lorschlug» nagrgeoftrLru. Groß find die Leiden der Juden in Marokko, aber geradezu grenzenlos die der Juden kn Südaraöien. Die Juden in Marokko sind unterdrück^ verfolgt uud der Willkür preisgegebea, sie wohnen aber in einem Lande, wo die oberste Gewalt in die Hände eines Einzigen, wenn auch eines Despoten, gegeben ist, eines Machthabers, der doch manche Rücksichten den Vertretern der europäischen Mächte gegenüber nehmen muß, die sich zuweilen doch veranlaßt sehen, ihr Wort für die unglücklichen Jude» bei ihm einzulcgen. Auch finden sich unter de» den marokkanischen Juden viele reiche und angesehene Männer, welche Einfluß bei den Große» de- Landes haben, wodurch eS ihnen manchesmal gelingt, der Willkür und Raubsucht einen Damm z» setzen, während die Juden in Acmen, zwischen den Gebirgen zerstreut, unter der Herrschaft verschiedener halbwilden Schecks ihr elendes Dasein fristen. Diese arabischen Häuptlinge haben vielleicht noch nie einen Europäer zu Gesichte bekommen, am allerwenigsten einen Vertreter eines europäischen Landes, dessen Machlspruch durch Kanonendonner bekräftigt wird, weswegen sie auch um so ungcnirter zwischen ihren Bergen hausen können, und die Juden, ohne die geringste Rücksicht nehmen zu müssen, buchstäblich wie das Dich behandeln und mißhandeln. Ucberschimmert doch den marokkanischen Juden der Hoffnungsstrahl, vielleicht schon inBälde von dem arabischen Joche, gleich ihren Glaubens- und Leidensgenossin in Algier und Tunis, befreit zu. werden, während die Juden in Aemen eine solche Erlösung leider nicht hoffen dürfen. Dieses Land ist der Machtsphäre Europas gänzlich entrückt. Nim ist die Frage, ob wir auch diesen Märtyrern ihres Glaubens nicht in der Lage wären, bcizustchcn? Ihrem numerischen Verhältnissen nach, ließ sich an eine Auswanderung wohl denken. Tie Zahl der in Sudaral'ieu lebenden Juden, dürfte sich ungefähr auf 7000 Familien belaufen, von denen bei tausend im Gebirge zerstreut leben, während circa 6000 in Zaana, der bedeutendsten Stadt SüdarabicnS, ihre Wohnsitze haben. Unter diesen 6000 Familie» in Zaana werden sich ungefähr 2000 befinden, welche besser siruirt sind und ihre eigene Häuser haben und darum, trotz ihrer Unterdrückung, zum AuSdcrn, wenigstens für den Anfang, nicht geneigt fein dürften. ES blieben demgemäß nur circa 5000 Familien. die in Betracht kommen. Wo aber hin mit ihnen? Wo die Mitte! hernehmcn, welche ein solches Unternehmen erfordert? Und was sollen sie in ihrer neuen Heimath beginnen? SJadj Amerika können wir die südarabischcn Juden nicht führen. Nicht nur darum allein nicht.

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