Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1780 chun und gegen Gott sündigen! Im Gefängnisse erwies er Gott die Ehre und schrieb Ihm sein überlegenes Wissen zu. Als Herrscher des Landes sprach er es wiederholt ans, daß er vor allen Dingen Gott fürchte. Biel schwerer aber als die eigene (Erhaltung auf der Höhe der Tugend und Gottesfurcht war die Erziehung der Kinder zu dicken hohe» Zielen. Tie'Gemahlin Josephs war die Tochter eines ägyptischen Priesters. Menascheh und Ephrajim wurden im Glanze des Hofes geboren und erzogen. Ihren Umgang bildeten sicherlich die Söhne der vornehmen Aegypter, ohne Zweifel mußten sie auch, ebenso wie die Kinder der übrigen Großen im Lande, die ägyptischen Priefterschulen besuchen. Stellen wir uns die ungeheuren Schwierigkeiten vor, welche unter diesen Verhältnissen dem Vicekönig von Aegypten bei der Erziehung seiner Kinder entgcgcnlralen. Mit aller Macht und Kraft mußte er sie in den Traditionen seines Baterhauses zu unterhalten und vor den von allen Seiten herzuströurcnden schädlichen Einflüssen zu schützen suchen. Tie Geschichte Israels lehrt uns, daß Armuth und Niedrigkeit, Truck und Verfolgung dem religiösen Leben unseres Volkes bei weitem nicht so gefährlich waren wie Neichthum, Ehre und hervorragende Stellung im gesellschaftlichen Leben. Schon unser großer Lehrer Moschehar diesem Gedanken Ausdruck verliehen cyzi i'',r 'k=r^, daß das Wohlbefinden das bisher in Tugend und Geradheit lebende Volk zum Uebermuthe verleite, und unsere Weisen lehren: Schön Neidet Demutdie Israeliten, so schön wie eine rothe Rose einem weißen Rosse sicht. Neberall und zu allen Zeilen, da die Israeliten die Bitternisse des Galuth zu kosten harten, blieben sie treucrgeben ihrem Gotte und der Religion ihrer Väter; wenn aber die Bande gelockert, die Fesseln gesprengt wurden, so en'aßtc der lltbcrmuth und der Leichtsinn viele Söhne und Töchter unseres. Volkes und sie vergaßen den allmächtigen Gott, der unser einziger Hort ist, und Seine heiligen Gebote, die unser größter Rerchthum sind. So geschah es in Schuschan zur Zeit der Perserherischafr, so geschah eS in Alexandrien unter den Prolomäern, so geschah es in Spanien und Portugal bis zur Zeit der Austreibung au» diesen Ländern. Achnliche Tinge haben wir in der Jetztzeit zu beklagen. Seitdem vor beinahe hundert Jahren die französische Revolution von 1759 die Idee» der Freiherr und Gleichheit geboren und über die ganze Wcl: der-- breitet hat, sind nach und nach die Schranken gefallen, die unk von unfern Mitbürgern getrennt hatten. Zerstört wurden die da» Ghetto abschließenden Mauern, aufgehoben wurden die Bedrückungen und Ausnahmegesetze, geöffnet wurden den jüdische Kindern die Pforten der Schulen und Universitäten. Rremand wollte Israel zwingen, seinem Glauben, seinem Geseke mitten zu werden. Biele aber ließen und lassen sich von den neuen Verhättnisseu beeinflussen und wurden und werden untreu der altehrwürdigcn Fahne des BäterglaubenS; viele Andere aber blieben äußerlich dieser Fahne tten. während sie von dem eigentlichen Wesen des JudcnrhumS, vom Gesetze, von der Lehre sich lossagten und lossagen. Tie Eltern, die noch im Iudenthume erzogen wurden, die noch das innige Leben mit Gott und in Gott vor Augen gesehen, sind im Herzen noch Juden und wollen und können das Iudenthum nicht aufgcbcn. Was soll aber aus den Kindern werden, die da von Jugend an statt des Sabbats den Sonntag, statt der jüdischen Feiertage die nichtjüdische» Feste zu feiern gewöhnt sind, die von der Lehre und der» Gesetze des Iudenthum» ganz ungemein wenig erfahren, denen die heilige Schrift und die Quellen der Tradition für immer verschlossen bleiben i Was Wunder, daß diese, wenn sie herangewachsen. Mischehen schließen, ihre Söhne nicht beschneiden lassen, oder, wenn irgend ein Anlaß dazu vorliegr, den einzigen Gott verlassen dem Iudenthum ganz entfremdet werden* Al» Joseph die Frage seines Vaters vernahm: Wer sind dieses da mochte er in dem Herzen seines Vater» lesen, daß Gedanken der Besorgniß um die Zukunft dieser Enkel darin aufgcsticgen waren. Und es sprach Joseph zu seinem Vater: Meine Söhne sind cs. die gegeben hat mir Gott in diesem Lande, unter diesen Verhältnissen. Wiewohl geboren und erzogen im Lande des abscheulichsten Götzendienstes, sind sic meiner würdige Söhne geblieben, sind sie dem einzigen Gotte und den Traditionen meines Vaterhauses getteu erhalten worden. — Und Jakob ruft freudig: Führe sie her zn mir, daß ich sie segne: Mir dir. in deinem Sinne, in deinem Geiste, bei der Erziehung deinem Beispiele folgend, wird Israel segnen, und wenn ein israelitischer Vater segnend seine Hände auf das Haupt feines Sohnes legt, wird er sprechen: Es möge dich machen Gott wie Ephrajim und Menascheh, die, inmitten eines fremden Volkes. unter den schwierigsten Verhältnissen, auf den Höhen des RcichthumS und der Ehre geboren und erzogen, dennoch gesctzestreue und glaubensscstc Israeliten geworden und geblieben sind.