Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 100-101 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WE J-Kvo» Jg 100 L 101» Der Israelit. (Ha KenLrat - Hrgan für das orthodore IudenLhum. Herausgegebcu von Dr. Lehman« in Mainz. - - Mittwoch, den 28. Dezember 5848 (1887). 0:' TO1* bcm t Januar 1888 rin n-neS Luartal beginnt» fo erlauben wir UNS» die geehrte» Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post da- Abonnement frLhlertlg ernenert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. . Leitende Artikel. ßpörajim und WenascheS. Mainz, 26. Dezember. Wohl kein Volk in der Welt hat sich die Traditionen der Väte" so treu bewahrt wie das jüdische. Vor länger als dreitausend Jahren bat Later Jakob seinem geliebten Sohn Joseph verheißen: Mir dir (mit deinen Söhnen) wird Israel segnen, sprechend: es möge dich machen Gott wie Ephrajrm und Menaschch, und seitdem, wo auch immer ein jüdischer Later die Hände segnend auf das Haupt seines Sohnes legt, erfüllt er die Verheißung des Erzvaters, indem er spricht: es möge dich machen Gott wie Ephrajim und Mcnaschch. — Es bedarf gewiß der Erörterung, warum gerade die Söhne Josephs ausersehen waren, für alle Zeiten zum Gegenstände der innigsten Eltcrnwünsche zu werden, warum gerade sie ausersehen waren als Muster und Vorbilder den Kindern zu gelten, warum die Later- und Mutterhcrzen bis in die späteste Zukunft gerade dieses Gebet für das Heil ihrer Kinder zu Gott cmporfendcn sollen. Hat doch die israelitische Nation Männer hcrvorgebracht, von deren Größe und Bedeutung wir weit mehr wissen als von Ephrajim und Menascheh. Dir heilige Schrift erzähl: uns von ihnen sehr wenig, von ihren Ebarakrercn und Leistungen fast gar nichts. Unter ihren Nachkommen gab eS einerseits Helden an Tugend und Gottesfurcht, andererseits Männer von schlechtem Einflüsse und bösem Thun gerade so wie unter den Nackkommen der andern Stämme auch. Josua, Gideon, Jiphtach gehören zu den erhabensten Heldengestalten unseres Volkes; dagegen übten Jerobcam, Achab, Jchu und dessen Nachkommen den schlimmsten Emstuß auf oassclbc aus. Was also war es wohl, das unseren Vater Jakob veranlaßte, die beiden Söhne Josephs als Muster und Doxbilder den Heranwachsenden Geschlechtern der ganzen Folgezeit aufzustellen? Nach einem langen Leben voller Leiden und Kämpfe waren unserem Later Jakob im Lande Miz^ rajim in der Nähe seines geliebten SohneS Joseph siedenzchn Jahre des Glückes, des Friedens und der Nutze beschicden. Ta wird dem Sohne gemeldri, daß der Vater erkrankt sei, und Joseph rill mir seinen beiden Söhnen an das Krankenbett seines Vaters. Nachdem Jakob seinen Wunsch, nicht in Mizrajim, sondern im Lande Kcnaau bei seinen Vätern in der Höhle Machpclah bestattet zu werden, wiederholt hatte, erblickt er die Söhne Josephs und ftagl: Wer sind diese? Und es sprach Joseph zu seinem Vater: Meine Söhne sind es, die gegeben hat mir Gott in diesem Lande, unter diesen Verhältnissen. Und er sprach: Führe sic doch her zu mir, auf daß ich sie segne. In diesem Zwiegespräche zwischen Jakob und Joseph liegt die Beantwortung unserer Frage. Joseph war als Sklave nach Aegypten gekommen, war in ein unterirdisches Verließ geworfen und war dann der Herrscher des Landes geworden. In allen diesen so verschiedenen Lagen und Lebensoerhültnisten hat er sich Tugend und Frömmiakeit, hat er sich die Furcht vor Gott und die Liebe zu Gott, hat er sich die Traditionen seines Vaterhauses treu bewahrt. Als Sklave sprach er zu der verführerischen Herrin: Wie könnte ich rin so große-Unrecht