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Der Israelit · 1887-12-22 · Heft 99 (22.12.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 99 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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aa§Ms* am 17H4 Lungenscylagr durch tuten schmerzlosen jamtcn Tod, würdig eines Frommen, entrissen; — zu früh trotz des erreichten 7 t. Lebensjahres für feine Hinterbliebenen, denen er ein stets liebevoller, sorgsamer Gatte und Vater gewesen; zu früh für die israelitischen Gemeinde-Mitglieder, welche ihren Leiter undRathgcber und zu früh für alle unsere Einwohner ohne Unterschied der Konfession und des Standes, die ihren humansten und selbstlosesten Mitbürger verloren haben. Seit 40 Jahren Vorsteher unsrer Gemeinde und feit 20 Jahren Stadtverordneter, verstand er cs. sich durch fein biederes, herzliches Wesen, fein freundschaftliches Entgegenkommen die Liebe und Verehrung Aller, durch gewissenhafte Pflichterfüllung und streng sittliches Verhalten das unbegrenzte Vertrauen eines Jeden zu erwerben, welcher einmal mit ihm in Berührung kam. Heber Alles ging ihm jedoch die Gottesfurcht. Von Morgens, wo er seit einem halben Jahrhundert mit bewunderungswürdiger Pünktlichket als der Ersten Einer zum Frühaottcsdicnstc erschien, bis Abends spät gab er uns ein Beispiel jener echten Frömmigkeit, welche sich nicht genügt in strenger Beobachtung aller religiösen Vorschriften, sondern auch im praktischen Leben sich ihre Nutzanwendung sucht. Sein HauS war wahren Sinnes der Mittelpunkt unsrer Stadt: cS schied daraus getröstet, wer es gebeugt betrat, aufgeklärt, wer da kam. den trcfsiichen Rath des viclcrsahrenen Tahingeschiedenen einzuholcn und dankbar die vielen Bedürftigen, die an seine stets ost'ene Hand appellirtcn. Gottergeben, den Fügungen des Allmächtigen sich unterwerfend, freudig und ohne Muren, so lebte und starb der Verblichene. Zwei Tage vor der festgesetzten in Frankfurt stattgefundenen Hochzeit eines seiner Söhne bene! ihn ein leichtes Unwohlsein, welches die Reife nicht zuliest. Lächelnd täuschte er seine Angehörigen über die Bedeutung der Krankheit. um dir Festlichkeit nicht zn stören.'Eine höhere Hand unterbrach sie in ungeahnter Weise. Der Hochzeitstag des Sohnes wurde der Sterbetag seines edlen Vaters. Hätte es denen noch bedurft, der imposanteste Leichcnzug, den Fclsberg wohl gesehen, die ungezählten Bcileidsbeweisc. selbst aus weiter Ferne würden für die vorzüglichen Eigenschaften des rheurcn Entschlafenen ein beredtes Zeugnis abgcben. Ter Stolz der Gemeinde ist dahin! Wir aber beten zuui allgütigcn Vater, dast Er den Geist des echten Judcnthums, der den Verstorbenen beseelte, unter uns fortleden und dessen gortesfürchtiges Walten uns stets gewärtig halten möge, alsdann wird zurrcssen: rcrsi? p"ur -c:.-r. Oesterr. Ungar. Monarchie. * Pretzburg. Tie traurigen Folgen der im Zahre 1^2 in unserer Stadt stattgehadtr» Inden» krawalle treten nunmehr in greifbarer Form auf.' indem der Minister des Innern von der Sladtge» mcinde in entschiedener Weise die Bezahlung der circa 5200 Gulden betragende» Koste» des damals rcquirirten Brachiums fordert. Nachdem jedoch die Stadtgemeinde schon vor längerer Zeit a» de» Reichstag eine Petition wegen Enthebung von der diesbczüglichen ZahlungSpsticht richtete, die Art der Erledigung derselben aber bisher dem Munizipmm noch nicht notifizier wurde, beschloß die Generalversammlung, das Ministerium des Znnern zu bitte«, über das Schicksal der erwähnten Petition die Stadtgemcinde vorerst zu verständigen. Nyrcgyhäza. Jüngst fand im nahen Kotaj die Leichettseier des jüdischen Gutsbesitzers Albert Mandel statt. Vizcgcspan Z o l t a n war persönlich erschienen. Tie Stadt stellte freiwillig ihren Leichcnroagen und eigene Bespannung bei. Sämmt- Uchc Glocken läuteten und die ganze Bevölkerung ging in Festkleidern hinter dem Trauerznge. Dar dem Hcrrenhause des Mandel'schcn Gutes hielten rühmende Nachrufe der reformirte, der griechischkatholische und der römisch-katholische Pfarrer, die sammt Kantoren und Ehor anwesend waren. Tiefe Eeremonic dauert 3 Stunden. Ter Rabbiner sprach am Grabe und würdigte die Verdienste des Berklärtcn, die er sich speziell um seine Glaubensgenossen cnvorben. Tie ganze Feier durchwehte ein erfreulicher Geist religiöser Toleranz, der leider hier noch immer fehlt. Frankreich. Paris. Das Testament der jüngst verstorbenen Frau Boucicant, Inhaberin des bekannte» Geschäftshauses „Bon Marchfc,“ welches so großartige Legate fesrsetzte, hat in ganz Frankreich als eine seltene Ausnahme das größte Aussehen erregt. Tiefe edle Frau har allen vom Staate anerkannten Eonfctsionen bedeutende Summen hinterlassen. Laut eines Schreibens ihres Notars Ganne au den Lberrabbincr Zadoc Kahn, befindet fich in ihrem Testamcttte unter der Rubrik „fromme Stiftungen* folgende Stelle: „Ich überwache dem Revräicntauten der religiösen isr. Interessen in Paris, Herrn Zadöc Kahn. ^berradbiner von Paris, wohnend in der Straße Saim-Georges 17, oder an dessen Stelle an Herrn Baron Alphonse ».Rothschild, Lanquier. in der Straße Lantte, eine Summe von Hunderttausend Franken.-

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