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Der Israelit · 1887-12-22 · Heft 99 (22.12.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 99 (22.12.1887)
Date
1887-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1763 Das Zengniß VeS SozralistenführerS wird »och oft in der Zukunft gegen jene alberne Behauptung ins Treffen geführt werden muffen, und allein ihretwegen haben wir auch der Auslassungen des Herrn Böckel gedacht, die wir sonst selbstverständlich auch nur der Erwähnung für überflüssig erachtet hätten. Berlin, IS. Dezember. DaS „Kleine Journal" bringt in feiner heutigen Montagsnummer folgende Meldung, die wir mit aller Reserve und ohne ein Wort des CommentarS hier wiedergeben. Das Blatt schreibt: Die Amtsentsetznng eines Predigers an einer im Ecntrum der Stadt belegcnen Kirche dielet seit einigen Tagen in der Parochie sowohl wie in kirchlichen Kreisen Stoff zur Unterhaltung. Ter Name des suspcndirten Geistlichen wurde, als die Dogen der bekannten „Berliner Bewegung" sehr hoch gingen, sehr oft in einem Athem mit denen der geistlichen Hauptführer dieser famosen Bewegung genannt und sein Träger galt in antisemitischen Kreisen als ein Hauptvcrfechtcr Stöckcr'scher Ideen. Der Herr Prediger hat sich zunächstAmtsversäumniffe zu Schulden kommen lassen. Aber mehr noch als diese Versäumnisse haben noch andere Vorkommnisse den Entschluß des Eonsistoriums, gegen den Prediger vorzugrhen, herbeigeführt. Ter fromme Herr, welcher in seinem Glaubenscifer s. Z. Schulter an Schulter mit einem antisemilischenBuchdruckcreibesiyer, der, wie erinnerlich, vor drei Jahren etwa in sehr ärmlichen Verhältnissen gestorben ist, für Sitte und Moral kämpfte, ist nach dem Tode des Buchdruckers der Helfer und Berathcr der trauernden Wittwe geblieben. Er mochte, da er selbst Ehegatte und mehrfacher Familienvater ist, wohl empfinden, daß die Lage dcrDiuwe eine sehr trostbedürftige sei und dcßhalb blieb er ihr treu zur Seite, unterstützte sie durch Rath und That und sorgte auch dafür, daß sie im Sommer in Fricdrichshagcu zu ibrer Erholung Wohnung nehme. Ob cs sich nun mit den moralischen Pflichten eines Geistlichen, Gatten und Familienvaters auch vereinbaren ließ, daß der Herr Prediger fast täglicher Gast bei der Wittwe in Friednchshagcn war, mußte seitens der .K irchenraths-Mitglicdcr stark bezweifelt worden sein, denn sie beraumten, als die Gerüchte über deranige sommerlichen Exkursionen endlich zu ihren Ohren drangen, einen Termin an, in welchem die Angelegenheiten des Herrn Prediger? einer scharfen Kritik unterworfen wurden. Tieselbe ist sehr zu Ungunften des Geistlichen ausgefallen, wie es die vor ca. zwölf Tagen erfolgte Amtsentsexung beweist. DaS Konsistorium war der Ansicht, daß ein Man», der mit Worten die Moral und gute Sitte predige, dieselbe auch in seinen Handlungen bethätigen müsse. Dem vom Amte Suspcndirten sind nunmehr auch alle Bücher abgenommen worden, die er in kirchlichen Angelegenheiten zu führen hattet Frankfurt a. M. Nachdem sie ihm durch ihren Applaus einen Tag des Glücke? bereitet haben, bcellen sich die Konservativen, Herrn Böckel, den „besten Antisemiten", von den Rockschößen abzuschüt» reln. Das Organ der Partei, die „atönferö. Eorresp.", kennzeichnet ihre Stellung zu dem Abgeordneten für Marburg wie folgt: „Wir haben ihn mit Rücksicht auf die Arl und Weise, wie er sich in den Besitz seines Madats gebracht hat, wie auf andere Momente an demselben Tage, wo er in den Reichstag eintrat, als eine Spielart des Demagogen — mtt starken Berührungspunkten mit der Sozialdemokratie — bezeichnet, und die zum Theil überaus wüsten Reden, welche dieser Abgeordnete inzwischen in Leipzig, in Hessen und anderwätts gehalten hat, konnten nur dazu dienen, uns in dieser Auffassung zu bestärken. Es heißt den Konservativen doch auch eine unglaubliche Naivität zumuthen, wenn man von ihnen erwartet, sie würden irgend etwas thun, um die Position eines Mannes zu stärken, der mit feiner „Partei" wesentlich auf unsere Kosten Mandatsjagd treiben will und von der jugendlich unreifen Kritik, mit bcr er beispielsweise in Leipzig alle bestehenden Parteien übcrsprudelte, den kräftigsten Theil den Konservativen zuzuwendcn pflegt." Es sorgt dann nach einem Hinweise darauf, daß gelegentlicher Beifall zu Nichts verpflichte und daß er in diesem Falle weniger den Worten des Redners, als der Abfertigung des Abg. Richter durch den Präsidenten gegolten habe, die Versicherung, die konservative Partei werde „Alles daransetzen, uvr Herrn Dr. Böckel bei der nächsten Wahl auS dem Reichstage wieder zu entfernen." Den jungen Eindringling wird diese Drohung wenig anfechtcn, solange die Konservativen durch ihre Art der antisemitischen Bestrebungen Wasser auf die Mühle seiner radikalcu Agitation leiten. (Ff. Ztg.) Felsberg. Lez. Easscl. Am 20. November d. I. 't Nachmittags 5 Uhr hat unsre Gemeinde einen unersetzlichen Verlust erlitten. Tie Krone unsres Städtchens, unser auch in weitern Kreisen bekannter und verehrter Vorsteher Jakob Goldberg, bis zuletzt im Vollbesitze seiner geistigen und körperlichen Kraft, wurde uns nach kaum zweitägigem Krankenlager in Folge eines

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