Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 99 (22.12.1887)
- Date
- 1887-12-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449793--27724-2517596- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1765 Are Kerrin von Zittawitz. xv. mm Wenige Wochen nach den erzählten Ereignissen verlobte sich die Baronin Rohritz mit dem Grafen Edelmann, und als das Trauerjahr zu Ende gegangen war, fand auf Schloß Zittawitz die Vermählung des hochgeborenen Brampaarcs stau. Lange vorher war Moses Krakauer mit den Leinen fortgczogen. Er hatte für seine Ersparnisse ein kleines Gut käuflich erworben; allem der Ertrag des Gutes war zu gering als daß er für die Ernährung der zahlreichen Familie genügt hätte. Hätte Ahron eine „gute Partie" «lachen können, so wäre dadurch Gelegenheit geboten worden, das Gut zu vergrößern. Ta aber Ahron ein Mädchen hciralhen wollte, das nichts besaß, so mußte er sich entschließen, die Eventualität der Vergrößerung des väterlichen Besitzes seinem Bruder Feibisch zu überlassen. Er selbst begab sich nach Wien. um dort ein Unterkommen zu finden. Unterdeß batte Moses Krakauer in Verein mit der Hebamme Täubchen, gestützt auf den Brief des Grafen Topolski, bewirkt, daß Rahe! aus der Matrikel der jüdischen Gemeinde ausgeschieden und in das Kirchenbuch eingetragen wurde. Als dann sich die von Krakauer ausgesprochenen Vermuthungcn bestätigten, als der österreichische Kaiscrstaat eine freisinnige Verfassung erhielt und der Hebertritt zum Judcnthume gestattet wurde, erklärte Rahel, die untcrdeß mündig geworden war, ihren Austritt aus der christlichen Kirche und wurde dann unter Befolgung der üblichen Vorschriften in das Iudcnthum ausgenommen. Ihrer Vermählung mit Ahron stand nichts mehr im Wege. Dieser hatte in Wien eiu kleines Geschäft etadlirt und hoffte bei bescheidenen Ansprüchen eine Familie ernähren zu können. Die Hochzeit des jungen Paares wurde in Iennikow, dem nunmehrigen Wohrwrte der Eltern, gefeiert. Ahron hatte für seine Frau ein sogenanntes Greislergeschäft eingerichtet. Er selbst ging an die Börse, uur dort als Makler sein Brod zu verdienen. Tie jungen Leuten fühlten sich unendlich glücklich, und als ihnen nach Iabresfrist eia Löhnchen geboren wurde, da hatten sie keinen Wunsch übrig. . Auch die Gräfin EdelmaunXwar Mutter geworden, und das gräfliche Paar sah mit Entzücken -auf den rünftigm LtamMhaltcr der Häuser Edelmann und Topolski. Dieser Knabe blieb der einzige Sproß, während der Familie Ahron KrakauerS jedes Jahr einen Zuwachs brachte. Eines Tages fuhr eine prachtvolle Equipage durch die stille Vorstadt, in welcher sich RahelS Verkaufsgewölbe befand. Der kleine Abraham, der auf der Straße gespielt hatte, lief in's Haus und rief: „Vater, Mutter, kommt herbei und schaut den schönen Wagen!" Tie Equipage fuhr langsam, wiewohl zwei feurige Rosse sic zogen, denn der seine Knabe, der mit seiner Wärterin auf dem Rücksitze saß, war eingcschlafen und sollte nicht gestört werden. Der Rossclenkcr trug eine goldstrotzende Livree, ebenso der Bediente, der auf der Rückseite des Wagens stand. Auf dem Vordersitze des Wägens saß ein vornehmer Herr in prachtvoller Uniform und neben ihm ein hochelegant gekleidete, schöne Dame. Es waren der Graf und die «Gräfin Edelmann mir ihrem Söhnchen. „So könntest Tu jetzt auch spazieren fahren," sagte Ahron zu seiner Frau, „wenn Tu gewollt hättest." „Und Du ebenfalls," entgegnete Rahel, „wenn Tu eingewilligst hättest." „Bei mir war es etwas Anders; ich durste meineu Glauben nicht verkaufen." „„Mit mir verhielt es sich geradeso; ich durfte nicht gegen meine Uebcrzcngnng handeln. Im Uebrigcn, geliebter Mann, würde ich noch heute nicht tauschen. Wie sagt doch der heilige Sänger: Jene mir Wagen und Jene mit Rossen — wir aber erwähnen den Namen unsres GotteS."" Ahron ergriff die Hand seiner Frau und drückte sie innig. „Du bist ein gutes, edles Weib," sagte er. „Und wenn der liebe, gute Gott nur gibt, daß wir unser tägliches Brod haben, so wollen wir zufrieden sein und uns glücklich preisen." Für das tägliche Brod war reichlich gesorgt. Es war damals ein ungemein lebhaftes Geschäft au der Börse, und die Makler verdienten viel Geld. Ahron dachte schon daran, sein Greislergeschäft aufzugeben, da die sich stets mehrende Kinderschaar seine Gattin für die Haushaltung zu sehr in Anspruch nahm. Ta kam, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, der große Wiener Börsenkrach. Banken und Banquiers, die bisher viele Makler beschäftigt